Dieses goldige Igelchen ist eines der Findelkinder von Otto Luzius. FOTOS: CORINNA WEIGELT
+
Dieses goldige Igelchen ist eines der Findelkinder von Otto Luzius. FOTOS: CORINNA WEIGELT

"Igelvadder" schlägt Alarm

Sorgen um den Igel-Nachwuchs in der Wetterau

  • vonCorinna Weigelt
    schließen

Krankheiten, Hunger, fehlende Domizile - Igel benötigen Hilfe beim Überwintern. Der Bad Nauheimer Otto Luzius hat mit den kleinen Rackern alle Hände voll zu tun. Er braucht Unterstützung.

Zahlreiche Igel hat der Bad Nauheimer Otto Luzius in diesem Jahr bereits aufgepäppelt. Derzeit beherbergt der "Igelvadder" allein 26 Jungtiere, die dringend Hilfe benötigen. "Gerade in den letzten 14 Tagen wurden vermehrt kleine Igel gebracht", sagt Luzius, der rund um die Uhr für die stacheligen Findlinge da ist. "Es sind derzeit aber nach wie vor viele Jungtiere unterwegs", teilt der besorgte Igelvadder mit. "Alle Igel, die jetzt noch gefunden werden, haben ein Problem und brauchen ganz schnell Hilfe."

Katzenfutter geben, Getreide vermeiden

Otto Luzius ist mit seiner "Igelhilfe" weit über die Grenzen der Wetterau hinaus bekannt. Seit mehr als zehn Jahren kümmert er sich um verwaiste und unterernährte Igel. In der letzten Zeit gab es da besonders viel zu tun. Während die großen ausgewachsenen Igel bei ihm im Schuppen bereits ihren Winterschlaf halten, kümmert sich Luzius gerade um 26 kleine Igel, die alleine keine Chance hätten, draußen zu überleben. "Teilweise wurden mir die kleinen Igel mit einem Gewicht von 200 oder sogar 100 Gramm gebracht", sagt Luzius. "Einem Laien kann man da nicht zumuten, die Kleinen selbst aufzuziehen."

Ernährung alleine reiche nämlich nicht aus, schon gar nicht ohne eigenes Nest. Mitunter benötige der Nachwuchs Antibiotika oder sogar eine ärztliche Behandlung. "Das Immunsystem der Kleinen ist sehr angegriffen", erklärt der Experte. Seine Findelkinder erholen sich daher auch in gewärmten Boxen, damit sie für einen späteren Winterschlaf fit werden. "Dafür müssen sie aber mindestens 600 bis 700 Gramm wiegen." Ein ausgewachsener Igel wiege gut doppelt so viel, zwischen 1200 und 1500 Gramm. Während des Winterschlafs verlieren Igel 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts, Herzschlag und Körpertemperatur sinken.

Otto Luzius füttert die kleinen stacheligen Freunde daher mit Katzenfutter. Wer in heimischen Gärten Igel füttere, sollte ebenfalls Katzenfutter statt gängiges Igelfutter kaufen. Getreide und Nüsse sollten vermieden werden. "Das vertragen Igel nämlich gar nicht." Igel seien zudem keine Obst- oder Gemüse-Esser, ebenso wenig benötigten sie Milch.

Sorgen wegen Lungenwurm & Co.

Gefüttert werde nicht nur in dem Bad Nauheimer Quartier, sondern auch an drei Außenstellen im Wetteraukreis. "Das ist nur dank der Hilfe von Steffi Riemer möglich", sagt Luzius. Riemer kümmere sich um die Igelhilfe Schöffengrund und übernehme die absoluten Notfälle, für die es in Bad Nauheim keine Behandlungsmöglichkeit gebe.

Sorgen bereiten in diesem Jahr auch erwachsene Igel. Derzeit sind viele Igel von Innenparasiten betroffen. Diese greifen auch die Lunge an. "So etwas erkennen Laien oft nicht", sagt Luzius. Seit Monaten sei besonders der Darmsaugwurm stark verbreitet. Husten oder röchelnder Atem wiesen mit ziemlicher Sicherheit auf einen massiven Befall mit Lungenwürmern hin. Werde ein an Darmsaugwurm erkrankter Igel nicht behandelt, könne er innerlich verbluten, erläutert Luzius. "Allein an dieser Krankheit sind in diesem Jahr deutschlandweit zahlreiche Igel gestorben." Helfen können da Medikamente, die prophylaktisch verabreicht werden.

Kosten für Futter und ärztliche Versorgung

Mit Aufrufen versucht Otto Luzius auf die Probleme hinzuweisen. Auch steht er den Menschen gerne mit Rat und Tat zur Seite, damit die Igel in Wetterauer Gärten überwintern können. Wichtig sei es, den Igel so lange zu füttern, bis er nicht mehr komme. Manch Gartenbesitzer sträube sich dagegen, aus Angst, unbeliebte Futtergäste anzulocken. "Dabei sind die schon da, nur man sieht sie nicht", sagt Luzius. Mit richtigem Füttern könne das vermieden werden.

Sein Ehrenamt führt Luzius voller Herzblut aus. Bei der Finanzierung ist er aber auf die Spendenbereitschaft der Menschen angewiesen. Viele Kosten fallen für Futter und ärztliche Versorgung an. Die Betreuung eines Igels kostet im Schnitt 70 bis 80 Euro. Dankbar ist Luzius den Wetterauer "Fressnapf"-Filialen, die ihn unterstützen. Kunden können dort Nassfutter kaufen und in einer Box für Luzius deponieren. Zudem sind Sparbüchsen für die Igelstation aufgestellt.

"Durch die Corona-Krise sind viele in finanzielle Nöte geraten", sagt Otto Luzius. Sollte jemand nicht in der Lage sein, Igel zu versorgen, möge er sich bei ihm melden. Luzius: "Wir finden gemeinsam eine Lösung."

Igel-Nottelefon und Spendenkonten

Zu erreichen ist Otto Luzius am Igel-Nottelefon unter der Nummer 01 76/54 87 29 47 oder per E-Mail an Igelvadder@gmx.de. Spenden sind sehr willkommen, denn jeder Euro hilft. Das Spendenkonto: Otto Luzius, Stichwort "Igelhilfe", Volksbank Mittelhessen, IBAN DE72 5139 0000 0090 1465 05. Auch die Arbeit der Igelhilfe Schöffengrund von Steffi Riemer kann unterstützt werden: Stichwort "Igelhilfe", Sparkasse Wetzlar, IBAN DE63 5155 0035 0002 8871 72.

Otto Luzius fertigt auch Schlaf- und Futterhäuser für Igel an. Die Häuschen sind katzen- und rattensicher. Gegen eine Spende ab 25 Euro kann man die Boxen bei Luzius bekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare