Fast alle Bewohner sind geimpft: Im Elisabethhaus hat sich bislang kein Senior mit Corona infiziert, jetzt scheint die Gefahr endgültig gebannt. 	FOTOS: NICI MERZ/WZ-ARCHIV
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Fast alle Bewohner sind geimpft: Im Elisabethhaus hat sich bislang kein Senior mit Corona infiziert, jetzt scheint die Gefahr endgültig gebannt. FOTOS: NICI MERZ/WZ-ARCHIV

Impfkampagne

Bad Nauheim: Elisabethhaus ohne Corona-Fall unter Bewohnern - Fast alle Senioren geimpft

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Ängste und Kontaktarmut in Zusammenhang mit der Corona-Krise könnten im Bad Nauheimer Elisabethhaus bald der Vergangenheit angehören. Fast alle Bewohner des Seniorenheims sind geimpft.

  • Im Bad Nauheimer Seniorenheim Elisabethhaus sind nunmehr fast alle der 205 Bewohner gegen Corona geimpft.
  • Der zweite Impfung soll, falls genügend Impfdosen vorhanden sind, in drei Wochen erfolgen.
  • Laut Einrichtungsleiter Fuchs war kein einziger Bewohner des Seniorenheims Elisabethhaus mit Corona infiziert.

Angehörige von betagten Bewohnern des Elisabethhauses in Bad Nauheim können jetzt aufatmen. Viele dürften in den letzten Wochen angesichts rasant steigender Corona-Inzidenzzahlen und etlicher Todesopfer in Seniorenheimen voller Sorge an den Vater, die Mutter oder die Großeltern gedacht haben. Seit Mitte dieser Woche sind die allermeisten Bewohner des vom Diakonischen Werk betriebenen Elisabethhauses vor dem Covid 19-Virus geschützt - sofern der von Biontech entwickelte Impfstoff seine angekündigte Wirkung entfaltet.

Bad Nauheim: Fast alle 205 Bewohner des Elisabethhauses geimpft

Am Dienstag und Mittwoch waren vier Impfteams des Roten Kreuzes und der Johanniter in den Gebäuden in der Zanderstraße unterwegs. »Fast alle Bewohner, die geimpft werden können, haben sich dafür entschieden«, sagt Einrichtungsleiter Stefan Fuchs. Etwa 15 der 205 Senioren hätten kein Serum erhalten, weil sie zurzeit wegen einer anderen Erkrankung behandelt werden, etwa mit einer Chemotherapie gegen Krebs. Rund 90 Prozent der Bewohner hätten den Biontech-Wirkstoff verabreicht bekommen. Falls genügend Impfstoff vorhanden ist, soll der zweite Durchgang in drei Wochen erfolgen.

Mehr Skepsis herrscht offenbar unter den knapp 200 Mitarbeitern des Elisabethhauses. Nach Aussage von Fuchs liegt die Impfquote bei rund 60 Prozent. »Der Rest wartet erst mal auf nähere Informationen über die Wirkung des Impfstoffs. Viele Beschäftigte werden die Impfung vermutlich nachholen«, ist der Einrichtungsleiter zuversichtlich.

Bad Nauheim: Kein einziger Bewohner des Elisabethhauses infiziert

Seit Ausbruch der Pandemie ist es dem Team des Seniorenheims gelungen, das Virus draußen zu halten. Laut Fuchs wurde kein einziger Senior infiziert, nur vier Angestellte seien positiv getestet worden, hätten den Erreger aber nicht im Haus verbreitet. Für dieses gute Vorsorgeergebnis macht der Leiter unter anderem den Einsatz von FFP 2-Masken beim Personal seit dem Frühjahr verantwortlich. »Wir haben früher als andere mit diesen Masken gearbeitet und rechtzeitig eingekauft.«

Zudem verweist Fuchs auf die Teststrategie: Mitarbeitern werde einmal pro Woche eine Speichelprobe entnommen. Fuchs zufolge werden auch Besucher getestet - sofern sie das Heim wieder betreten dürfen. Dank dieser Vorkehrungen blieb das Elisabethhaus von Corona verschont, was Grundlage für eine Teilnahme an der Impfkampagne ist.

Bad Nauheim: Über 300 „Impflinge“ im Elisabethhaus

Bei über 300 Leuten, die geimpft werden sollen, sind die Vorbereitungen umfangreich. Papiere müssen ausgefüllt und räumliche Voraussetzungen geschaffen werden. Fuchs: »Wir haben eine kleine Arztpraxis eingerichtet, mit Aufnahme, Wartebereich und Impfzimmer.« Außerdem gab es einen Raum, in dem sich sie Senioren nach der Impfung einige Zeit aufhalten konnten. Wenige bettlägerige Bewohner hätten das Vakzin in ihren Zimmern erhalten. Bereits vor Weihnachten seien Angehörige und Bewohner über die Impfung informiert worden. Kurz vor dem Termin seien Arztgespräche geführt und Fragebögen ausgefüllt worden.

Ist das Thema Corona für das Elisabethhaus nun erledigt? »Ich würde drei Kreuze machen, wenn es so wäre und wir zur geregelten Normalität zurückkehren könnten«, sagt der Einrichtungsleiter. Sollte sich bestätigen, dass Geimpfte nicht nur selbst geschützt, sondern auch keine Virus-Überträger mehr sind, hofft Fuchs auf Privilegien für Geimpfte, etwa auf Ausnahmen von den Kontaktbeschränkungen. »Das würde einen Push geben, damit sich mehr Leute impfen lassen.« Die Politik steht Sonderrechten allerdings kritisch gegenüber.

Wetteraukreis: 45 Seniorenheime, in 15 wurde geimpft

Was die Impfung von Seniorenheim-Bewohnern angeht, die zu den am meisten gefährdeten Gruppen gehören, ist im Wetteraukreis noch einiges zu tun. Nach Angaben von Petra Schnelzer (Fachdienst Kommunikation Wetteraukreis) wurden bis Mitte dieser Woche in 15 der 45 Wetterauer Heimen geimpft. In 17 Einrichtungen kann nicht geimpft werden, weil das Virus dort gerade grassiert.

Die Impfbereitschaft sei sehr hoch: »Die Menschen warten auf den Impfstoff.« Die Planung der Kampagne müsse kurzfristig erfolgen, da sie von der weiteren Impfstoff-Zuteilung abhängig sei.

Corona-Impfung: Zwei-Klassen-Gesellschaft durch Sonderrechte

Wer sich gegen das Covid 19-Virus impfen lässt, sollte vor einer Ansteckung geschützt sein. Doch kann er weiterhin andere Menschen infizieren? Wird diese Frage von der Wissenschaft eindeutig mit einem Nein beantwortet, könnte es für Geimpfte Sonderrechte geben. Darüber diskutieren Politiker seit dem Start der Impfkampagne in Deutschland. Zwar gibt es noch keine abschließende Antwort, doch die Berliner Regierungskoalition will offenbar keine Privilegien für Geimpfte. Hauptargument: Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft würde entstehen. Deshalb ist eine Lockerung von Kontaktverboten oder Ausgangssperren für geimpfte Personen derzeit nicht absehbar.

Unternehmen können aufgrund der bestehenden Rechtslage allerdings Unterschiede machen. So könnten Fluglinien nur Verträge mit Personen schließen, die eine Corona-Impfung hinter sich haben. Auch Gastwirte dürfen sich den Impfpass zeigen lassen. Der Ungleichbehandlung potenzieller Kunden könnte der Gesetzgeber allerdings einen Riegel vorschieben.

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