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Streit um Ärztlichen Bereitschaftsdienst in Bad Nauheim eskaliert

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Von: Bernd Klühs

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Bislang ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst in unmittelbarer Nähe zur Notaufnahme des Hochwaldkrankenhauses untergebracht. Doch ein Umzug ist geplant, wogegen sich viele niedergelassene Ärzte aus der Wetterau wehren. (Archiv)
Bislang ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst in unmittelbarer Nähe zur Notaufnahme des Hochwaldkrankenhauses untergebracht. Doch ein Umzug ist geplant, wogegen sich viele niedergelassene Ärzte aus der Wetterau wehren. (Archiv) © Nicole Merz

Die Kassenärztliche Vereinigung sieht sich als Interessenvertretung niedergelassener Mediziner. Doch in der Wetterau kann davon nicht die Rede sein. Ein heftiger Streit um Umzugspläne ist entbrannt.

Bad Nauheim – Im Dezember hatten sich Bad Nauheims Bürgermeister Klaus Kreß und der Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW), Dr. Dirk Fellermann, mit deutlicher Kritik zu Wort gemeldet. Angesichts des geplanten Umzugs des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) vom Hochwaldkrankenhaus in die Kurstraße befürchten beide eine Verschlechterung der Patientenversorgung. Das bewährte Zusammenspiel von ÄBD und Klinik-Notaufnahme in direkter Nachbarschaft solle ohne Not aufgegeben werden.

Bei den niedergelassenen Ärzten rumort es ebenfalls gewaltig. Im Dezember hofften die Mediziner noch auf ein Umdenken bei der Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) und ÄBD-Obmann Marc de Groote (Friedberg) und hielten sich mit öffentlichen Aussagen zurück. Die Geduld vieler Praxis-Betreiber ist jetzt erschöpft, wie sich Schreiben, die der WZ vorliegen, und Aussagen des Bad Nauheimer Internisten Dr. Lutz Ehnert entnehmen lässt. Aufgrund der Umzugs-Absicht ist der stellvertretende ÄBD-Obmann Dr. Werner Bortz (Altenstadt) zurückgetreten.

Unter Ärzten in Bad Nauheim rumort es kräftig

Die Ärzte üben nicht nur inhaltliche Kritik, sondern bemängeln auch die Missachtung ihres Mitspracherechts. »Das ganze Vorhaben wird seit etwa einem Jahr von Herrn de Groote in aller Heimlichkeit hinter dem Rücken der Mitglieder, seiner Stellvertreter, der Krankenhausleitung und der lokalpolitisch Verantwortlichen vorbereitet«, heißt es in einem Schreiben von Bortz an die KVH. Schließlich zahlten die 240 Mitglieder des ÄBD Wetterau jedes Quartal schätzungsweise 160 000 Euro für diesen Notdienst. Der Mediziner möchte nicht länger mit der »unsinnigen Verlegung« des ÄBD in Verbindung gebracht werden.

Bortz und andere bekannte Mediziner aus der Wetterau wie Dr. Lutz Ehnert. Dr. Wolfgang Hammann (beide Bad Nauheim), Dr. Wolfgang Pilz (Ockstadt) und der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Reinhold Merbs (Friedberg), hatten Mitte Dezember eine Resolution an die KVH geschickt. Darin wird die ÄBD-Verlegung strikt abgelehnt und der Vorstand aufgefordert, die Vorbereitung zu stoppen. Verlangt wird eine Versammlung mit Abstimmung.

Bad Nauheim: Keine Antwort der KVH auf Ärzte-Schreiben

Ehnert wartet bis heute auf eine Antwort. Nur über Umwege hat er von einem Schreiben erfahren, das die KVH-Führung an dienstausübende ÄBD-Ärzte geschickt hat. Den Wechsel in die City bezeichnet Ehnert im Gespräch mit der WZ als »Schildbürgerstreich«. Wer künftig die ÄBD-Praxis in der Kurstraße aufsuchen wolle, werde längere Zeit einen Stellplatz suchen. Diagnostiziere der Arzt eine schwere Erkrankung, die eine Untersuchung im Krankenhaus erforderlich mache, müsse sich der Patient erneut ins Auto setzen, um die Klinik anzusteuern. Der unerwünschte Trend, dass Bürger außerhalb der Praxis-Zeiten mit leichten Erkrankungen die Klinik-Notaufnahme aufsuchten, werde sich verstärken.

