Über das gelungene Konzert freuen sich (v. l.) Ralf Emge und Dan Martin (Tenor), Julia Huber (Flöten, Gemshorn, Viola da Gamba), Eva-Maria Anton (Orgel), Franz-Peter Huber und Michael Albert (Bass). FOTOS: HANNA VON PROSCH
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Über das gelungene Konzert freuen sich (v. l.) Ralf Emge und Dan Martin (Tenor), Julia Huber (Flöten, Gemshorn, Viola da Gamba), Eva-Maria Anton (Orgel), Franz-Peter Huber und Michael Albert (Bass). FOTOS: HANNA VON PROSCH

Strahlend wie der Glanz des Himmels

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim(hms). Die vier Männerstimmen der Camerata Fulda strahlten in den Sonntagnachmittag und mit ihnen ein erlesenes Programm kleiner geistlicher Werke. Das Vokalensemble ließ aufhorchen im besten Sinn und hineinhorchen in die Klangwelt der Renaissance und Romantik. Julia Huber präsentierte dazu instrumentale Überraschungen.

Erst vor gut zwei Jahren fand sich das aus renommierten Gesangsprofis bestehende Quartett zusammen mit dem Ziel, ein ausgesuchtes, abwechslungsreiches Repertoire für solistische Männerstimmen in besonderen Interpretationen zu erarbeiten. In Bad Nauheim stießen sie damit auf etwa 55 kundige Zuhörerinnen und Zuhörer, welche die Qualität der Darbietung mit dankbarem Applaus zu würdigen wussten. Einige Stücke begleitete Eva-Maria Anton auf der Orgel.

Einen eigenständigen Part hatte die Flötistin Julia Huber, die auch hervorragend Viola da Gamba spielte und ein selten zu hörendes Instrument, das Gemshorn, vorstellte. Das etwa 30 Zentimeter kleine geschlossene Horn wird über nur eine Oktave wie eine Blockflöte gespielt und hat einen satten, tragenden Ton. Die Instrumentalimpressionen griffen die Stilrichtung der Vokalwerke auf und bekamen im Wechselspiel mit der Orgel oder in der Gegenüberstellung gleicher Themen unterschiedlicher Komponisten eine reizvolle Bedeutung.

Der musikalische Bogen spannte sich vom typischen gregorianischen Gesang eines Johann Walter (1496 bis 1570) oder schlichten Liedern seines englischen Zeitgenossen Thomas Tallis über die hundert Jahre später beginnende Epoche von Hans Leo Hassler bis zu Vokalwerken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Schubert. Dem ehemaligen Dresdner Kreuzkantor und Komponisten Rudolf Mauersberger gaben sie die Ehre mit einer Vertonung von "Herr, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss." Es waren sowohl die homophonen Weisen mit Gebetscharakter als die harmoniereicheren, melodisch rhythmischen Hymnen der Spätrenaissance, die der helle Tenor von Dan Martin überstrahlte. Fein abgestimmt in das volle Klangvolumen fügten sich der füllige Tenor von Ralf Emge und die Bässe Franz-Peter Huber und Michael Albert ein.

Musikalisches Geschenk

Jubilierend erklangen "Periti autem fulgebunt - Es strahlen hell die Gerechten" oder ehrfurchtsvoll "Beati Mortui - Selig sind die Toten", zwei Chorwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy: edle Romantik von durchdachter Textinterpretation durchzogen. Von tiefer Gläubigkeit war Franz Schubert geprägt: Der geheimnisvollen Instrumentalfassung mit Gemshorn und Orgel seines "Salve Regina" stand die schwärmerische vokale Anbetung der Gottesmutter nach dem Renaissance-Komponisten Henri Du Mont entgegen. In seiner Vertonung der 23. Psalms "Gott ist meine Zuversicht" wird Gott dem Komponisten zum Lebensbegleiter.

Innig und liedhaft zu singen, im Überschwang der Freude oder wie ein einfacher Klostergesang, dabei verständlich in der Artikulation, sicher und sauber im Ton, harmonisch im Zusammenklang, das zeichnet geschulte Solo- und Ensemblesänger wie die Camerata Fulda aus. Der lange Nachhall, der ansonsten in St. Bonifatius eher hinderlich ist, trug bei diesem Konzert zu einem fulminanten Höreindruck bei. Man fühlte sich wie in einer alten Klosterkirche vom Ton umhüllt, wenn die Männerstimmen von der Orgelempore aus zu hören waren. Still und dankbar für dieses Konzert sangen sie als Zugabe Schuberts Lied "Die Nacht", und das Publikum lauschte andächtig. Das nachmittägliche Konzert war ein musikalisches Geschenk in Zeiten der limitierten Live-Hörerlebnisse.

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