Der Sprudelhof von oben: Im September wird mit der Sanierung der Dächer begonnen.
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Der Sprudelhof von oben: Im September wird mit der Sanierung der Dächer begonnen.

Sprudelhof: Dachdecker kommen

Bad Nauheim (bk). Nachdem in den letzten Wochen viele kritische Stimmen zum "Stillstand" bei der Sanierung des Sprudelhofs laut geworden waren (die WZ berichtete), kommt jetzt Bewegung in die Sache. Das Kuratorium ist wieder komplett besetzt, im September beginnt die Sanierung der Dächer.

Das Kuratorium der Stiftung Sprudelhof, das die wichtigen Entscheidung zur Zukunft des Jugendstilensembles zu treffen hat, war seit etwa einem Jahr nicht arbeitsfähig, weil das Land seine acht Sitze nicht neu besetzt hatte. Am Donnerstag meldete das Finanzministerium Vollzug, nach der Sommerpause kann das Kuratorium wieder tagen. Außerdem kündigte Frank Thielmann, Vorstand der Stiftung, bei einem Besuch von FDP-Politikern an, in Kürze werde mit der Instandsetzung der Badehaus-Dächer begonnen.

Seit der letzten Landtagswahl ist fast ein Jahr ins Land gegangen. Nach dem Urnengang hätten das Kabinett, der Landtag und die Landesverwaltung neue Vertreter für das Kuratorium der Stiftung Sprudelhof ernennen müssen. Diese Entscheidung ist aber ausgeblieben, erst nachdem sich die Koordinierungsgruppe Sprudelhof (ein Vereinszusammenschluss), Bürgermeister Armin Häuser und die Bad Nauheimer SPD kritisch geäußert hatten, ist man in Wiesbaden aktiv geworden. "Die Kuratoriumsvertreter des Landes stehen jetzt fest", sagte der Pressesprecher des Finanzministeriums, Ralph-Nicolas Pietzonka am Donnerstagabend im Gespräch mit der WZ. Neben Staatssekretärin Dr. Bernadette Weyland (CDU) werden dem Gremium vonseiten des Landes in Zukunft die Landtagsabgeordneten Dr.

Walter Arnold, Heiko Kasseckert (beide CDU), Lisa Gnadl (SPD), Jörg-Uwe Hahn (FDP) und Eva Goldbach (Grüne) sowie Elmar Damm (Finanzministerium) und Dr. Gerd Weiß (Präsident Landesamt für Denkmalpflege) angehören. Weyland soll den Vorsitz übernehmen, die Wahl im Kuratorium steht allerdings noch aus. Die weiteren acht Sitze des Gremiums teilen sich die Stadt (4), der Wetteraukreis (3) und die Koordinierungsgruppe Sprudelhof (1). Wie Weyland erklärte, freue sie sich auf die neue Aufgabe. In Abstimmung mit den Verantwortlichen vor Ort wolle sie das Projekt der Sanierung und Wiederbelebung der europaweit bedeutenden Jugendstilanlage in den kommenden Jahren weiter vorantreiben. Das Land hat sich vertraglich verpflichtet, insgesamt 50 Millionen Euro für Sanierung und Unterhaltung des Sprudelhofs bereitzustellen.

Stiftungsverwaltung zieht um

"Stillstand" habe im Sprudelhof ohnehin nie geherrscht, auch nicht im letzten Jahr. Das betonte Stiftungsvorstand Thielmann bei einem Besuch der FDP-Politiker Jörg-Uwe Hahn (Landtag) und Peter Heidt (Kreistag), die beide dem Kuratorium angehören. Nach Angaben von Thielmann soll mit der Instandsetzung der Dächer in der gesamten Anlage bereits im September begonnen werden. Die Kosten werden auf gut 2 Millionen Euro geschätzt. Wie der Stiftungsvorstand kürzlich gegenüber der WZ erklärt hatte, soll 2015 die Innensanierung des Badehauses 3 in Angriff genommen werden, im Badehaus 7 werde möglicherweise ebenfalls mit den Arbeiten gestartet.

Im Badehaus 3 soll unter anderem ein Jugendstilzentrum entstehen. Laut Thielmann hat der Jugendstilverein vor zwei Wochen ein entsprechendes Konzept vorgelegt. Auch die Stiftung, die bislang im Verwaltungsgebäude an der Ludwigstraße beheimatet ist, wird Anfang 2015 in dieses Badehaus umziehen. Am bisherigen Standort der Stiftung können dann weitere Räume an private Nutzer vermietet werden.

In Sachen Vermietung und Wirtschaftlichkeit hat sich Thielmann zufolge ohnehin einiges getan. Derzeit seien 75 Prozent der gesamten Fläche vermietet. Die Räume dienten als medizinische Praxen, Veranstaltungsräumlichkeiten, Kindergarten oder Lager des hessischen Denkmalschutzes. Außerdem gibt es einige Wohnungen. Nach Angaben des Stiftungsvorsstands werden derzeit Mieteinnahmen von 450 000 Euro pro Jahr erzielt.

Wegen der langen Pause, die das Kuratorium eingelegt hat, sei es allerdings zu gewissen Verzögerungen gekommen. So habe der Bauausschuss der Stiftung bereits im April nach einer europaweiten Ausschreibung die Architektenauswahl für Sanierungsarbeiten getroffen. Bislang hätten die Aufträge aber nicht vergeben werden können, weil das Kuratorium nicht getagt habe. Das 2007 formulierte Ziel, den Sprudelhof bis 2018 kostendeckend betreiben zu können, werde sich wohl nicht erreichen lassen, hatte Thielmann kürzlich gegenüber der WZ eingeräumt. Jetzt wird 2020 angestrebt.

Nach Auffassung der FDP-Politiker Heidt und Hahn sind die "Monate des Schweigens" im Kuratorium nicht nutzlos verstrichen. Falsch sei auch die Mutmaßung des Bad Nauheimer SPD-Stadtverordneten Johannes Krautwurst, das Land verschleppe die Sanierung des Sprudelhofs bewusst. "Aber jetzt muss bei den grundsätzlichen Entscheidungen wieder Gas gegeben werden. Die neue Landesregierung muss sich mit Ideen, Engagement und Geld hinter das Projekt stellen", erklärten Hahn und Heidt. Die Zukunft des Sprudelhofs sei für Bad Nauheim und die ganze Region von großer Bedeutung.

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