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Stadtwerke wollen in Bau von drei Windrädern investieren

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Die Naturpark-Idylle könnte bald durch Windräder gestört werden, in die auch die Stadtwerke Bad Nauheim investieren möchten.	(Fotos: nic)
Die Naturpark-Idylle könnte bald durch Windräder gestört werden, in die auch die Stadtwerke Bad Nauheim investieren möchten. (Fotos: nic) © Nicole Merz

Bad Nauheim/Butzbach (bk). Die Stadtwerke wollen zig Millionen Euro in die Windenergie investieren – allerdings nicht auf Bad Nauheimer Gebiet. Erstes konkretes Projekt ist die finanzielle Beteiligung an drei Windrädern, die bei Butzbach-Bodenrod errichtet werden sollen.

In der letzten Parlamentssitzung hatte Bürgermeister Armin Häuser noch optimistisch verkündet, er rechne mit einer Realisierung in diesem Jahr. Davon ist inzwischen keine Rede mehr. »Vom zeitlichen Ablauf her ist es aufwendiger als gedacht. Wenn alles gut läuft, kann 2015 gebaut werden«, erklärt der Rathauschef gegenüber der WZ. Wie andernorts stößt das Vorhaben, Wind in Strom umzuwandeln, nämlich auch in Butzbach auf erheblichen Widerstand.

Die interkommunale Zusammenarbeit in Sachen erneuerbare Energien war in der Vergangenheit bereits mehrfach Thema in der Stadtverordnetenversammlung. Unter anderem hatte die 3 B-Fraktion angeregt, die Kurstadt möge am geplanten Winterstein-Windpark partizipieren. Früher hatte Bürgermeister Häuser stets geantwortet, die Stadtwerke seien im Gespräch mit verschiedenen Städten und kommunalen Versorgungsunternehmen. In der März-Sitzung war der Rathauschef erstmals konkret geworden. Wie er jetzt im Gespräch mit der WZ bestätigt, sei das stadteigene Unternehmen gewillt, 10 Millionen Euro in Windparks zu investieren. Weit fortgeschritten seien die Verhandlungen mit der Nachbarstadt Butzbach und der Ovag – die Partner wollten bei Bodenrod oberhalb des Isseltals drei Rotoren aufstellen.

»Wenn wir uns die Kosten teilen, müssten wir etwa 3,5 Millionen Euro bereitstellen. Eine Beteiligung an weiteren Projekten ist machbar«, sagt Häuser.

Der Rathauschef ist sich im Klaren, dass sein Butzbacher Amtskollege Michael Merle zu Hause einen schweren Stand hat. Der Protest gegen das Investitionsvorhaben im Naturpark Hochtaunus hat sich längst formiert. Die Verantwortlichen in der Nachbarkommune haben sich inzwischen gegen ein vom Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main anvisiertes zweites Vorranggebiet für Windkraft am Hausberg zwischen Hoch-Weisel und Hausen ausgesprochen. »Am Standort Bodenrod wird dagegen festgehalten«, meint Häuser. Welche Bedingungen dort eingehalten werden müssen, wird sich vermutlich erst im kommenden Jahr entscheiden, wenn der Regionalverband den sogenannten Teilplan Erneuerbare Energien endgültig beschließen wird.

Bleibt abzuwarten, ob die Politiker bis dahin trotz des heftigen Widerstands, der von der Bürgerinitiative »Gegenwind« gesteuert wird, an den Plänen festhalten. Auch Bad Nauheims Rathauschef spricht sich dafür aus, die Bedenken der Anwohner ernst zu nehmen: »Es geht darum, was wirtschaftlich interessant und durchsetzbar ist.« Die Energiewende sei ein »steiniger Weg«, was sich bei allen Windpark-Vorhaben zeige, die derzeit im Gespräch sind.

»Dollarzeichen in den Augen«

Den Vorwurf, die Stadt Bad Nauheim gehe dem Bürgerprotest aus dem Weg, indem nicht im eigenen riesengroßen Vorranggebiet zwischen den Wettertal-Stadtteilen sowie Wölfersheim, Rockenberg und Münzenberg, sondern in Butzbach investiert werden soll, lässt der Bürgermeister nicht gelten. Häuser: »Unser Problem ist, keine eigenen Flächen im hiesigen Vorranggebiet zu besitzen. Das gehört alles Privatleuten. Bei denen haben wir vor zwei Jahren bereits wegen eines Ankaufs die Fühler ausgestreckt. Doch damals hatten die Eigentümer bereits Dollarzeichen in den Augen.

« Sich finanziell auf Privatgrundstücken zu engagieren, komme für die Stadtwerke nicht infrage. Der Rathauschef sieht es als »Idealfall« an, wenn solche Windparks entweder in genossenschaftlicher Form unter Beteiligung der Bürger oder von kommunalen Energieversorgern (wie bei Bodenrod vorgesehen) verwirklicht werden. »Von den Gewinnen profitieren dann wieder alle Bürger, etwa wenn die Stadtwerke den Stadtbus subventionieren.«

Was den Windkraftstandort Bad Nauheim angeht, hat Häuser keine grundsätzlichen Bedenken: »Ich könnte damit leben, aber es muss zum Landschaftsbild passen. Es kommt immer darauf an, wie viel und wie hoch.« Es mache eben einen Unterschied, ob im Naturpark Hochtaunus drei Windräder stehen sollen oder zwischen Bad Nauheim und den östlichen Nachbargemeinden bis zu 200 Stück auf 868 Hektar.

Doch selbst drei »Spargel« scheinen kaum noch durchsetzbar zu sein. Die Gegner des Bodenrod-Projekts sind sehr aktiv, sammeln Unterschriften, haben überall Protestplakate aufgehängt. Ihrer Ansicht nach müssten für die Windräder mitten im Naturpark Tausende Quadratmeter Wald gerodet werden. Die Rotoren sollten bis zu 200 Meter hoch werden, was deutlich negative Folgen für die Gesundheit der Anwohner, seltene Tierarten und den Wert der Grundstücke in den Anliegerorten hätte. Als Beispiel nennt die BI Gegenwind die »Filetstücke« in der Reichweinstraße von Bodenrod, die nach dem Bau der Windräder unverkäuflich wären. Schon heute zögen sich Interessenten zurück.

Die BI fordert das Butzbacher Parlament auf, dem Beispiel von Rockenberg zu folgen und in seiner Stellungnahme zu den geplanten Vorrangflächen einen Mindestabstand zur Wohnbebauung von 1500 Metern zu fordern. Bislang gelten 1000 Meter. Gegner wie Befürworter wissen: Würden 1500 Meter gelten, wäre das Vorhaben vom Tisch, denn der jetzt gültige Mindestabstand könnte zum Ortsrand von Bodenrod geradeso eingehalten werden. Der Bauausschuss ist dieser Forderung am Donnerstag nicht gefolgt.

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