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Die neue Ortsvorsteherin Lisa Graudenz ist nicht erfreut, da die Querungshilfe für die Schulwegsicherheit nur zögerlich vorankommt.

Querungshilfe

Sicherheitssorgen in Schwalheim

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Der Schulweg in Schwalheim ist streckenweise nicht sicher. Führenden Akteuren aus dem Stadtteil reicht es nun. Bürgermeister Klaus Kreß wies die Vorwürfe zurück.

Seit 30 Jahren kämpfen die Schwalheimer dafür, Schulwegsicherheit für ihre Kinder herzustellen. Bisher waren diese Bemühungen weitgehend vergeblich. Vorwürfe gegen das Bad Nauheimer Rathaus erheben nun Akteure aus dem Stadtteil. Nach Ansicht des Stadtverordneten Alexander von Bischoffshausen (CDU) und der Ortsvorsteherin Lisa Graudenz (FW/UWG) hat die Stadtverwaltung die Umsetzung der Querungshilfe in der Schwalheimer Hauptstraße verschleppt. Letztlich, so denken sie, könnte das sogar das Aus für das Projekt bedeuten.

Bereits im Juli hatte die CDU eine große Anfrage an den Magistrat gestellt, auf die Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) im August schriftlich antwortete. Kreß wies dabei die Vorwürfe zurück. Wie er klarstellte, stehe das Rathaus zu dem Projekt. In der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments am Dienstagabend hakte von Bischoffshausen nochmals nach. Am Ende war er aber immer noch etwas ratlos.

Schmale Gehwege, Mülltonnen im Weg

Treffpunkt Schwalheim, es ist Nachmittag. Für ein Foto hat sich diese Zeitung mit Ortsvorsteherin Graudenz an der Grundschule verabredet. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zu der Stelle an der Schwalheimer Hauptstraße, für die die Querungshilfe vorgesehen ist. Rechts und links der Fahrbahn stehen Warnbaken.

»Als Mutter habe ich mitbekommen, dass die Schulwegsicherheit auf der Schwalheimer Hauptstraße immer ein Thema war. Es ist ein großes Anliegen der Schwalheimer seit Jahrzehnten«, sagt die Ortsvorsteherin. Es leuchte den Einwohnern nicht ein, wieso es nicht möglich ist, eine Querungshilfe zu installieren. Die 47-Jährige betont: »Ich bin absolut der Meinung, dass man mal die Themen vorantreiben soll, die die Schwalheimer bewegen. Und nicht die Themen, die seitens des Rathauses für Schwalheim angedacht sind.«

Eines ihrer Kinder besuchte dieselbe Klasse wie der jüngste Sohn von Bischoffshausens, der jedes seiner vier Kinder täglich zu Fuß zur Grundschule begleitete. Die Strecke, die K 174, lädt zum Schnellfahren ein. Tempo 30 ist vorgeschrieben, wird aber nicht immer eingehalten. Die Bürgersteige, auf denen die Kinder den Berg hochgehen, sind schmal. Zudem versperren oft Mülltonnen den Weg.

Bei Ortsterminen, an runden Tischen, bei Begehungen mit der Polizei und anderen Verantwortlichen versuchten die Schwalheimer, etwas zu erreichen. Eine Ampel oder einen Zebrastreifen schlossen die Behörden zwar aus - einer Querungshilfe gegenüber waren sie aber nicht abgeneigt. Seit 2016 erzählen Vertreter des Rathauses in Schwalheim, dass die Querungshilfe bald komme. Ende 2020 sollte sie stehen. Um das Ganze abzukürzen, war seit 2017 geplant, ein behördlich vorgeschriebenes Planfeststellungsverfahren zu umgehen.

Kreß: Magistrat will die Querungshilfe

Dafür musste die Stadt einen Antrag stellen - und da liegt nach Ansicht der Schwalheimer der Hund begraben. Denn die dazu notwendige Anhörung von Trägern öffentlicher Belange und Anwohnern vollzog das Rathaus erst vier Jahre später, im März/April 2021. Plötzlich gingen Einwände von Anwohnern und des Regionalen Verkehrsdienstes der Polizei ein, die es damals nicht gegeben hatte. Die Einwände dürfen nicht einfach übergangen werden. »Warum hat man die Anhörung nicht 2017 gemacht?«, fragt von Bischoffshausen.

In seiner schriftlichen Antwort wies Kreß den Vorwurf zurück, wonach die Stadt nicht genug getan habe. Um die Anhörung vorzunehmen, hätte unter anderem erst die Entwurfsplanung erstellt werden müssen. Im Stadtparlament beschrieb der Bürgermeister ein Problem: In Gesprächen zeigten sich alle gegenüber den Argumenten aufgeschlossen und einverstanden, sofern es aber offiziell werde, sehe es anders aus. Kreß kündigte an, ein Planfeststellungsverfahren in die Wege zu leiten. Die Kosten betragen 50 000 Euro, was mehr kostet als die gesamte Querungshilfe. Ob das aufwendige Verfahren Erfolg haben wird, ist ungewiss. Wie der Bürgermeister betonte, wolle der gesamte Magistrat die Querungshilfe, um die Sicherheit zu verbessern.

Kurz ging Kreß auf Rödgen ein, wo er eine Ampel kurzerhand errichten ließ (diese Zeitung berichtete). »Sonst wäre sie möglicherweise jetzt noch nicht genehmigt. Vielleicht sollten wir das tun.« Näheres zu diesem Punkt wollte er aber nicht sagen.

Was genau geplant ist

Rechts und links der Fahrbahn in der Schwalheimer Hauptstraße soll eine Querungshilfe entstehen. Momentan sind an dieser Stelle Warnbaken postiert. Dort sollen der Bürgersteig als Aufstellungsfläche verbreitert und die Fahrbahn auf eine Spur geschmälert werden. Die Kinder hätten somit nur eine Fahrspur zu überqueren. Der Bodenbelag würde als optisches Signal für die Autofahrer gestaltet. Die Straße würde damit bedruckt, womit beim Drüberfahren kein Geräusch entstehen soll.

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