Der Kreisel in der Schwalheimer Straße ist so gut wie fertig, am Fachmarktgebäude muss noch etwas gefeilt werden. Tegut und Lidl sollen im April einziehen.	FOTO: NICI MERZ
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Der Kreisel in der Schwalheimer Straße ist so gut wie fertig, am Fachmarktgebäude muss noch etwas gefeilt werden. Tegut und Lidl sollen im April einziehen. FOTO: NICI MERZ

B-Plan wird geändert

Stoll-Gelände: Am Ende stehen zwei Supermärkte

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Vergangenheitsbewältigung wurde betrieben, als das Bad Nauheimer Parlament über das Stoll-Gelände beriet. Im Fokus stand die erneute Änderung des Konzepts für das Fachmarktgebäude.

Ach, was hätte die Stadt alles auf dem innenstadtnahen Stoll-Gelände bauen können. Interessante Unternehmen hätten auf dem wertvollen Areal angesiedelt werden können, ein Mix aus Wohnen und Arbeiten wäre möglich gewesen oder die Errichtung einer Multifunktionsarena. Und was gibt es jetzt? Zwei Supermärkte. In einigen Aussagen im Bad Nauheimer Parlament, aber vor allem in den Pausen vor der Frauenwaldhalle Nieder-Mörlen schwang am Donnerstagabend viel Wehmut mit, bezüglich dieses 2,4 Hektar großen Geländes viele Chancen verpasst zu haben.

Im Mittelpunkt der Debatte standen allerdings die erneut geänderten Pläne für das Fachmarktgebäude, das im April eröffnet werden soll. Bekanntlich hat Investor Werner keinen Küchenfachmarkt-Betreiber gefunden. Stattdessen hat sich der Lidl-Konzern gemeldet und will mit seinem Markt aus der Frankfurter an die Schwalheimer Straße ziehen (die WZ berichtete). Am Ende werden auf dem Stoll-Gelände Tegut und Lidl einziehen.

Diese Tatsache an sich löste bei den Stadtverordneten keine Begeisterungsstürme aus. Freude herrschte aber angesichts der Perspektiven, die sich auf dem Grundstück Frankfurter Straße 9 ergeben. Diesen Standort gibt Lidl auf. Die CDU sorgte deshalb für eine Ergänzung der ursprünglichen Beschlussvorlage. Damit wird der Magistrat beauftragt, mit Lidl unverzüglich über einen Kauf des etwa 3200 Quadratmeter großen Grundstücks zu verhandeln. Das Ziel ist klar: Bezahlbarer Wohnraum soll entstehen. Mit dieser Erweiterung wurde die Änderung des Bebauungsplans »Schwalheimer Straße« einstimmig eingeleitet.

Kritik an Informationspolitik

CDU-Fraktionschef Manfred Jordis bewertete die Informationspolitik der Werner-Gruppe kritisch. Die Stadt habe vom endgültigen Aus für den Küchenmarkt erst erfahren, als sich das Gebäude bereits im Bau befunden habe. Laut Jordis ist das Areal in der Frankfurter Straße bestens für bezahlbaren Wohnraum geeignet. Es handele sich nicht um eine 1a-Lage für teure Eigentumswohnungen.

Markus Theis (FW/UWG) hatte so seine Bedenken. Der Standort sei sicher geeignet, aber aufgrund des Kaufpreises und der Geländeform werde es schwierig, dort günstig zu bauen. »Ein Ergebnis wie in der Dieselstraße sollte uns nicht noch mal passieren«, betonte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. In der Dieselstraße hat die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft etliche Mietwohnungen errichtet. Auch hier lautete das Ziel bezahlbarer Wohnraum, am Ende stand aber eine Quadratmeter-Kaltmiete von 11,50 Euro - alles andere als günstig. Was Theis nicht sagte, in der Frankfurter Straße aber gleichwohl zum Problem werden könnte, ist die Stellplatz-Frage. Ist eine Tiefgarage erforderlich, werden am Ende kaum niedrige Mietpreise stehen.

Grüne meinen: Ende gut, alles gut

Einen kurzen Rückblick in die Geschichte des Stoll-Geländes erlaubte sich Britta Weber (FDP). »Wenn man daran denkt, was wir dort alles hätten machen können. Und was bekommen wir am Ende? Zwei Supermärkte«, sagte Weber. CDU und UWG hätten sich vor Jahren gegen ein Mix aus Wohnungen und Gewerbe gewehrt.

Zurück blickte auch Dr. Martin Düvel (Grüne) - allerdings aus einem anderen Blickwinkel. Er begrüßte in erster Linie das Ende einer 25-jährigen Industriebrache. Der Lebensmittelhandel sei für die innerstädtischen Geschäfte unschädlich. Zudem bezahle der Investor den Kreisel in der Schwalheimer Straße und die Usa-Brücke. »Außerdem kommt die Salus-Klinik, die ein größerer Gewinn für die Stadt ist als die Märkte«, sagte Düvel. Wenn dann noch Wohnungen entstünden, gelte »Ende gut, alles gut«.

Mit dieser positiven Bewertung der zehn Jahre andauernden Diskussion, Planung und Neuplanung stand der Grünen-Vertreter allein. Georg Küster (SPD) ließ kein gutes Haar am Endergebnis auf dem Stoll-Gelände. Seine Partei sei von Anfang an gegen die Fachmärkte gewesen. »Wir haben schon immer Wohnungen oder Gewebe favorisiert. Die Verlegung von Lidl ist allerdings eine gute Entwicklung.«

Zehnjährige Debatte

Wenn sie wollen, können die Stadtverordneten Jubiläum feiern: zehn Jahre Debatte über die Nutzung des seit einem Vierteljahrhundert brachliegenden Stoll-Geländes. Große Lust dürfte die Politiker nicht verspüren. 2011 hatte die Münchner GEDO ein von vielen Bad Nauheimer Parlamentariern hoch gelobtes architektonisches und inhaltliches Konzept für das Stoll-Gelände vorgelegt und erhielt den Zuschlag.

Seitdem ist es immer wieder zu Änderungen gekommen, ein Bürgerentscheid scheiterte nur knapp, der Investor wechselte. Was seit dem Sommer vergangenen Jahres entsteht, ist ein einfaches Gebäude, das nur noch Tegut, Lidl, Café und Fitness-Studio beherbergen soll. Im April soll Einweihung gefeiert werden, der Kreisel in der Schwalheimer Straße soll einen Monat früher fertig werden.

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