Von dem Konzept der "Essbaren Stadt" ist die Liberale Paula Preiß begeistert. Nun soll der städtische Bauausschuss diskutieren.
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Von dem Konzept der »Essbaren Stadt« ist die Liberale Paula Preiß begeistert. Nun soll der städtische Bauausschuss diskutieren.

Umstrittener Antrag

Soll Bad Nauheim zur »Essbaren Stadt« werden?

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Obst, Gemüse, Salat, Kräuter im öffentlichen Grün zu finden und pflücken zu dürfen - das klingt attraktiv. Der Antrag, der auf die FDP zurückgeht, war im Bad Nauheimer Stadtparlament aber umstritten.

Bad Nauheim – Drei Anträge hat Paula Preiß (FDP) im Bad Nauheimer Stadtparlament bereits eingebracht, seit die Bürgerinnen und Bürger die 22-Jährige bei der Kommunalwahl im März zur Stadtverordneten gewählt haben. Am Dienstagabend erzielte die Studentin der Politik- und Rechtswissenschaften mit dem FDP-Antrag zur »Essbaren Stadt« erneut einen Erfolg aus Sicht der Liberalen. Zumindest teilweise.

Dabei gab es ein bisschen Wirbel, denn Grüne und SPD stimmten spontan gegen ihren Koalitionspartner, die CDU. Der eine oder andere Christdemokrat wirkte zunächst verärgert. Erstmals ging die Koalition nicht geschlossen vor, laut den Beteiligten war dies aber nur eine Kommunikationspanne. Nun wird der städtische Bauausschuss über das Thema diskutieren.

„Essbare Stadt“ Bad Nauheim: Stadt Andernach als Vorbild

Preiß beantragte, den Magistrat zu beauftragen, ein Konzept für eine »Essbare Stadt« Bad Nauheim zu erarbeiten: mit Kräutern, Salat, Gemüse, Obst und Beeren auf Teilen städtischer Grünflächen. Als Vorbild nannte sie die »Essbare Stadt« Andernach. Bad Nauheim soll Konzepte des städtischen Jugendbeirates und des Ortsbeirates Nieder-Mörlen einbeziehen. Zudem sollen eventuell die Bürgerschaft, Kitas und Schulen für eine Mitarbeit gewonnen werden.

Sebastian Schmitt (CDU) sah den Antrag skeptisch: »Wir sind Heilbad, Rosenstadt, Gesundheitsstadt, Eishockey-Stadt, Elvis-Stadt, Jugendstil-Stadt. Jetzt sollen wir auch noch ›Essbare Stadt‹ werden.« All das koste viel Geld - in Andernach seien es 90 000 Euro jährlich. Wie das Parlament neulich laut Schmitt bereits erörterte, dürfe die Stadt Bad Nauheim ihren Markenkern nicht verwässern. Als weiteren kritischen Punkt nannte er die Frage, wer die Pflanzen gießt. »Es wäre schade, etwas anzupflanzen und der Salat verwelkt.« Das Projekt in Andernach bezeichnete Schmitt als positiv und als gutes Alleinstellungsmerkmal, für Bad Nauheim sei es aber nicht das Richtige. Mit den bisherigen Grünflächen habe die Stadt schon eine große Herausforderung zu leisten, stellte Schmitt fest.

Markus Philipp (FW/UWG) appellierte aber, dem Antrag eine Chance zu geben, denn das Anliegen habe Charme. Er stellte einen Änderungsantrag. Das Rathaus solle Kontakt nach Andernach aufnehmen, sich informieren und die Ergebnisse im städtischen Bauausschuss vorlegen.

Bad Nauheim: Kommunikationspanne im Parlament? Laut Jordis kein Sand im Getriebe

Grüne und SPD hoben die Hand für die Überweisung, CDU-Stadtrat Armin Kreuter war überrascht. »Was war denn das?«, wunderte er sich. CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Jordis verneinte, dass Sand im Getriebe sei. »Es ist nicht tragisch. Wir hatten keine Zeit, uns abzusprechen«, sagte er zu dieser Zeitung. In einer gemeinsamen Fraktionssitzung waren sich die Koalitionspartner laut Jordis einig gewesen, die »Essbare Stadt« abzulehnen. »Aber wir hatten nicht mit dem Vorschlag der Verweisung gerechnet.« Jordis geht davon aus, dass der Antrag ins Parlament zurückkommt und CDU, Grüne und SPD ihn dann gemeinsam ablehnen. SPD-Co-Fraktionsvorsitzende Natalie Pawlik gab ebenfalls Entwarnung: »Es ist ja nur ein Verweisungsantrag.« Die Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Claudia Kutschker, sagte: »Es ist legitim, das Thema in den Ausschuss zu schicken, wenn noch Punkte zu diskutieren sind.«

Wie Paula Preiß schildert, haben die Liberalen den Antrag gemeinschaftlich in ihrer ersten Klausurtagung der Wahlperiode erarbeitet. »Wir fanden alle das Beispiel Andernach toll. Wir sollten es in Bad Nauheim ausbauen, weil es sowohl vom Jugendbeirat mit dem Hochbeet-Konzept und vom Ortsbeirat Nieder-Mörlen mit einem kommunalen Gartenprojekt schon Vorhaben gibt.« Diese Ideen sieht die FDP als Grundsteine für die »Essbare Stadt« Bad Nauheim. Für das Thema begeistert sich die junge Frau sehr, wie sie sagt: »Wir müssen nachhaltig arbeiten. Ich sehe diesen Punkt als ökonomisch und ökologisch sinnvoll an und hoffe, dass wir die CDU überzeugen können.«

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