Birgit Bingel, Leiterin der Gesamtschule Konradsdorf, findet es wichtig, dass die Schüler wieder soziale Kontakte haben. FOTO: PETRA IHM-FAHLE
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Birgit Bingel, Leiterin der Gesamtschule Konradsdorf, findet es wichtig, dass die Schüler wieder soziale Kontakte haben. FOTO: PETRA IHM-FAHLE

Vorbereitungen abgeschlossen

Schulbeginn am Montag: Mathematik mit Maske

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Ab Montag gehen alle hessischen Schüler wieder zum Unterricht. Wie bereiten sich Schulen in Bad Nauheim, Friedberg und anderen Orten in der Wetterau auf den Neustart vor?

Bernhard Marohn wirkt entspannt und guter Dinge. Angst vor dem Schulstart unter Corona-Bedingungen hat der Leiter der Bad Nauheimer Sankt-Lioba-Schule nicht. "Dass die Schüler alle wieder in den Unterricht kommen, halte ich für einen richtigen Schritt. Ansonsten wären die gesellschaftlichen Verluste zu groß", sagt Marohn. Wie die "Lioba" die Hygiene-Regeln handhabt, steht schon deutlich vor dem Ende der Sommerferien fest, weshalb es kein Problem ist, mit Marohn ein Treffen zu vereinbaren. Das ist anders als bei der einen oder anderen Schule in Friedberg und Bad Nauheim, wo die Verantwortlichen mitunter schwer erreichbar sind.

"Einen normalen Schulbeginn gibt es nicht. Wir tun so, als wäre alles Mögliche normal, aber es ist keine normale Situation", betont Marohn. Die "Lioba" werde wieder mit erhöhten Hygieneanforderungen auf die Kinder und Jugendlichen zukommen, zudem bestehe Maskenpflicht. "Nur beim Sportunterricht muss der Mund-Nase-Schutz nicht getragen werden."

Die Masken müssen die Schüler in der "Lioba" voraussichtlich auch im Klassenraum anhaben, wenn sie auf ihren Plätzen sitzen, abweichend von der Empfehlung des Kultusministeriums von Donnerstag. "Schulleitung und Kollegium sind sich da einig, man befindet sich ja auf engstem Raum." Nach den Herbstferien lasse sich eventuell über eine Lockerung nachdenken, je nach Lage.

In den Klassenzimmern sitzen die Schüler künftig ohne Mindestabstand, die Räume gäben es nicht anders her. "Schulter an Schulter", sagt Marohn. Anders verfahren man bei Konferenzen, was angebracht sei, da die Lehrer mit zahlreichen Kindern und Jugendlichen in Kontakt kämen: "Ein Kunstlehrer beispielsweise hat locker 300 Schüler pro Woche."

In den Klassen will die "Lioba" auf gutes Lüften achten, in den Fluren bleibt es beim Einbahnstraßensystem, zum WC dürfen die Schüler nur während des Unterrichts. "Damit stellen wir sicher, dass höchstens einer pro Klasse hingeht."

In den Pausen gehen die Lerngruppen in feste Bereiche, entweder auf Pausenhof, Schulpark oder Sportplatz, wo sie aber nicht im Klassenverband stehen müssen. "Sie sollen sich ja bewegen. Anders wäre es pädagogisch nicht sinnvoll."

Lehrer, die ein Attest vorlegen, was an der "Lioba" allerdings die Ausnahme sei, übernehmen andere Aufgaben, beispielsweise Klassenarbeiten korrigieren. Betroffene Schüler - bis Mittwoch hatte sich keiner gemeldet - bekämen die Materialien über die schulinterne Lern-Plattform. Einmal pro Woche können sie mit dem Lehrer telefonieren. Schwimmunterricht findet in der Lioba statt, die Schule orientiert sich dabei an den Hygieneplänen des Usa-Bads. Musikunterricht steht ebenfalls im Stundenplan, mit der Einschränkung, nicht singen zu dürfen. "Zur Einschulungsfeier der Fünftklässler dürfen die Eltern bzw. zwei Personen pro Kind teilnehmen."

Klare regel: 30 Sekunden lang Händewaschen

Die Schulleitung der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) in Friedberg war für ein Gespräch nicht erreichbar, schickte aber einen Flyer mit den Hygieneregeln, die ab Montag gelten. Darin heißt es unter anderem: Auf dem Schulgelände und in den Gebäuden müsse ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, während des Unterrichts dürfe er abgesetzt werden. Eltern dürfen laut ARS-Flyer nicht aufs Schulgelände, außer zu Elternabenden, vereinbarten Beratungsgesprächen und in Notfällen. Nur Mütter und Väter von Erstklässlern dürften ihre Kinder bis zu den Herbstferien zum Schulgebäude begleiten, Grundschul-Eltern ihren Nachwuchs von der Nachmittagsbetreuung abholen.

Wie aus dem Papier neben verschiedenen anderen Regeln hervorgeht, müssen die Kinder ihre Hände vor dem Unterricht und nach Rückkehr in den Klassenraum 30 Sekunden lang mit Seife waschen.

So wie Lioba-Leiter Marohn begrüßen auch andere Gesprächspartner die Aufnahme des regulären Schulbetriebs, etwa Direktorin Birgit Bingel von der Gesamtschule Konradsdorf in Ortenberg: "Ich finde es wichtig, dass für die Schüler wieder eine gewisse Normalität eintritt und sie soziale Kontakte haben. Das ist gut für das Lernen." Und Alexa Heinze, Leiterin des Gymnasiums Nidda, sagt: "Sicherlich wird die Situation nicht leicht, aber ich bin zuversichtlich, dass der Start gelingt."

Maskenpflicht in der Schule

Zwei Tage vor Ende der Sommerferien hat das Land am Donnerstag den aktualisierten Hygieneplan für Schulen veröffentlicht. Wichtigster Punkt, der sich im Vergleich zum Hygieneplan vom 24. Juli geändert hat, ist eine Verschärfung der Maskenpflicht. Eine Maske muss getragen werden, sobald sich die Schüler auf dem Gelände und im Schulgebäude befinden, nicht aber im Klassenraum. Schulen können freiwillig entscheiden, Masken auch im Klassenraum anzuordnen. Ein Mindestabstand muss Klassen-intern nicht mehr eingehalten werden.

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