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Strom aus der Kiesgrube: Bad Nauheimer Parlament geht nächsten Schritt

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Von: Petra Ihm-Fahle

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In der naturgeschützten alten Kiesgrube zwischen Steinfurth und Nieder-Mörlen könnten nach Ansicht des Stadtparlaments Freiflächen-Fotovoltaikanlagen entstehen. © Petra Ihm-Fahle

Idyllisch liegt die alte Kiesgrube zwischen Steinfurth und Nieder-Mörlen in der Natur. Dort könnte sich etwas in Sachen Stromgewinnung tun.

Mit Fotovoltaik (PV) hat sich vergangene Woche das Bad Nauheimer Parlament befasst. Vor Kurzem erst war ein FDP-Antrag eines der Themen gewesen. Es ging dabei um einen Transformationsplan für eine energieautarke Stadt, den der Bauausschuss einstweilen zurückstellte, um noch daran zu arbeiten. Wie Manfred Jordis (CDU) nun in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in der Trinkkuranlage erklärte, hatte er seinerzeit einen Prüfantrag zu Freiflächen-PV-Anlagen angekündigt. Das Papier stammt aus der Feder der Koalition aus CDU, Grünen und SPD.

Auch Wisselsheimer Steinbrüche Option?

»Wir haben Bauchschmerzen bei dem Gedanken, Freiflächen-PV-Anlagen auf guten Ackerböden zu sehen. Aber es gäbe die Möglichkeit an anderen Stellen, beispielsweise in der alten Kiesgrube bei Nieder-Mörlen«, sagte er. Dort besteht laut dem Christdemokraten Naturschutz, aber Freiflächen-PV-Anlagen seien möglich, da sie die Tierwelt nach Worten von Jordis nicht stören. »Man könnte dort Strom produzieren«, stellte er fest.

Jochen Ruths (FDP) konstatierte: »Wir freuen uns, dass wir die Koalition nicht mehr davon überzeugen müssen, dass PV und Biodiversität gleichzeitig machbar sind.« Erstaunt seien die Freidemokraten über den vorliegenden Antrag. Wie Ruths berichtete, beabsichtige die Eigentümerfamilie der Kiesgrube sowieso, PV-Anlagen dort zu errichten. Laut Ruths möchte die FDP auch andere geeignete Brachflächen wie die Steinbrüche von Wisselsheim in die Prüfung einbeziehen. Er beantragte, den Antrag in den Bauausschuss zu verweisen.

Wie Jordis allerdings entgegnete, liege mit dem Thema Kiesgrube ein konkretes Projekt vor. »Wir können über andere Projekte reden, das Beispiel in Wisselsheim ist gut. Aber zu versuchen, mit einem Antrag alle Möglichkeiten zu erschlagen, ist nicht zielführend.« Das Hohe Haus lehnte die Verweisung mehrheitlich ab. Markus Theis (FW) fand es »komisch«, zu prüfen, ob der Private auf seinem Gelände eine Anlage bauen kann. »Was soll die Stadt da prüfen? Das muss doch erst mal derjenige tun, dem das Grundstück gehört.« Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) ging auf vorangegangene Debatten ein. »Es wurde ja gesagt, dass wir etwas Konkretes machen müssen.« Richtig sei im Falle eines Falles, zuerst den Eigentümer zu kontaktieren.

Stück für Stück autark werden

Gemeinsamer Wille ist laut Kreß, Stück für Stück energieautark zu werden - die Stadt habe eine Vorbildrolle. »Wir würden den Eigentümer ansprechen, aber nicht gegen seinen Willen. Wenn er mitmacht, dann ist es in Ordnung. Wir tun es ja nicht, um einem Privaten einen Gefallen zu tun oder einzugreifen, aber vielleicht ergibt sich ein Geschäftsmodell für die Stadtwerke.« Der Rathauschef stellte klar, dass die Kosten für das Planungsrecht beim Eigentümer lägen, sofern er Gewinnerzielungsabsichten habe. Aber die Stadt könne helfen, die schwierigen planungsrechtlichen Wege zu bahnen.

Steffen Hensel (SPD) dankte Kreß für »das klare Bekenntnis, dass etwas passiert«. Nach Ansicht des Sozialdemokraten muss die Kommune für die Energie-Zukunft Geld akquirieren und Möglichkeiten schaffen - auch für Bad Nauheimer, damit sie dort investieren können. Benjamin Pizarro (FDP) wies nochmals auf den eigenen Antrag zum Transformationsplan hin, der der Stadtverwaltung »Leitplanken« vorgeben will. Das sei der eigentliche Job des Parlaments - nicht kleinteilig jedes Projekt einzeln zu diskutieren. FW-Mann Theis regte einen Änderungsantrag an. »Der Magistrat soll Gespräche mit dem Eigentümer aufnehmen, verbunden mit dem Ziel, eine Freiflächen-PV-Anlage zu errichten.« Jordis hielt es für Wortklauberei, denn nichts anderes habe die Koalition gewollt. »Aber wenn es hilft, dass der Antrag eine breite Mehrheit findet, habe ich kein Problem.« Den geänderten Antrag nahmen die Stadtverordneten nach einer Sitzungspause einstimmig bei einer Enthaltung an.

Baumarkt-Parkplätze nutzen

Sollte die Prüfung einer Freiflächen-Fotovoltaikanlage in der alten Kiesgrube zwischen den Bad Nauheimer Stadtteilen Steinfurth und Nieder-Mörlen erfolgreich sein, möchte die Koalition aus CDU, Grünen und SPD einen Schritt weiter gehen. Sprich, Parkplatzflächen von Baumärkten einer Prüfung unterziehen. »Das sind Flächen, die nur genutzt werden, um Autos abzustellen«, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Jordis. Unter anderem hätte eine solche Maßnahme den Nebeneffekt, dass die Autos im Sommer unter einer Fotovoltaik-anlage im Schatten stünden. Zunächst aber solle das Kiesgrubenprojekt im Fokus stehen.

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