Zehn Wochen dauert Ceyda Toys Praktikum im Bad Nauheimer Weltladen. Sie ist von der Arbeit so begeistert, dass sie sich dazu entschieden hat, dem Verein "fair wandeln" beizutreten.	FOTO: BF
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Zehn Wochen dauert Ceyda Toys Praktikum im Bad Nauheimer Weltladen. Sie ist von der Arbeit so begeistert, dass sie sich dazu entschieden hat, dem Verein »fair wandeln« beizutreten. FOTO: BF

Für Fairness

Soziale Ungleichheit verringern: Praktikum im Weltladen Bad Nauheim

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Ceyda Toy aus Ossenheim macht derzeit ein Praktikum im Bad Nauheimer Weltladen. Hier berichtet sie von ihrer Arbeit und welche Bedeutung das Engagement hat.

Ein Praktikum kann man an vielen Stellen machen. Ceyda Toy aus Ossenheim hat sich dafür entschieden, im Bad Nauheimer Weltladen mitzuhelfen. Was sie dabei erlebt und was sie an dem Engagement dort besonders gut gefällt, schildert sie hier.

Im Rahmen meines MasterStudiums der Politikwissenschaft ist ein zehnwöchiges Pflichtpraktikum vorgesehen. Da der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften sehr breit aufgestellt ist, ist die Auswahl an Praktika groß: Ob bei Banken oder Regierungsinstitutionen, Verlagen oder privaten Unternehmen - man hat die Qual der Wahl.

Meine Wahl fiel auf den Weltladen in Bad Nauheim. Das hat mehrere Gründe: Zum einen bin ich überzeugt von dem Konzept des Fair Trade, das menschenwürdiges Arbeiten in Ländern des Südens ermöglicht und Transparenz für den Endkonsumenten bietet. So wird der Kunde darüber informiert, wo zum Beispiel der Bad Nauheimer Stadtkaffee geerntet wird, unter welchen Bedingungen die Kaffeebauern arbeiten und leben und wie sie entlohnt werden.

Schulbesuche in Corona-Zeiten

Darüber hinaus ist der Weltladen eine gemeinnützige Organisation, es geht also nicht darum, profitabel zu wirtschaften, sondern den Jahresgewinn für gemeinnützige Projekte jeglicher Art zu spenden. Ich bin persönlich fest davon überzeugt, dass Veränderung in kleinen Schritten passiert. So trägt jede fair gehandelte Schokolade dazu bei, die soziale Ungleichheit auf der Welt zu verringern. Auch die Bildungsarbeit, die die Ehrenamtler machen, trägt zur Aufklärung über der Schieflage der Weltwirtschaft und zur Alternative des fairen Handels bei. Diese Bildungsarbeit richtet sich vor allem an Schulkinder.

Zum anderen ist die Betreuung meines Praktikums sehr vorbildlich, und das obwohl ich, abgesehen von einem Schulpraktikanten, die erste Praktikantin im Weltladen bin, die zehn Wochen dort lernen und arbeiten kann. Vom ersten Tag an wurde ich sehr herzlich aufgenommen und auf Augenhöhe behandelt. Bei jeder Diskussion und bei jedem Treffen wurde nach meiner Meinung und meinen Vorschlägen gefragt. So hatte ich die Idee, im Rahmen der Fair-Wochen im September einen Info-Stand in der Bad Nauheimer Innenstadt zu organisieren, um so den Weltladen bekannter zu machen und das Konzept des Fair Trade zu verbreiten. Meine Idee wurde eins zu eins umgesetzt und erhielt positives Feedback.

Außerdem sind die Arbeitsbereiche, an denen ich mich beteilige, sehr facettenreich. Zweimal pro Woche helfe ich jeweils für drei Stunden im Laden mit und arbeite mit anderen Ehrenamtlichen zusammen im Verkauf. Auch darf ich im Bildungs-Team mitarbeiten und Konzepte erstellen, wie Schulbesuche im Weltladen unter Corona-Bedingungen ermöglicht werden können.

30 Ehrenamtliche engagieren sich

Ein anderer Aspekt meiner Arbeit ist die Berichterstattung von Lesungen und Vorträgen des Weltladens. Außerdem mache ich Pressearbeit und erstelle Newsletter mit Informationen über neue Produkte und anstehende Veranstal- tungen und konzipiere mit meinen Kolleginnen und Kollegen die Broschüre für den Ehrenamtskalender der Stadt Bad Nauheim für das Jahr 2021.

Nun ist mehr als die Hälfte meines Praktikums um, und ich bin nach wie vor sehr zufrieden, meinen Beitrag im Weltladen leisten zu können. Daher habe ich mich entschieden, Mitglied des Vereins »fair wandeln« zu werden, der Träger des zertifizierten Weltladens ist.

Durch die gut strukturierte und organisierte Betreuung durch meine Mentoren Gudrun und Gerd erlebe ich ein familiäres Verhältnis während meines Praktikums. Ich kann mich jederzeit mit jedem Anliegen an sie wenden und mir Ratschläge einholen oder Fragen stellen und um Hilfe bitten. Anders als bei Großkonzernen, bei den ich bereits ein Praktikum absolviert habe, habe ich anspruchsvollere Aufgaben als Kaffee zu kochen und Dokumente zu sortieren. Die persönliche Atmosphäre in dem Kollegium, das aus 30 Ehrenamtlichen besteht, gibt mir die Möglichkeit interessante Persönlichkeiten kennenzulernen. Ich arbeite mit Menschen wie Chefredakteuren, Doktoren, Lehrern und Schriftstellern. Alle sind sehr bodenständig und respektvoll im Umgang miteinander. Daher kann ich ein Praktikum im Weltladen, auch wenn es unbezahlt ist, wärmstens empfehlen.

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