Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schließen sich manchmal zu meterlangen Ketten zusammen. Sie veranstalten dann eine Prozession, außerdem spinnen sie Nester, die den Umfang eines Fußballs haben können. Alten Raupen wachsen bis zu 700 000 Brennhaare, die gefährlich für den Menschen werden können.
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Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schließen sich manchmal zu meterlangen Ketten zusammen. Sie veranstalten dann eine Prozession, außerdem spinnen sie Nester, die den Umfang eines Fußballs haben können. Alten Raupen wachsen bis zu 700 000 Brennhaare, die gefährlich für den Menschen werden können.

Gefährliche Raupe

Stärker befallen denn je: Eichenprozessionsspinner in Bad Nauheim

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Der Eichenprozessionsspinner frisst Bäume kahl und beeinträchtigt die Gesundheit. In Bad Nauheim kommt er 2020 so häufig vor wie noch nie.

Vor zwölf Jahren, als Frank Ludwig, Fachdienstleiter Park- und Grünpflege, seine Arbeit in Bad Nauheim aufnahm, spielte der Eichenprozessionsspinner (EPS) in der Kurstadt noch keine Rolle. Das hat sich grundlegend geändert. »In diesem Jahr haben wir den stärksten Befall, den ich je erlebt habe«, sagt Ludwig. Fast überall, wo Eichen stehen, macht sich der Schädling breit - in Parks, an Waldwegen und Straßen oder in der Nähe von Spielplätzen.

Vor allem im Stadtgebiet, wo viele Menschen unterwegs sind, ist Vorsicht geboten. Denn die Brennhaare der EPS-Raupe können die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen, bei manchen sogar schwere Probleme verursachen.

Der Eichenprozessionsspinner ist seit 200 Jahren bekannt. Auch dieser Schädling wandert aus südlichen Gefilden immer weiter nach Norden. Dabei spielt der Klimawandel eine Rolle. »2018, als es trocken und heiß war, hatten wir ein sehr starkes Vorkommen. In diesem Jahr gibt es noch mehr Nester«, sagt der Fachdienstleiter. Wobei Nester den Umfang eines Fußballs erreichen können. Ein Grund für die starke Vermehrung könnte der zurückliegende milde Winter sein.

Eichenprozessionsspinner in Bad Nauheim: Kampf mit Würmern und Saugern

Laut Ludwig geht der Kur- und Servicebetrieb bei der Bekämpfung zweigeteilt vor. Prophylaktisch werden im zeitigen Frühjahr viele Eichen mit einem Biozid besprüht. Die Flüssigkeit enthält Minifadenwürmer, die EPS-Raupen den Garaus machen. Die Vorsorge wird an stark frequentierten Orten betrieben und zeigt nach Angaben des Fachdienstleiters die gewünschte Wirkung. Diese Methode kann allerdings nicht bei allen Bäumen Anwendung finden. Werden Nester des Eichenprozessionsspinners gesichtet, kommen Spezialfirmen ins Spiel, deren Mitarbeiter Schutzanzüge tragen und das Gespinst absaugen. Ludwig: »Wir haben in diesem Frühjahr bisher gut 500 Nester entfernen lassen. Auf dem Golfplatz waren es ebenfalls mehrere Hundert.«

Die Raupen ernähren sich von Eichenblättern. Wird der Schädling nicht bekämpft, kann ein Baum komplett kahlgefressen werden. Eichen, die aufgrund des EPS-Befalls absterben, gibt es in Bad Nauheim nicht. Bei ihrem Kampf gegen die Raupe setzt die Stadt auch auf Hinweise. Etliche Bürger haben sich im Rathaus gemeldet, weil sie den Eichenprozessionsspinner entdeckt haben. So hatte eine Spaziergängerin, die auf einer Bank am Rundweg eine Pause einlegte, plötzlich zwei der behaarten Raupen auf ihrer Jacke. Ludwig ist erfreut über die Mithilfe der Bürger, auch wenn es sich manchmal um Falschmeldungen handelt. Der Eichenprozessionsspinner wird manchmal mit dem Schwammspinner verwechselt, der alle Arten von Laubbäumen befällt. Auch die Brennhaare dieser Raupe können dem Menschen Probleme bereiten, sind aber nicht so gefährlich wie die des EPS.

Eichenprozessionsspinner in Bad Nauheim: Raupen mögen keinen Regen

Das Team des Forstamtes Nidda, zu dessen Einzugsgebiet Bad Nauheim gehört, hat 2020 ebenfalls einen besonders starken Befall von Bäumen durch Eichenprozessions- und Schwammspinner registriert. »Sie breiten sich immer weiter aus, aber es ist in unseren Revieren kein Spitzenjahr«, sagt Anselm Möbs, Pressesprecher des Forstamtes.

Die Behörde lässt die Schädlinge in der Regel gewähren, wird nur dort aktiv, wo es zu Menschenansammlungen kommt - etwa an Waldparkplätzen. »Wenn Bäume zwei, drei Jahre hintereinander kahlgefressen werden, können sie absterben«, sagt Möbs. Treten die Schädlinge in gehäufter Form auf und gefährden alte Baumbestände, wird über eine großflächige biologische Bekämpfung nachgedacht.

In Absprache mit Wissenschaftlern wurde 2020 über den Einsatz eines Bakteriums gegen den Schwammspinner in der Gemarkung Wölfersheim diskutiert, wo sich der Schädling besonders breit gemacht hatte. Letztlich verzichtete das Forstamt auf die Aktion. »Der Regen der letzten Tage hat die Schwammspinner etwas ausgebremst«, sagt der Pressesprecher. Die Kommunen gingen unterschiedlich gegen den Eichenprozessionsspinner vor. So laufe in Nidda ein Versuch mit Fallen, die am Baumstamm angebracht werden: Die Raupen werden gefangen und verenden.

Eichenprozessionsspinner  in Bad Nauheim: Brennhaare als Gefahrenquelle

Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich um einen kleinen Nachtfalter. Die Weibchen legen ihre Eier im Herbst auf Eichenzweigen ab. In den Eiern, die strengen Frost überstehen können, wachsen Raupen heran und schlüpfen im Frühjahr. Sie schließen sich zu Prozessionen zusammen und können Eichen komplett kahl fressen. Im Sommer spinnen die Altraupen kokonartige Nester, drei bis fünf Wochen später schlüpfen die Falter.

Unangenehm und manchmal auch gefährlich für den Menschen sind die Brennhaare der Raupen. Altraupen können bis zu 700 000 dieser Haare wachsen, die mit einem Widerhaken versehen sind und das Nesselgift Thaumetopein enthalten. Die fast unsichtbaren, etwa 0,2 Millimeter langen Haare dringen leicht in Haut und Schleimhaut von Menschen und Tieren ein und setzen sich dort dank ihrer Häkchen fest. Oft sind Hautentzündungen die Folge, Bronchitis oder Asthma können ebenfalls ausgelöst werden. In Einzelfällen kommt es zu allergischen Schockreaktionen.

Die Annahme, nach dem Schlüpfen der Falter sei das Problem erledigt, ist nach Aussage von Anselm Möbs (Forstamt Nidda) falsch. Die Brennhaare der Raupen schweben das ganze Jahr über in der Luft.

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