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Shannon Gäde macht bei der aktuellen Wahl zur Miss Germany mit. »Es ist keine ›Winke-Winke-Veranstaltung‹ mehr«, sagt sie. Die Bad Nauheimerin steht mit ihrem Engagement für Betroffene von sexualisierter Gewalt für ein völlig neues Konzept dieser Miss-Wahlen.

Bad Nauheimerin tritt bei Miss Germany an

Bad Nauheimerin will „Miss Germany“ werden - Besondere Mission: „Survivorinnen“ ermutigen

  • Sabine Bornemann
    VonSabine Bornemann
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Sexualisierte Gewalt kann jeden treffen. Shannon Gäde weiß das. Sie hat überlebt - ist eine »Survivorin«. Die Bad Nauheimerin macht bei der Wahl zur Miss Germany mit -mit neuem Konzept.

Bad Nauheim - Sie hat überlebt und möchte jetzt anderen »Survivorinnen« ein Stimme geben. »Sexualisierte Gewalt kann jeden treffen«, sagt Shannon Gäde. Um anderen »Survivorinnen« - wie sich die Betroffenen sexualisierter Gewalt bezeichnen - zu helfen, geht sie in die Öffentlichkeit. Die Bad Nauheimerin macht bei der aktuellen Wahl zur Miss Germany mit. »Be Part of the Movement« heißt das Motto der Organisation, das für ein komplett neues Konzept steht.

»Es ist keine ›Winke-Winke-Veranstaltung‹ mehr, wie man es von früher kennt«, sagt Gäde. Es geht darum, was die Kandidatinnen zu sagen haben und für welche Themen sie sich engagieren. Für Gäde ist es sexualisierte Gewalt. Sie ist selber betroffen. Drei Jahre lang hat sie geschwiegen, kann und will das aber nicht länger. Was genau ihr passiert ist, möchte sie nicht sagen. Stattdessen will sie anderen helfen und Mut machen. Dafür hat sie konkrete Ideen und Vorschläge, was sich für Betroffene ändern sollte. Vor Gericht, im Krankenhaus, bei der Polizei und in der gesamten Gesellschaft: »So hart wie die Taten sind, genauso hart muss darüber gesprochen werden.«, sagt die junge Frau.

Dazu möchte Gäde die Plattform und den Wettbewerb von Miss Germany nutzen. Sie will nicht nur für sich einstehen, sondern für jede zweite Frau in Deutschland, die von sexueller Gewalt betroffen sei.

Shannon Gäde: Über „Miss Germany“-Wettbewerb auf sexualisierte Gewalt aufmerksam machen

Sie will aus ihrer negativen Geschichte positive Dinge ziehen. »Es war nicht mein Fehler!« Um diesen Satz verinnerlichen zu können, brauchte Gäde Zeit. Zeit dafür, um mit sich ins Reine zu kommen und sich vor Augen zu führen, dass »ich gut so bin, wie ich bin und dass Diskriminierung und der sexualisierte Missbrauch, den ich erlebt habe, mich nicht definieren.«

Ein stabiles privates Umfeld habe ihr dabei geholfen. Sie hat aber auch gemerkt, wie schnell über die »Survivorinnen« geurteilt wird. Ein Foto in einem Bikini oder das Tragen von kurzen Rücken seien eben keine Einladung an potenzielle Täter. Selbst sieht sie keine Gefahr, mit der Thematik und dadurch selber in der Öffentlichkeit zu stehen: Um nach vorne zu schauen, ist sie bereit, ein Stück ihrer Privatsphäre aufzugeben. »Denn diese schützt nicht nur mich, sondern auch den Täter.«

»Be Part of The Movement« sei für sie ein klares Statement, das Schweigen zu brechen und über das vermeintliche Tabu-Thema der sexualisierten Gewalt zu reden. Denn: »Das Schweigen schützt nur den Täter. Es gibt keine Tabu-Themen«, sagt Gäde.

Deshalb produziert die Journalistin seit Oktober 2020 ihren Podcast »justgaedeit«. Darin werden gesellschaftskritische und emotionale Themen aufgegriffen. Gäde liefert dazu mit ihrem Team immer einen Faktencheck und erklärt die Hintergründe.

Kritisches Hinterfragen hat sie während ihrer Ausbildung gelernt. Nach dem Abitur 2015 an der Augustinerschule in Friedberg hat sie im Bereich Radio, Fernsehen und Social Media ein Volontariat absolviert und in der Medienbranche gearbeitet. Vor acht Jahren hat die heute 24-Jährige damit begonnen zu modeln.

Bad Nauheim: Shannon Gäde als „Miss Germany“ mit Mission? „Brecht euer Schweigen“

Durch das neue Konzept von Miss Germany kam sie dazu, sich dort zu bewerben. Miss Germany hat sich neu definiert. Der Wettbewerb soll Frauen eine Bühne geben, die die Welt verändern, sie mit Haltung, Überzeugung und Persönlichkeit prägen und Verantwortung übernehmen. Und genau das sieht man, wenn man sich die Internetseite der Organisation anschaut. Von 12 000 Bewerberinnen sind aktuell 160 ausgewählt worden. Gäde ist eine von ihnen.

Seit Montag kann online abgestimmt werden, welche der Bewerberinnen weiterkommen soll. Anfang November geht es in eine zweite Abstimmungsrunde. Im Frühling soll die Siegerin des Wettbewerbs feststehen. Ein Jahr lang wird die Gewinnerin mit »ihrer« Botschaft auftreten und für ihre Ziele einstehen.

Vielfältig sind die Anliegen und die Bewerberinnen. Es geht um Nachhaltigkeit, Tierschutz, Ehrenamt, um die Aufklärung von Angststörungen oder die Akzeptanz psychischer Erkrankungen. Dabei sind beispielsweise eine gehörlose Bewerberin und eine junge Frau, die von der Krankheit Endometriose betroffen ist

»Wenn ich es schaffe, durch meine Präsenz nur einer ›Survivorin‹ zu helfen, habe ich viel erreicht.« Gäde möchte Betroffenen zurufen: »Es wird besser, brecht euer Schweigen. Ihr habt überlebt.«

Alle Infos zum neuen Miss-Germany-Wettbewerb, Shannon Gädes dortige Präsenz und das Online-Voting finden sich im Internet unter www.missgermany.de.

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