Getrud Kirk hat schon viele Länder bereist. Sie liebt vor allem das Meer. In Mexiko wäre ihr das allerdings beinahe zum Verhängnis geworden.
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Getrud Kirk hat schon viele Länder bereist. Sie liebt vor allem das Meer. In Mexiko wäre ihr das allerdings beinahe zum Verhängnis geworden.

Schutzengel

Schutzengel: Getrud Kirk wurde in Mexiko von den Wellen überrascht

  • Anna-Luisa Hortien
    vonAnna-Luisa Hortien
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Sie wollte »nur mal kurz« zum Strand. Dort riss sie eine riesige Welle mit. Das hat Gertrud Kirk vor 25 Jahren während einer Rundreise in Mexiko erlebt. Noch heute denkt die Nieder-Mörlerin an ihre Schutzengel.

Gertrud Kirk ist in ihrem Leben schon oft verreist. Die 98-Jährige hat vieles gesehen und erlebt. Doch ein Aufenthalt bleibt der Nieder-Mörlerin besonders in Erinnerung: Die Reise nach Mexiko, bei der sie fast ertrunken wäre.

25 Jahre ist das inzwischen her. Doch Gertrud Kirk erinnert sich noch gut daran. Gemeinsam mit einer Freundin hatte sie die 15-tägige Rundreise durch Mexiko gebucht. Beide waren begeistert. »Die Pyramiden und die Natur waren beeindruckend«, sagt Gertrud Kirk. Die letzten Tage verbrachte die Reisegruppe in Cancún, einer Stadt im südöstlichsten Teil Mexikos. Von dort sollte es mit dem Flieger zurück nach Hause gehen.

»Am letzten Nachmittag wollte ich noch mal zum Strand«, erzählt Gertrude Kirk. »Die anderen sind im Hotel oder am Pool geblieben.« Die Nieder-Mörlerin ist und war eine begeisterte Schwimmerin. »Ich mochte das Meer schon immer«, sagt sie. »Ich wusste aber auch, dass ich vorsichtig sein musste, ich war ja ganz alleine.« Bis zu den Knien sei sie ins Wasser gegangen. »Das war sowieso viel zu warm zum Schwimmen.«

Schutzengel: Getrud Kirk wurde von mehreren Wellen überrollt

Nach ein paar Minuten wollte sie zurück zum Strand. Doch den erreichte sie nicht mehr. »Plötzlich kam wie aus dem Nichts eine riesige, haushohe Welle auf mich zu.« Es war eine sogenannte Monsterwelle. Gertrud Kirk duckte sich aus Reflex, aber sie wusste, dass sie der Welle nicht ausweichen konnte. Sie sah sich um und entdeckte rechts von sich eine dicke Kette, die im Sand verankert war. »Ich habe danach gegriffen und konnte mich im letzten Moment noch festhalten«, erzählt Gertrud Kirk. Dann traf sie die Welle. »Ich habe gespürt, wie sie mich rausgezogen hat. Es entstand ein sehr starker Sog und ich musste mich mit aller Kraft festhalten.«

Gertrud Kirk

Als die Welle abebbte, schaffte Gertrud Kirk es, aufzutauchen. »Aber kaum hatte ich Luft geholt, riss mich die nächste mit.« Insgesamt drei oder vier riesige Wellen überrollten sie. Dann war alles vorbei. »Mit letzter Kraft habe ich mich zurück zum Strand geschleppt.«

Schutzengel für Getrud Kirk: Schock und Erinnerungslücken

»Ich wusste nicht, wo ich war und was in den vergangenen Tagen passiert war«, sagt Gertrud Kirk. Sie sei über eine Stunde herumgeirrt, nur mit Bikini und einem Handtuch bekleidet. »Ich konnte mich nur noch an meinen Namen erinnern und daran, dass ich mit einer deutschen Gruppe unterwegs war, die am nächsten Tag nach Hause fliegen sollte.«

Schließlich habe sie den Weg zurück zum Hotel gefunden. In der Lobby habe man sie zunächst komisch angeschaut, dann habe ihr aber jemand Hilfe angeboten und den Ersatzschlüssel für ihr Zimmer besorgt. »Ich hatte eine psychogene Amnesie«, weiß Gertrud Kirk heute. »Eine Gedächtnisstörung, ausgelöst durch das schlimme Erlebnis.«

Im Zimmer habe ihre Freundin schon auf sie gewartet. »Sie saß auf dem Bett und hat mich gefragt, wo ich denn so lange geblieben wäre«, erzählt Gertrud Kirk. »Daraufhin habe ich erstmal angefangen zu weinen.« Der Schock saß tief. »Hätte ich nur einen Meter weiter links gestanden, hätte ich mich nicht mehr festhalten können.« Wäre sie von der Welle mitgerissen worden, hätte sie wahrscheinlich nie jemand gefunden. »Es wusste ja keiner, wo ich genau war.« Ihre Freundin habe sie getröstet. »Sie hat mir etwas Süßes gegeben und mir erklärt, dass wir auf einer Reise in Mexiko waren. Aber es hat einige Zeit gedauert, bis meine Erinnerung zurückkam.«

Den langen Flug am nächsten Tag habe sie zum Glück gut überstanden. Und auch im Meer sei sie wieder geschwommen. »Im darauffolgenden Jahr ging es nach Fuerteventura. Ich war erst noch vorsichtig, konnte das Baden im Meer dann aber doch wieder genießen.«

Gertrud Kirk ist sich sicher: »Gott hat in diesem Moment in Mexiko nach mir geschaut.« Dafür sei sie sehr dankbar. Schließlich seien schon Menschen von solchen Wellen getötet worden. »Ein Schutzengel hat da bestimmt nicht ausgereicht. Ich hatte mindestens drei.«

Aufruf: Schutzengel gesucht

Sind auch Sie von einem Schutzengel begleitet worden? Waren Sie in einer brenzligen Situation, oder hatten Sie einen Retter in der Not? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion@wetterauer-zeitung.de oder rufen Sie an unter der Telefonnummer 0 60 32/94 25 31. Gerne würden wir auch Ihre Geschichte erzählen.

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