Am Gambacher Kreuz ist die Fahrt von Regina Heuser nach Bad Nauheim erst einmal gestoppt. Weil sie dringend Medikamente benötigt, wird die Frau schließlich von der Polizei an dem Stau vorbeigelotst.
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Am Gambacher Kreuz ist die Fahrt von Regina Heuser nach Bad Nauheim erst einmal gestoppt. Weil sie dringend Medikamente benötigt, wird die Frau schließlich von der Polizei an dem Stau vorbeigelotst.

Hilfe in der Not

Fast-Drama auf A5: Stau bei Bad Nauheim sorgt für kritische Lage - Betroffene erzählt von Rettung

  • vonAnnette Hausmanns
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Stau auf der A5 in der Wetterau. Stundenlang Vollsperrung. Doch Regina Heuser braucht dringend Medikamente. Eine bemerkenswerte Geschichte von der Autobahn bei Bad Nauheim.

  • Langer Stau und Vollsperrung auf A5
  • Regina Heuser ist dringend auf Medikamente angewiesen
  • Rettungsaktion von der Autobahn bei Bad Nauheim

Bad Nauheim - Eigentlich wollte Regina Heuser »nur mal kurz« zur Nachsorge nach Bad Nauheim fahren, wo sie vor wenigen Tagen am Knie operiert worden war. Eigentlich eine Sache von rund zwei Stunden, und eigentlich wäre sie um 10 Uhr auch längst wieder zu Hause gewesen, um sich pünktlich ihre Thrombose-Spritze zu geben - wenn, ja wenn da nicht auf der A5 just an diesem frühen Montagmorgen eine Vollsperrung eingerichtet worden wäre und Heusers 46 Kilometer lange Anfahrt aus Biebertal abrupt gestoppt hätte.

Nachdem alles gut ausgegangen ist, kann Regina Heuser ganz entspannt von ihren Erlebnissen auf der gesperrten Autobahn erzählen. Überhaupt hängt die Tatsache, dass ihre Geschichte hier aktenkundig wird, mit ihrem positiven Wesen zusammen und mit ihrer Dankeschön-E-Mail an die Helfer aus der Not. Letztlich waren es nämlich freundliche Feuerwehrleute und Polizisten, die der Patientin nach sieben Stunden im Stau aus der Patsche halfen. Was war passiert?

Montag, der 13. auf der A5 in Richtung Süden kollidieren gegen 6.40 Uhr zwischen den Anschlussstellen Butzbach und Bad Nauheim drei Lkw. Zwei Fahrer werden leicht verletzt. Ein Lkw hat Batterien geladen, Batteriesäure läuft auf die Fahrbahn. Die Autobahn wird voll gesperrt. Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und Straßenmeisterei sind im Einsatz. Nach über elf Stunden wird die Vollsperrung aufgehoben.

Fast-Drama auf A5 bei Bad Nauheim: Früh gen Süden aufgebrochen

Um pünktlich um 8 Uhr in Bad Nauheim zu sein, war Regina Heuser früh gen Süden aufgebrochen. Am Gambacher Kreuz wird sie jäh ausgebremst. Die Atmosphäre in der lahmgelegten Blechlawine beschreibt die Biebertalerin als entspannt. Rund um sie herum hätten an diesem Montagmorgen vor allem Handwerker gestanden.

»Gemeinsam hätte man ein ganzes Haus bauen können.« Auch die Telefonate mit der Familie seien zunächst eher humorvoll verlaufen. Heuser bewegte sich zwischen den Wagen und fand sogar die Muße für ein Stündchen Schlaf. »Wir konnten ja eh nichts ändern.«

Mit der Zeit zerrte zunehmend Unruhe an ihren Nerven. Eigentlich sollte sie sich jeden Tag um die gleiche Zeit die Spritze zur Vorbeugung einer Thrombose geben. Wie lange sie überziehen durfte, wusste Regina Heuser nicht. Telefonisch erreichte sie weder die behandelnde Klinik noch den ärztlichen Notdienst, ihren Hausarzt oder eine Ärztin in der Verwandtschaft, um Auskunft zu erhalten. Die Sorge wuchs mit jeder Stunde im Stau: Vor Jahren hatte Regina Heuser nach der Geburt ihres Sohnes eine lebensbedrohliche Thrombose erlitten - ein vermutlich erblicher Gerinnungsfehler, denn auch ihre Mutter und ihre Schwester erlebten ähnliche Komplikationen.

Fast-Drama auf A5 bei Bad Nauheim: Nach Stunden ist die Angst groß

Gerade wollte sich Heusers Mann schon mit der Thrombosespritze auf den Weg zu seiner Frau machen, als Feuerwehrleute durch die Staureihen zogen, um den Menschen Trinkwasser anzubieten. Regina Heuser schilderte ihr Problem, die Brandschützer reagierten prompt. Zwar durften sie Heuser nicht selbst aus dem Stau geleiten, aber die hinzugerufenen Polizisten übernahmen diese Aufgabe gerne. »Alle waren sehr freundlich und hilfsbereit«, stellt Heuser dankbar fest.

Hinter dem Streifenwagen auf dem freien linken Fahrstreifen herzufahren, sei ihr recht unangenehm gewesen, erinnert sie sich. Inzwischen war es aber 14.30 Uhr und die Angst vor gesundheitlichen Problemen groß. Drei Fünftel des Staus hatte Heuser unter Polizeischutz bis zur Ausfahrt Butzbach umfahren dürfen, um dann gleich heimzueilen. Das ging glücklicherweise glatt.

Eine Weiterfahrt Richtung Süden wäre ohnehin durch verstopfte Umleitungsstrecken noch bis spät abends vereitelt worden. Den Helfern im Nachhinein ein Dankeschön zu mailen, sei ihr ein selbstverständliches Bedürfnis gewesen, konstatiert Heuser. Auf Arzttermine in größerer Entfernung verzichtet sie erst einmal, das gut heilende Knie behält der Hausarzt im Auge.

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