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Strittig: Ist PV-Offensive in Bad Nauheim notwendig?

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Von: Bernd Klühs

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Holpriger Start ins Solarenergie-Zeitalter: Seit 20 Jahren gibt es diese Fotovoltaikanlage im Rathaushof, die Kritiker als »Schildbürgerstreich« bezeichnen. Seitdem hat sich viel getan, aber nach Ansicht der FDP nicht genug. © Nicole Merz

Die FDP in Bad Nauheim will eine Fotovoltaik-Offensive starten. Ob die Kurstadt Nachholbedarf hat, ist allerdings strittig.

Von Windkraftanlagen hält die hessische FDP bekanntlich nicht viel. Um trotzdem etwas für die CO2-Minderung zu tun, möchten die Bad Nauheimer Freidemokraten eine PV-Offensive starten, wobei das Kürzel für Fotovoltaik steht. Einen entsprechenden Antrag hatte die Fraktion für die jüngste Sitzung des Stadtparlaments gestellt.

Vor 20 Jahren gab es in Bad Nauheim erste Ansätze zur Nutzung von Solarenergie. Damals wurde das neue Rathaus an der Ecke Parkstraße/Friedrichstraße errichtet. Das Parlament hatte - gegen den Willen des damaligen Bürgermeisters Bernd Rohde (CDU) - beschlossen, das neue Verwaltungsgebäude mit einer PV-Anlage auszustatten.

Schildbürgerstreich im Rathaushof

Was dabei herauskam, sorgte für reichlich Spott. Rohde ließ nämlich 2002 ein paar Solarmodule auf ein Nebengebäude im Rathaushof installieren, wo sie noch heute zu bestaunen sind. Viele Bürger, auch die Grünen, sprachen von einem »Schildbürgerstreich«, weil die Anlage aufgrund der benachbarten Zehntscheune oft im Schatten liegt. 2009 stellte die Umweltpartei gar den Antrag, die kleine PV-Anlage, die kaum Strom produziere, wieder abzubauen. Die Mehrheit lehnte dieses Ansinnen ab.

Seit diesen holprigen Anfängen hat sich in Bad Nauheim in Sachen Fotovoltaik einiges getan. Aus Sicht der Liberalen sind die Möglichkeiten aber längst nicht ausgereizt. Nach Angaben von Sven-Klausnitzer, der den FDP-Antrag begründete, existieren in Bad Nauheim derzeit Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von 6,3 Megawatt. »Wir sollten den Ausbau auf eine breitere Basis stellen. Es gibt diverse Dachflächen, die längst genutzt werden könnten«, sagte er.

FDP will eine Bürgerbeteiligung

Als Beispiele von öffentlichen Gebäuden ohne PV-Anlage nannte der FDP-Sprecher die Dreifeld-Sporthalle am Schulzentrum, Kitas, Usa-Wellenbad, Bürgerhäuser, Vereinsheime und Kläranlage. Dort sollten möglichst schnell Solarmodule aufgestellt werden. Klausnitzer: »Wir sollten nicht bis zu einer Sanierung dieser Gebäude warten, sondern gleich loslegen.« Da der Investitionsbedarf sehr hoch sei, könnten Bürger in Form von Genossenschaften mit ins Boot geholt werden und von der Rendite profitieren.

Zahlreiche Mehrfamilienhäuser böten sich aufgrund ihrer großen Dachfläche auch an. Ebenso wie bei Ein- und Zweifamilien-Häusern könnten die Eigentümer den erzeugten Strom selbst verbrauchen. »Es gibt sehr viel Eigenheimbesitzer, die der Nutzung von Solarenergie positiv gegenüberstehen«, sagte Klausnitzer. Bei Beratung und technischer Umsetzung komme den Stadtwerken eine wichtige Rolle zu.

Der FDP-Vorschlag wurde zur weiteren Beratung in den Bauausschuss überwiesen. Zuvor machte CDU-Fraktionschef Manfred Jordis einige kritische Anmerkungen. »Der Antrag klingt so, als ob in Bad Nauheim bezüglich Fotovoltaik nicht viel passiert wäre. Tatsächlich haben die Stadtwerke einiges gemacht. Das gilt auch für die Mittelhessische Energiegenossenschaft, die in Bad Nauheim alle Schulen mit PV-Anlagen ausgestattet hat«, sagte Jordis.

Einige städtische Immobilien seien ebenfalls mit solchen Anlagen ausgestattet. Allerdings komme aus Gründen der Statik und des Denkmalschutzes nicht jedes Gebäude dafür infrage. CDU-Mann Jordis: »Die FDP sollte nicht den Eindruck erwecken, als ob das Rad neu erfunden wird.«

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