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Sexualdelikt: Iraker unter Verdacht

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Das Verbundglas der Sportheim-Eingangstür ist zersplittert. Ob der Schaden von den Vorfällen in der Nacht zum Samstag herrührt, ist unklar.	(Foto: Nici Merz)
Das Verbundglas der Sportheim-Eingangstür ist zersplittert. Ob der Schaden von den Vorfällen in der Nacht zum Samstag herrührt, ist unklar. (Foto: Nici Merz) © Nicole Merz

Bad Nauheim (bk). Es liegt eine Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung vor, es gibt Berichte über eine Rangelei am Rosengarten und Auseinandersetzungen am Flüchtlingsquartier im Sportheim in der Hauptstraße – und alles gehört zusammen. Die Kripo ermittelt wegen Sexual- und Gewaltdelikten.

Derzeit sind viele Informationen über die Vorgänge im Umlauf, die sich am Freitagabend in Bad Nauheim zugetragen haben. Klar ist: Eine 17-jährige Friedbergerin hat bei der Polizei Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung gegen einen 22-jährigen Iraker gestellt, der als Asylbewerber im Sportheim untergebracht ist. Wie der Freund der jungen Frau, der in Bad Nauheim wohnt, der WZ berichtet, habe die 17-Jährige am Freitagabend die Jugendkulturtage im Sprudelhof besucht. Sie sei in Begleitung einiger Freundinnen gewesen. »Wie meine Freundin mit später erzählt hat, wurde sie die ganze Zeit von einer Gruppe von Flüchtlingen beobachtet«, sagt der 20-Jährige. Als sie sich gegen 0.10 Uhr kurz von ihren Begleiterinnen getrennt hatte, sei sie von einem der Männer hinter ein Zelt gezogen worden. Der Iraker habe versucht, sie zu küssen und den BH zu öffnen. »Sie wurde am Busen und im Schritt angefasst. Erst als sie dem Mann in die Genitalien getreten hat, konnte sie flüchten«, schildert der Freund der 17-Jährigen.

Die Polizei schildert den Hergang ähnlich, spricht von einer versuchten Vergewaltigung. Die Pressemitteilung basiert auf Aussagen der 17-Jährigen, die Anzeige erstattet hat. Nach Auskunft von Pressesprecherin Sylvia Frech hätten die Ermittler den Tatverdächtigen bis Montagmittag nicht intensiv vernehmen können, da noch kein Dolmetscher zur Verfügung stehe.

»Es war gruselig«

Nach dem Vorfall kam es auf dem Gelände des Sprudelhofs zu einem erregten Wortgefecht. Nach Angaben einer Zeugin wurden der 22-jährige Tatverdächtige und seine Begleiter lautstark beschimpft und bedroht. Die Veranstalter der Jugendkulturtage versuchten, die Kontrahenten zu beruhigen. Plötzlich schlug der Iraker der Frau ins Gesicht und ergriff die Flucht. »Meine Freundin war geschockt. Sie hatte mich inzwischen angerufen, ich bin sofort losgelaufen«, berichtet der 20-Jährige. Im Rosengarten habe er den 22-Jährigen und dessen Begleiter gestellt. Es kam zu einer kurzen Rangelei, die Flüchtlinge liefen schließlich weiter in Richtung Sportheim. Zu diesem Zeitpunkt, gegen 0.15 Uhr, wurde die Polizei verständigt. »Zusammen mit zwei Bekannten habe ich den Mann verfolgt.

Vor dem Sportheim wurden wir bereits von einer größeren Gruppe Asylbewerber empfangen, die sich mit Bratpfannen und Stühlen bewaffnet hatten. Auch Security-Mitarbeiter und Schaulustige waren da. Es entwickelte sich eine kurze Schlägerei. Wir haben nie versucht, ins Gebäude einzudringen«, sagt der Freund der 17-Jährigen.

Völlig anders sieht die Schilderung eines Bewohners der Flüchtlingsunterkunft aus. Danach wollten »etwa 20 Männer« ins Sportheim eindringen. Es sei heftig gegen die Eingangstür getreten worden. Das Verbundglas war am Montag zersplittert – ob es zu dem Schaden in der Nacht zum Samstag gekommen ist, lässt sich nicht sagen. Am Sonntag war die Rede davon, dass Männer die Unterkunft gestürmt hätten und es im Innern zu Handgreiflichkeiten gekommen sei. Diese ersten Meldungen erwiesen sich als falsch. Tatsächlich kam es auf der Straße zu einer Schlägerei. »Das war aber keine große Sache«, sagt der Sportheim-Bewohner.

Eine Zeugin, die vom Sprudelhof mit zum Sportheim gegangen war, spricht von lautem Geschrei vor dem Haus, von Drohungen, Beleidigungen, Tritten gegen die Tür. »Viele Bewohner hatten Angst, es war gruselig.« Die Polizei sei etwa 15 Minuten nach den Vorfällen erschienen.

Auf der Straße wurde die Streife von dem Freund der 17-Jährigen angesprochen. Gemeinsam fuhr er mit den Polizisten zum Sprudelhof, wo sich die junge Frau aus Friedberg noch aufhielt. Pressesprecherin Frech zufolge ist der tatverdächtige Iraker vorübergehend festgenommen worden. »Die Schilderungen sind bislang etwas vage. Wir suchen dringend Zeugen der Vorfälle«, sagt die Polizeisprecherin.

Seit Dezember Flüchtlingsquartier

Das Sportheim in der Hauptstraße, früher in erster Linie von den Hiesbach-Karnevalisten genutzt. ist seit Mitte Dezember letzten Jahres Flüchtlingsunterkunft. Bis zu 60 Menschen sind dort untergebracht. Auch aus Sicht der Verantwortlichen im Rathaus sind die Bedingungen, die dort herrschen, keine Ideallösung. Flüchtlingsbetreuer fordern, das Quartier aufzulösen. Auch aufgrund der beengten Wohnverhältnisse ist es zwischen einzelnen Flüchtlingsgruppen bereits zu Konflikten gekommen.

Insgesamt sind in Bad Nauheim etwa 350 Flüchtlinge untergebracht. Deren Zahl hat in den letzten Monaten nicht so stark zugenommen, wie zunächst erwartet.

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