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Im vergangenen Jahr ist Julia Schnabel als Elfjährige die bisher jüngste Preisträgerin beim Ovag-Jugend-Literaturpreis gewesen. Nun hat sie erneut Erfolg gehabt.

Schweres Thema, kreative Autorin

  • VonRedaktion
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Bad Nauheim (pm). Der Blick auf drei Spiegelstreifen, die an der Wand des Kinderzimmers hängen. Viele Menschen werden diesem Anblick wohl kaum Beachtung schenken, besonders, wenn er zu ihrem Alltag gehört. Für die Kreativen jedoch kann er der Zündfunke für eine neue Geschichte sein, die es wert ist, sie auf Papier zu bringen. So eine Kreative ist Julia Schnabel aus Bad Nauheim.

In diesem Jahr ist sie zum zweiten Mal unter den Gewinnern des Jugend-Literaturpreises der Ovag. Und das mit zwölf Jahren.

In diesem Jahr hat sie erst gezögert

Moment, das bedeutet… richtig: Im vergangenen Jahr war Julia bei der Preisverleihung gerade mal elf Jahre - die jüngste Preisträgerin in der 18-jährigen Geschichte des Ovag-Wettbewerbs. Obwohl das Reglement als Mindestalter 14 Jahre vorsieht. Dazu der Sprecher der Jury, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, der im vergangenen Jahr die junge Autorin betreut hat: »Die Qualität der Texte für dieses Alter und ihr Talent haben die Jury dazu bewogen, eine Ausnahme zu machen. Das war absolut verdient.«

Das hat glücklicherweise wohl auch ihre damalige Klassenlehrerin in der St.-Lioba-Schule, Silke Nickel, bemerkt. Die Bewältigung der gestellten Aufgabe, ein Märchen zu erfinden, erledigte Julia so gut, dass die Lehrerin sie ermunterte, ihre Arbeit beim Jugend-Literaturpreis einzureichen. Mit Erfolg. Der »Magische Wald« schaffte es auf Anhieb unter die besten 24.

In diesem Jahr zögerte Julia lange mit dem Verfassen eines Textes. Davon abgesehen ist sie eine, der es wohl nicht langweilig wird. Sie spielt Feldhockey beim VfL Bad Nauheim, spielt Cello in der Musikschule, malt und bastelt gerne, liest Abenteuer- und Fantasy-Geschichten, aber auch schon mal Romane, in denen Probleme des Alltags behandelt werden. »Als ich gelesen habe, dass der Einsendeschluss verlängert wird, habe ich kurzentschlossen doch noch mitgemacht.«

Ein Blick auf besagte drei Spiegelscherben genügte und schon stand die Idee für ihre Geschichte »Ganz sein«. Es geht nämlich um Drillinge, es geht um Verlust und die Verarbeitung von Trauer. Denn die Erzählerin Leo verliert nicht nur ihre Mutter, sondern im Laufe der Zeit auch ihre beiden Drillingsschwestern. Ganz schön harter Stoff im Vergleich zu der Märchenwelt, in der Julia ihre Leser vor einem Jahr mit poetisch-leichter Schreibe entführte. »Ich wollte einfach vermitteln, dass man trotz dieser Verluste im Leben wieder glücklich werden kann, wenn man Menschen findet, die einen aufbauen.« Recht unorthodox ihr Vorgehen beim Entstehen der Geschichte: »Ich habe sie mit einem Spracherkennungsprogramm eingesprochen und dann auf dem Computer bearbeitet.«

Keine Angst vor der Kritik

Julia hat schon früh damit begonnen, Geschichten zu schreiben. Eine Zeit lang gemeinsam mit einer Freundin, dann wieder für sich. »Es macht mir einen Riesenspaß. Wenn ich einmal eine Idee habe, lässt sie mich einfach nicht mehr los, und irgendwann muss ich losschreiben.«

Im November steht der viertägige Workshop mit allen Preisträgern an. »Ich lass mich überraschen«, sagt Julia. Vor der Kritik, die nun einmal mit solch einem Forum verbunden ist, ist ihr überhaupt nicht bange. »Das gehört doch dazu. Denn es soll ja den Text noch besser machen.«

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