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Noch gleicht der Bauplatz an der Ludwigstraße einer Steppenlandschaft, doch noch in diesem Monat wird mit ersten Rohbauarbeiten für die Therme begonnen.

Mammutprojekt

Sprudelhof-Therme in Bad Nauheim: Jetzt werden Fakten geschaffen

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Die Hotelbranche ist von Corona arg gebeutelt. Investition werden zurückgestellt. Zu Pandemie-Beginn schien auch das Gesamtkonzept der Sprudelhof-Therme in Bad Nauheim in Frage gestellt.

Bad Nauheim - Schon 2004, als Klaus Kreß seine Tätigkeit im Bad Nauheimer Rathaus aufnahm, wurde über die Zukunft der Therme debattiert. Damals hätte er sich nicht träumen lassen, einmal als Bürgermeister der Stadt entscheidende Weichen für den Neubau eines Thermalbads stellen zu können. Wobei aus den ursprünglichen kleinteiligen Überlegungen und der Endlos-Debatte Sanierung versus Neubau inzwischen ein formidables Gesamtkonzept geworden ist, das neben der neuen Therme nicht nur das Badehaus 2 einbezieht, sondern auch Hotel und Tiefgarage vorsieht.

Nach dem ersten Spatenstich wird ab 21. Juni der Startschuss für den Rohbau der neuen Therme fallen. Vorausgegangen waren zahlreiche Gespräche mit den beteiligten Behörden, um die Voraussetzungen für die kürzlich erteilte Baugenehmigung zu schaffen.

»Allein mit dem Heilquellenschutz und der Frage, wie weit wir nach unten gehen können, haben wir uns ein Jahr beschäftigt«, macht Jürgen Patscha (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) an einem Beispiel deutlich, wie viel Aufwand betrieben werden musste. Daneben habe sich die Frage der Lärmemission bei Bau und Betrieb als Problem erwiesen. Gut ein Jahr, nachdem das Stadtparlament den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan »Sprudelhof« gefasst hatte, kann bereits mit dessen Umsetzung begonnen werden.

Hotel-Projekt bereitete Sorgen

Das Mammut-Bauprojekt trotzt somit der Corona-Krise, was keine Selbstverständlichkeit ist. »Wegen des Hotels haben wir noch mal die Luft angehalten. Es ist nicht gottgegeben, dass ein Privatinvestor in Corona-Zeiten bei der Stange bleibt«, sagt Bürgermeister Klaus Kreß. Der städtische Geschäftspartner aus Frankfurt habe eine weitere Marktanalyse veranlasst. Ergebnis: Nach der Pandemie werde die Kombination Hotel (samt Gastronomie) und Gesundheitsangebot sehr vielversprechend sein. Auch Patscha machte sich im Frühjahr 2020 einige Sorgen: »Während der ersten Corona-Welle wussten wir nicht, ob es weitergeht.«

Nachwehen gibt es allerdings. Nach Angaben des Fachbereichsleiters wird der Baubeginn für Hotel und Tiefgarage etwas nach hinten geschoben. Bis Sommer kommenden Jahres sollen der Rohbau des Thermalbads sowie die Zufahrt für alle Bauwerke geschaffen werden. Mit dem Bau von Hotel und Tiefgarage wird jetzt noch nicht gestartet, beide Projekte sollen aber zeitgleich mit der Therme im Herbst 2023 fertig sein.

Etwa ein Jahr später soll die Interimslösung »Container-Sauna« durch das Wellness-und Therapieangebot im dann vermutlich fertiggestellten Badehaus 2 ersetzt werden. Diese Übergangsphase hat sich laut Kreß im kürzlich vom Haupt- und Finanzausschuss einstimmig beschlossenen Therme-Pachtvertrag der Stadt mit Betreiber Kannewischer bemerkbar gemacht. »Die Sauna ist der absolute Profit-Bringer«, betont der Bürgermeister. Mit einer Behelfssauna wird der Gewinn im ersten Jahr des Therme-Betriebs aber geringer ausfallen, was sich auf die Höhe der Pacht auswirkt.

Großes Interese an Ausschreibung

»Die Tiefgarage wird von einer bestehenden städtischen GmbH oder von einer neuen Gesellschaft betrieben, die sich um alle Parkplätze kümmert. Wir wollen Einfluss auf die Ticketpreise behalten, zudem ist eine ausgelastete Tiefgarage wirtschaftlich lukrativ«, erläutert der Bürgermeister.

Von der bislang skizzierten Finanzplanung - rund 37 Millionen Euro für die Therme plus etwa 7 Millionen für die Tiefgarage - weicht Patscha bislang nicht ab, zumindest was den Rohbau angeht. »Die Kosten für wichtige Baumaterialien sind zwar in jüngster Zeit um 30 Prozent gestiegen, große Firmen sichern sich aber langfristig große Kontingente«, sagt Patscha. An der Ausschreibung der Aufträge - auf einen Generalunternehmer wird verzichtet - hätten viele Firmen Interesse gezeigt.

Ob die Kalkulation auch beim Innenausbau und bezüglich der Technik Bestand haben wird, weiß der Fachbereichsleiter derzeit nicht zu sagen. Apropos Technik: Für Strom und Wärme wird ein Blockheizkraftwerk sorgen, in Spitzenzeiten unterstützt von der Fernwärmeleitung des EAM-Kraftwerks am Goldstein.

Zwei Großbaustellen im Zentrum

Zwei Großbaustellen im Stadtzentrum - in den kommenden Jahren werden sich Bewohner und Besucher der City von Bad Nauheim damit anfreunden müssen. Jetzt fällt der Startschuss für die Realisierung des Therme-Gesamtkonzepts. »Es handelt sich um das größte Bauvorhaben der jüngeren Geschichte Bad Nauheims - und das mitten im Herzen der Stadt. Beeinträchtigungen und Einschränkungen werden nicht ausbleiben«, bittet Bürgermeister Klaus Kreß die Bürger um Verständnis.

Laut Fachbereichsleiter Jürgen Patscha wurden alle notwendigen Vorbereitungen in Sachen Verkehrslenkung und Lärmschutz getroffen. Besonders viele Lkw werden über Frankfurter Straße, Bahnhofsallee und Ludwigstraße zur Baustelle rollen, wenn Erdaushub abgefahren und Beton angeliefert werden muss. Um Staus auf den Straßen möglichst zu vermeiden, sollen die Laster die Sprudelhof-Zufahrt benutzen, um dann vom ehemaligen Therme-Parkplatz aus an die richtige Stelle der Baustelle weitergeleitet zu werden. Patscha zufolge wird eine Spezialfirma regelmäßig kontrollieren, um Lärmschutz gewährleisten zu können sowie Beeinträchtigungen benachbarter Gebäude oder des Grundwassers zu verhindern. Besonders die Nähe zu Kliniken machen diesen Aufwand erforderlich.

Großbaustelle Nummer zwei ist der Sprudelhof, wo bereits mit der Sanierung von Badehäusern gestartet wurde. Der Lkw-Verkehr wird in diesem Fall über die Parkdeck-Zufahrt geleitet. Die Baustelle Sprudelhof dürfte über die Fertigstellung der Therme hinaus Bestand haben.

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