»Das Zusammenspiel von ÄBD und Notaufnahme am Hochwald funktioniert gut. Der Standort-Wechsel wäre kontraproduktiv«, betont Ehnert. Zumal nach Fertigstellung der Klinik-Erweiterung eine noch engere Kooperation von ÄBD und Notaufnahme geplant sei. Der Internist spricht damit Pläne von GWZ-Chef Fellermann an, am Krankenhaus ein Integriertes Notfallzentrum zu gründen, in dem Ärzte aus Klinik und Praxen zusammenarbeiten sollen. »Medizin gehört zu Medizin«, sagt Ehnert. Das werde bislang in Bad Nauheim und an den meisten anderen hessischen ÄBD-Standorten praktiziert.

Ärzte in Bad Nauheim: Enttäuscht von Informationspolitik

Tief enttäuscht ist Ehnert von der Informationspolitik der KVH und des ÄBD-Obmanns: »Unsere Meinung ist nicht gefragt. Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt.« Alle niedergelassenen Ärzte, mit denen er gesprochen habe, seien gegen die Verlegung. Die KVH plant zwar ein Gespräch mit den Wetterauer Medizinern, Ehnert hat aber die Hoffnung auf ein Umdenken aufgegeben. Er sieht eine »Machtdemonstration« der KVH.

Deren Vorstand weist die Vorwürfe im Schreiben an die dienstausübenden Ärzte zurück. In diesem Brief wird an der umstrittenen Entscheidung festgehalten. Kritiker werden aufgefordert, sich zu mäßigen, viele Äußerungen schössen weit übers Ziel hinaus. ÄBD-Obmann de Groote, der sich gegenüber der WZ bereits im Dezember nicht äußern wollte und auf die KVH verwiesen hatte, werde »teils wüst beschimpft«, heißt es in dem Brief. Notwendig sei eine Deeskalation.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst in Bad Nauheim soll umziehen: KVH hält an Beschluss fest

Die Entscheidung, die Zentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in die Bad Nauheimer Innenstadt zu verlegen, stehe unverändert. Das betont Alexander Kowalski, stellvertretender Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, auf WZ-Anfrage. Hauptgrund seien die nicht adäquaten und veralteten Räume am Hochwaldkrankenhaus. Dort gebe es weder Fenster noch einen Sozialraum für ÄBD-Mitarbeiter. Wegen Corona sei zudem der Wartebereich im Klinikflur geschlossen worden, Patienten müssten im Freien stehen, bis sie an der Reihe seien. Die Krankenhaus-Leitung habe keine besseren Räume angeboten. Da der Neubau noch Jahre dauern werde und bis dahin keine signifikante Verbesserung eintreten würde, sei der Umzug in die City unumgänglich. Wie Kowalski bestätigt, läuft der Mietvertrag mit dem Gesundheitszentrum Wetterau nach wie vor. Die Kündigung werde fristgerecht erfolgen..

Ähnlich hatte der KVH-Vorstand in seinem Schreiben vom 25. Januar an die dienstausübenden ÄBD-Ärzte argumentiert. Mit dem Umzug sei keinesfalls eine Verschlechterung der Patientenversorgung verbunden - ganz im Gegenteil. Auch das Parkplatz-Problem besteht aus Sicht des KVH nicht. Es stünden im Umfeld ausreichend Stellplätze und ein »Parkhaus« zur Verfügung. Vermutlich ist damit die Tiefgarage am Kurparkplaza gemeint. »Sämtliche Kritik seitens der Bedenkenträger hinsichtlich des neuen Standorts ist vollkommen unbegründet und aus der Luft gegriffen«, schreiben KVH-Vorstandsvorsitzender Frank Dastych und sein Stellvertreter Dr. Eckhard Starke an die Wetterauer Ärzte.

Grundsätzlich sei eine Rückkehr des ÄBD ans Hochwaldkrankenhaus in Zukunft nicht ausgeschlossen. Voraussetzung sei allerdings, dass nach dem Umbau adäquate Räumlichkeiten angeboten würden.

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