Theater am Park

Seit zehn Jahren: Gute Unterhaltung im Speisesaal

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Comedy, Kabarett, Musik – seit zehn Jahren zählt das Theater am Park zu den ersten Adressen für gute Unterhaltung in Bad Nauheim. Im WZ-Interview zieht Theaterchef Ulrich Rhein Bilanz.

Anfang 2008 hob sich erstmals der Vorhang im Theater am Park. Wann und wie reifte die Idee, in dem Anbau des Hauses ein Theater zu etablieren?

Ulrich Rhein: 2007 wurde ich aus bautechnischen Gründen um Rat gefragt und betrat erstmals diesen Raum. Der ehemalige Speisesaal aus der Gründerzeit beflügelte meine Fantasien, ein idealer Raum für ein Theater. Die Entstehung des Anbaus fällt in die "goldenen zwanziger Jahre", eine Zeit des Umbruchs, der Erneuerung hin zu einer Stilrichtung der Sachlichkeit in Architektur, Kunst, Theater, Kino, Mode, Literatur, Design und Malerei – Art déco. In Anlehnung an die Geschichte gestaltete ich einen Theatersaal, der die frühere Atmosphäre wieder zum Leben erweckte. Rund 100 Zuschauer haben Platz, um Amüsement, Kabarett, Comedy, Varieté, Artistik, Imitationen, Parodie und Musik zu erleben.

Erinnern Sie sich noch genau an die erste Vorstellung im Theater?

Rhein: Ja, das war am 20. Januar 2008 unter dem Titel "Die Goldenen Zwanzigerjahre". Eine musikalische Zeitreise mit Evergreens wie "Mein kleiner grüner Kaktus", "Veronika der Lenz ist da" oder "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" – mit dem Vox Humana Ensemble.

Wie hat sich die neue Theater-Ära im Laufe der ersten Zeit entwickelt?

Rhein: Zu Beginn spielten wir nur sonntags um 15.30 Uhr und waren sehr gut besucht, deshalb erweiterten wir unser Programm auf Sonntagabend. Es waren meist Bad Nauheimer und wenige Kurgäste da. In der zweiten Spielhälfte hat sich eine Wandlung ergeben, es kamen mehr Kurgäste und auffallend weniger Bad Nauheimer. Das ist bis heute so geblieben und unter uns Theaterleuten ein bekanntes, nicht erklärbares Phänomen. Der Großteil der Besucher kommt aus der Wetterau, der Einzugsbereich erstreckt sich von Gießen bis Frankfurt.

Was kommt beim Publikum besonders gut an: Comedy, Kabarett oder musikalische Unterhaltung?

Rhein: Unser Publikum möchte lachen und den Humor in all seinen Facetten genießen. Dementsprechend haben wir unser Programm gestaltet. Daraus sind eigene Ideen und Shows entstanden wie "Uffgebasst, die Hesse komme", "Ihne Ihr 3 Faltigkeit", "Die hessisch Dreidabbischkeit" oder die "Erotische Frauennacht". Nicht unerwähnt lassen möchten wir die Schauspieler und Kabarettisten, die von Anfang an bei uns aufgetreten sind. Dazu gehören Walter Renneisen mit der musikalischen Lesung "Deutschland, Deine Hessen …", Hans Joachim Heist als "Heinz Erhard", unser Hausmeister "Begge Peder" sowie die "Urhesse" Hiltrud Hufnagel, Clajo Herrmann, Hilde aus Bornheim, Rainer Weißbecker und Jürgen Leber, Dr. Harry Keaton, Martin Guth, Dietrich Faber, Johannes Scherer und Andy Ost. Aber auch "Nichthessen" sind bei uns sehr beliebt.

Ein besonderer Augenmerk ist auf das European Elvis Festival gerichtet. Gleich mehrere Künstler sind Jahr für Jahr im Theater am Park zu Gast.

Rhein: Erstmals haben wir uns 2009 am Festival beteiligt. Wir freuen uns, stets mehrere Künstler engagieren zu können. Die Idee, für eine Show immer zwei Interpreten zu verpflichten und alle Künstler bei einem Finale auftreten zu lassen, ist erfolgreich. Fürs Elvis Festival 2018 sind sieben Konzerte geplant, es kommen Finalisten und Gewinner des European Elvis Championships aus Birmingham sowie Interpreten aus dem benachbarten Ausland. Dieses Jahr werden zwei Bands Konzerte geben. Marc Charro, ein Elvis-Interpret, ist zum zehnten Mal zu Gast.

Viele Vorstellungen sind schnell ausverkauft. Haben Sie schon einmal über größere Räumlichkeiten nachgedacht?

Rhein: Ja, es gab in den letzten Jahren die eine oder andere Möglichkeit, die jedoch bald wieder verworfen wurde. Das Publikum liebt die Nähe zum Künstler und die persönliche und familiäre Atmosphäre unseres Theaters.

Worauf darf sich das Publikum im Jubiläumsjahr freuen?

Rhein: Natürlich auf das Elvis Festival sowie auf die Künstlerinnen und Künstler der ersten Stunden des Theaters und auf Neuverpflichtungen, und zwar aus den Genres Bauchredner, Musikcomedy, Kabarett und Comedy sowie auf die Fortsetzung der beliebten Reihe "Uffgebasst, die Hesse komme".

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Haus am Park: Die Historie

Das Haus am Park in der Ludwigstraße 21 wurde 1888 von einem Privatmann erbaut. Später entstand eine Pension für Kurgäste und zeitweise ein Cafébetrieb. Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Zimmerzahl erhöht, 1920 folgte der Anbau mit einem repräsentativen Speisesaal. Dort spielte täglich eine Tanzkapelle, Künstler sorgten mit einem Kabarettprogramm für Unterhaltung. Um 1930 kaufte ein Facharzt das Gebäude samt Anbau und richtete im ersten Stock seine Praxis ein. Aus der glamourösen Kulisse des Speisesaals sollte 1935 eine Autogarage werden. Die Pläne kamen jedoch nie zur Ausführung. Ein sogenanntes Fremdenheim im Erdgeschoss des Vorderhauses warb zur selben Zeit erstmals unter dem Namen "Haus am Park" um die Gunst der Kurgäste. Nach einem Inhaberwechsel firmierte das "Haus Friese" an gleicher Stelle. Mithilfe des Hessischen Staatsbades gelang es, diese einzige Diätpension auch über die Jahre des Zweiten Weltkriegs geöffnet zu halten. Erst im Verlauf des Jahres 1944 besetzte die Deutsche Wehrmacht das Gebäude und nutzte es – neben zwei anderen Hotels in der gleichen Straße – als Luftwaffenlazarett. Verwundete Offiziere der Einheit 5/XII aus Paris wurden dort untergebracht. 1945 erfolgte die Beschlagnahmung durch die Amerikaner. Das Haus diente als Wohnquartier, der Speisesaal wurde als Offiziersmesse genutzt. Nach der Freigabe 1951 konnte der frühere Facharzt seine Praxis wiedereröffnen. Der ehemalige Speisesaal wurde 1962 von einer Firma für Polstermöbel und Matratzen angemietet, ehe 1970 die Tanzschule Wiedemann einzog und dort etwa 30 Jahre ansässig blieb. Seit 2007 befindet sich das Ballettstudio Schaubach im Anbau. 2008 folgte das Theater am Park, beide nutzen die Räumlichkeiten seitdem abwechselnd. (cor)

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