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Spurensuche in Vietnam

  • vonred Redaktion
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Bad Nauheim(pm). "50 Jahre nach der Tet-Offensive. Eindrücke der Gegenwart und Spuren der Vergangenheit aus Sicht eines Besuchers." So lautete der Untertitel des Vortrags, den mit Armin Häfner, ein prominenter Referent des Kulturforums, vor zahlreichen Besuchern gehalten hat. Mit zahlreichen Fotos von Tempeln, Reisfeldern, verstopften schmalen Straßen mit ungezählten Mopeds und Rikschas, bis hin zu historischen Hintergrundinformationen entführte er seine Zuhörer in ein Land, von dem viele kaum mehr wissen, als dass es einmal einen Krieg mit den USA gegeben hatte.

Nach kurzen Hinweisen auf die Situation als Kolonialgebiet Großbritanniens und Frankreichs war Saigon - heute Ho-Chi-Minh-Stadt - das erste Ziel der Reisegruppe. Mit Fahnen und Transparenten geschmückt präsentierte sich die einstige Hauptstadt Südvietnams (bis 1975) zum traditionellen Neujahrsfest.

Keine Straßenbahnen

Zahllose Mopeds als "Symbol der neuen Freiheit" drängen sich durch die schmalen Straßen der Sieben-Millionen-Stadt, Straßenbahnen zum Beispiel gibt es keine, ein U-Bahn-System ist mehr in der Planung als im Bau.

Ein Rundgang durch den 1. Bezirk der Metropole führte mit Kathedrale, Opernhaus und Rathaus zu Bauwerken aus der Kolonialzeit. Was folgte, war der Besuch des Palastes des früheren Präsidenten Nguyen Van Thieu (1967 bis 1975) mit Büro, Kino, Bunker und Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach.

Tags darauf ging die Fahrt mit einer motorisierten Rikscha zum Mekong-Delta, der Reiskammer des Landes, ergänzt von etlichen Kokosnuss-Plantagen. Wo vor einem halben Jahrhundert das krebsauslösende Entlaubungsmittel "Agent Orange" von US-Flugzeugen versprüht wurde, ist das Gebiet heute gefährdet vom Klimawandel, Meeresanstieg und den Staudämmen in den Nachbarstaaten. Staatliche Programme zur Wiederaufforstung der Mangrovenwälder sowie eine verbesserte Bewässerungstechnik sollen diese Risiken abmildern.

Abschließend wurde die Stadt Ben Tre besucht, von der ein amerikanischer Major im Vietnamkrieg den erschreckenden Satz geprägt hat: "Wir mussten sie zerstören, um sie zu retten."

Über den berühmten Wolkenpass, der seinen Namen leider zu Recht hatte, ging es weiter nördlich nach Hoi An, mit seiner Altstadt, einem UNESCO-Weltkulturerbe, über die zu trauriger Berühmtheit gelangte Stadt My Lai (Massaker an Dorfbevölkerung durch US-Soldaten) nach Da Nang, mit dem wichtigen Naturhafen für den Export, einstmals auch Zentrum des Königreichs Champa (8. bis 16. Jahrhundert), bis zu der alten Kaiserstadt Hué mit seinen Königsgräbern und der gewaltigen Zitadelle.

Auf dem Programm standen hier außerdem der Besuch einer Pagode, die Bootsfahrt mit einem Sampan (chinesisches Kleinboot) und die Altstadt bei Nacht.

Den Abschluss der Reise bildete Hanoi, die Hauptstadt Vietnams, mit dem Delta des Roten Flusses im Golf von Tonking.

Hier hat Obama gegessen

Besondere Sehenswürdigkeiten waren hier das Haus von Ho Chi Minh, eine Ein-Säulen-Pagode, der Literaturtempel - ein konfuzianisches Heiligtum -, und nicht zuletzt ein weiteres "Heiligtum": das Lokal, in dem der damalige US-Präsident Obama bei seinem Vietnam-Besuch 2016 das Gericht Bun Cha gegessen hat.

Der Vortrag von Armin Häfner war so umfangreich, die Informationen so interessant, die Fotos so eindrucksvoll; die 100 Minuten vergingen wie im Flug. Ein Besucher meinte: "Das war so beeindruckend, als wäre man selbst dort gewesen."

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