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Mitunter wird es auf den Wegen eng und man muss einander ausweichen.

Naturgenuss und Virus-Angst

Spazieren gehen im Bad Nauheimer Kurpark: Zwischen Enge und Erholung

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Spazieren gehen ist fast das Einzige, was einem in Pandemiezeiten bleibt, wenn man seine Freizeit außer Haus verbringen will. Dementsprechend voll ist es am Wochenende im Bad Nauheimer Kurpark.

Bad Nauheim – Schnee liegt, die Sonne strahlt, und die Luft ist frisch: Es ist einSonntagnachmittag, der sich für einen Spaziergang im Bad Nauheimer Kurpark geradezu anbietet - allemal während der Corona-Pandemie. Wie erleben Besucher sonntags die Grünanlage? Positiv, wie sich zeigt, allerdings nicht nur. Ein Ehepaar aus Eltville etwa ist mit einem Senior am Rollator unterwegs. »Mein Vater war lange in Bad Nauheim in der Klinik gewesen und hat sich gewünscht, mal im Park spazieren zu gehen«, erzählt die Eltvillerin. Nach einer Viertelstunde habe das Trio aber den Rückweg angetreten. »Es war zu voll und eng.« Zwar sei es verständlich, wenn jeder an die frische Luft wolle, aber das Abstandhalten klappe nicht. »Ich finde es schade, dass die Leute nicht ein bisschen klug sind und aufpassen«, sagt die 44-Jährige.

Spaziergang in Bad Nauheim: Zufriedenheit am Essensstand

Eine andere Einschätzung hat Ali Bolat aus Frankfurt. Er ist mit Frau, Schwester und seinen beiden Kindern im Park. »Ich finde es hier sehr schön«, sagt der 39-Jährige. Es sei voller als an Werktagen, aber nicht zu voll. In anderen Parks sei es ebenso, fügt er hinzu. Größtenteils seien die Besucher rücksichtsvoll und hielten den Abstand ein.

Bei Christian Schöniger vom »Schweizer Milchhäuschen« finden Parkbesucher einen von drei Ständen im Kurpark, an denen sie sich etwas zu essen oder zu trinken kaufen können. Mit den Abläufen ist Schöniger zufrieden: »Ich finde es immer bemerkenswerter, wie freundlich und dankbar die Leute sind.« Das Abstandhalten in der Schlange sei immer vorbildlich, sein Team achte auf die Einhaltung der Regeln, etwa das Tragen einer Maske bei der Bestellung. »Ich lese jeden Morgen die Allgemeinverfügung des Wetter-aukreises. Wir halten uns sehr an das, was erlaubt ist und was wir dürfen«, sagt der 39-Jährige.

Spaziergang in Bad Nauheim: Matsch-Gefahr beim Ausweichen

Zwei weibliche Kurgäste genießen den Park. Wie sie sagen, sei es in Stoßzeiten schwierig, weil man anderen Spaziergängern ausweichen müsse. »Aber außerhalb dieser Zeiten, vor dem Mittagessen oder wenn es kälter und dunkler wird, ist alles wunderbar«, freuen sich Alke Hauschild und Marion Hentschel. Im Moment sei zwar Stoßzeit, »aber wir sind ja auch unterwegs und Teil der Masse«. Da könne man nicht meckern, außerdem könne man ausweichen. Mit dem Ausweichen ist das natürlich so eine Sache. An diesem Sonntag sind die Böden gefroren gewesen, an manch anderen Tagen stapft man neben dem Weg in den Matsch.

Omar Al-Berouty aus Mainz ist mit seinem Mann unterwegs. »Es ist sehr angenehm im Kurpark. Die Leute sitzen zurzeit viel zu Hause und langweilen sich. Da ist es schön, nach draußen zu gehen und Menschen zu sehen«, sagt er. Es gebe zwar hier und da auch Personen, die den Abstand nicht einhielten, aber er rege sich über so etwas nicht auf. »Ich gehe dann einfach weiter.«

Spaziergang in Bad Nauheim: Polizei holt Leute von Eisfläche

»Ich bin das erste Mal in Bad Nauheim. Es ist mehr los als gedacht«, sagt der 21-jährige Robert aus Frankfurt, der mit seiner Freundin da ist. Nicht alle hielten den Abstand ein, kaum einer trage eine Maske, aber ansonsten sei es sehr schön im Kurpark. Es liege Schnee, Leute gingen auf die Eisfläche des Großen Teichs. »Das ist nicht ganz ungefährlich, ich habe es jetzt auch gemacht.« Sogleich sei eine Frau gekommen, die auf das schlechte Vorbild für Kinder hingewiesen habe. »Sie hat ja recht«, räumt der junge Mann ein. Nach ihm gehen noch mehr Menschen aufs Eis, irgendwann kommt aber die Polizei und holt die Leute runter.

Die Usa rauscht, Schnee knirscht abseits der Wege unter den Füßen. Andrea Ehlinger aus Bad Homburg findet die Atmosphäre entspannt. »Man geht aneinander vorbei und achtet darauf, Abstände einzuhalten. Ich habe mich bisher nirgendwo bedrängt gefühlt. Auch da, wo man sich einen Kaffee kaufen kann, stehen die Leute mit gehörigem Abstand zueinander«, sagt sie. Ihr Begleiter Jörg Reupke sieht das ebenso: Angesichts von Corona sitze man fast nur noch drinnen, abgesehen vom Lebensmitteleinkauf. »Insofern ist es sehr angenehm, durch den Kurpark zu spazieren.« Zwei Paare im Seniorenalter unterhalten sich gut gelaunt am Ausgang, wobei sie dicht voreinander stehen und keine Maske tragen. Haben sie nicht Angst, sich anzustecken? Die vier lachen, zwei umarmen sich. »Kein Kommentar«, schnaubt einer der Herren. »Pandemie - das ist nur ein Fake.«

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