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Im Biomarkt seien die Kunden mit dem Mehrwegkonzept von Vytal zufrieden, sagen Jeanette Havanci (l.) und Angelika Ifraimova.

Vytal in Bad Nauheim

So funktioniert das Mehrweggeschirr für die Gastronomie

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Seit Mitte des Jahres ist Mehrweggeschirr für Gastronomie und Handel in Bad Nauheim und Friedberg ein Thema. In Bad Nauheim verwenden diverse Restaurants und Geschäfte das System Vytal. Kann das funktionieren? Unsere Reporterin hat sich umgehört.

Die Vorteile des Geschirrs von Vytal sprechen sich herum. Insofern will ich mich über das Mehrwegsystem informieren, das Geschäfte und Restaurants für Essen zum Mitnehmen oder ihren Lieferservice neuerdings in Bad Nauheim anbieten. Die Gelegenheit ist günstig, als die Stadt einen Info-Stand am Aliceplatz organisiert und mit Gebäck lockt. »Jeder, der sich die kostenlose App heute herunterlädt, kann eine Leckerei mitnehmen, gesponsert von der Stadt«, erklärt Yuge Lei. Wie die städtische Referentin für Umweltschutz und Nachhaltigkeit berichtet, findet das Geschirr bei Verbrauchern und Betrieben bereits guten Zuspruch. Nun auch bei mir, dem Obsttörtchen sei Dank.

Verschiedene Formen und Größen von Gefäßen stehen auf dem Tisch des Standes. Die Behälter tragen einen QR-Code und lassen sich mit dem Handy scannen. Wer sich anmeldet, muss eine Bank- oder Paypal-Verbindung angeben, um bei vergessener Rückgabe eine Gebühr zu zahlen. Ich entscheide mich für die zweite Variante: eine Karte für zehn Euro, mit der ich bis zu zwei Gefäße ausleihen kann.

Gegen das schlechte Gewissen

Eine Besucherin aus München, Eva Stiebler Carvalho da Silva, interessiert sich indes für die App. »Während Corona habe ich oft Essen aus Restaurants mitgenommen und hatte ein schlechtes Gewissen wegen des Mülls. Ich habe mir schon lange so was gewünscht«, sagt sie. Das System funktioniert bundesweit, somit auch in ihrem Wohnort München.

Stefanie Friedemann aus Bad Nauheim ist ebenfalls sehr zufrieden. »Ich habe es vom Info-Stand der Stadt«, sagt sie. Zweimal holte sie beim »Green Island« etwas zu essen, Spätzle mit Fleisch und Soße. Das klappte sehr gut, allerdings gab es eine Kleinigkeit, die sie nicht optimal fand. Friedemann erhielt ihr Essen auf einem achteckigen Pizzateller mit hohem Rand, den das »Green Island« mit Alufolie abdeckte. »Da würde ich mir einen Deckel wünschen«, sagt sie.

Das Lokal hat dafür eine Erklärung, wie Mitarbeiterin Nuray Weisel schildert: »Ein Gericht kann man nicht in ein kleines Gefäß packen. Wenn ich ein Jägerschnitzel mit Pommes bestelle, wie soll das funktionieren?« Insofern benutzt das Team den Pizzateller, der sich laut Firma Vytal normalerweise mit einem zweiten leeren Teller verschließen lässt. »Aber dann muss ich zweimal scannen«, ist Weisel nicht überzeugt.

Die städtische Referentin Lei sagt dazu auf Anfrage: »Einer der Gründe, warum wir uns für Vytal entschieden haben, ist das derzeit größte Sortiment an verschiedenen Behältnissen.« Sämtliche individuellen Bedürfnisse abzudecken, sei bislang noch nicht möglich. Allerdings entwickelt Vytal das Angebot laut Lei ständig weiter. »Wie genau die Betriebe das vorhandene Angebot nutzen, obliegt der Gastronomie«, fügt sie hinzu.

Im Restaurant »Ducky’s« ist Inhaberin Nicole Duckworth angetan von dem System. »Wir hatten sogar schon Anfragen, nur weil wir auf dieser Webseite sind und da mitmachen«, erzählt sie.

Die Metzgerei Michel-Weitzel in Steinfurth dachte schon länger über umweltfreundliche Verpackungen nach, fand bisher aber nicht die richtige Lösung. Nun ist das Team froh, mit Vytal ein Angebot machen zu können. »Wir sind gerade dabei, den Kunden den Flyer mitzugeben, um sie darauf aufmerksam zu machen«, sagt Anna Wortmann.

Um aus einem weiteren Betrieb zu erfahren, wie es mit dem Geschirr klappt, rufe ich beim »Biomarkt« an. »Das System ist sehr gut, sowohl von der Ausgabe als auch der Rückgabe. Man muss es halt einmal gemacht haben«, sagt Anne Ahlers vom Marktmanagement. Sie findet besonders gelungen, dass das System künftig in vielen Lokalen und Geschäften Bad Nauheims vertreten sein soll. Laut Ahlers nehmen die Kunden das Geschirr sehr gut an.

An der Theke zeigen Bistroleiterin Jeanette Havanci und ihre Kollegin Angelika Ifraimova, wie es geht. Ich gebe mein ausgeliehenes Gefäß ab, erhalte im Austausch einen Kaffee im verschließbaren Becher, den ich auf dem Heimweg genieße.

Mehrere Städte wollen mitmachen

Auf der Homepage Vytal.org können Verbraucher und Verbraucherinnen auf einer Karte ermitteln, welche Restaurants und Geschäfte in ihrer Nähe das Mehrweggeschirr bereits nutzen. Bad Nauheim und Friedberg wollen in dieser Sache zusammenarbeiten. Den ersten Anstoß gaben die Grünen in Friedberg, die einen Fördertopf für Betriebe beantragten, die sich einem Mehrweggeschirrsystem anschließen. In Bad Nauheim gibt es bisher zehn Anlaufstellen, in Friedberg ist momentan nur die THM in der Liste zu finden. Auch andere Städte wie Karben und Rosbach sind an Vytal interessiert und streben eine Kooperation an. Sinnvoll, denn wenn Anfang 2023 das neue Verpackungsgesetz in Kraft tritt, werden Lokale verpflichtet sein, Mehrwegbehälter für ihre

To-go-Produkte anzubieten.

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