Blutbad

Schwangere in Bad Nauheim erstochen: Täter muss in Psychiatrie

Am 7. April hat der Angeklagte - hier mit Verteidiger und Dolmetscherin - seine schwangere Ehefrau erstochen. Er kommt nicht ins Gefängnis, sondern in die Psychiatrie. (Archivfoto: agl)

Das Urteil ist gefallen: Der junge Mann, der im April in Bad Nauheim seine schwangere Ehefrau brutal getötet hat, muss in die Psychiatrie. Einblicke in eine düstere Gedankenwelt.

Normalerweise würde nach einer solchen Tat eine zweistellige Freiheitsstrafe verhängt, sagte Richterin Regina Enders-Kunze dem Angeklagten, nachdem sie am Freitag ihr Urteil am Landgericht Gießen gesprochen hatte. Die Tat sei ganz furchtbar gewesen. "Dass Sie dafür nicht zur Verantwortung gezogen werden, liegt an Ihrer Erkrankung."

Wie die WZ berichtete, hatte der damals 24-jährige aus Bulgarien stammende Mann am 7. April dieses Jahres seine schwangere Ehefrau in einer Hochhauswohnung in der Frankfurter Straße in Bad Nauheim mit mehr als 20 Messerstichen getötet. Drei davon hatten den Körper der 25-Jährigen komplett durchdrungen. Diese überbordende Gewalt führte dazu, dass die Frau verblutete und ihr ungeborenes Kind an Sauerstoffmangel starb. An dieser Tat habe sich gezeigt, welche Gefahr vom Angeklagten ausgehen könne, sagte die Richterin.

Schizophrenie diagnostiziert

"Ich denke, man kann nicht damit leben, dass man eine solche Gefahr in sich trägt." Deshalb sei die Unterbringung in der Psychiatrie notwendig. Es gehe um eine medizinische Behandlung über einen längeren Zeitraum, darum, einsichtig zu sein, wenn er Medikamente einnehmen soll. Dadurch könne die Gefahr minimiert werden, sodass der Bad Nauheimer irgendwann wieder ein Leben in Freiheit führen könne. Ansonsten wäre er laut Enders-Kunze eine "tickende Zeitbombe". Die Richterin gab dem jungen Mann noch mit auf den Weg, sich von Drogen fernzuhalten.

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Das Thema Drogen kam am Freitag auch in der Stellungnahme des psychiatrischen Gutachters Dr. Rolf Speier zur Sprache. Der Angeklagte führe seine Psychose während der Tat im April auf seinen Cannabiskonsum zurück. Dieser liege zwar tatsächlich mindestens an der Schwelle zur Sucht, doch handele es sich beim Krankheitsbild nicht um eine rein drogenindizierte Psychose, sondern um eine paranoid-halluzinatorische Schizophrenie. Wie der Gutachter sagte, habe sich der Angeklagte zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich geäußert - zu seinem Drogenkonsum, zu seiner Motivlage und zu den Symptomen seiner Psychose.

Versteckte Zeichen gesehen

Speier sprach auch von einem "abnormen Bedeutungsbewusstsein". So habe der Angeklagte versteckte Zeichen gesehen - eine Pyramide, die ihm signalisiert habe, er sei Jesus. Oder die Autobahn 3, die auf Gottes Sohn hinweise. "Ich war besorgt über seinen Zustand", erinnerte sich Speier daran, wie er dem jungen Mann am Tag nach dessen Tat begegnet war. Die Sorge des Psychiaters damals: Wenn dem Täter klar werde, was er gemacht habe, "dann muss man gut auf ihn aufpassen". Es habe Suizidgefahr bestanden. "Er hat alles zerstört, was ihm wichtig war."

Jetzt, etwa ein halbes Jahr nach dem Blutbad in Bad Nauheim, kommen die Dinge nach Ansicht des Psychiaters noch immer nicht richtig an den Täter heran. Das sei auffällig. Statt in Tränen auszubrechen, zeige er sich auffällig ruhig.

Ein Moment reicht zur Eskalation

An jenem 7. April war von Ruhe keine Rede. Nach Angaben Speiers hat sich der Angeklagte "wie ein Samurai" umbringen wollen, deshalb das Messer. Das spätere Opfer habe ihn davon abgehalten, sei selbst auf den Balkon gegangen, habe damit gedroht, zu springen. Der damals 24-Jährige habe sie in die Wohnung gezogen, sie dabei aus Versehen mit dem Messer an der Brust verletzt. Für einen Moment habe der Mann gedacht, seine Frau verrate ihn an den Teufel.

Dieser Moment reichte aus, dass sich die erst gegen ihn selbst gerichtete Aggressivität nun gegen seine Frau richtete. Sie flüchtete ins Bad, er trat die Tür ein, die unfassbare Brutalität nahm ihren Lauf.

In der Psychiatrie habe der Angeklagte auch gesagt, er habe gedacht, seine Frau wolle ein Messer holen, sagte Speier. Messer wurden letztendlich vom Ehemann benutzt. Mit überbordender Gewalt löschte er zwei Leben aus. Nun geht es darum, sein eigenes Leben womöglich irgendwann in den Griff zu bekommen.

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