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Der digitale Unterricht ist in Zeiten der Pandemie aus den Schulen nicht mehr wegzudenken. Die Bad Nauheimer Sankt-Lioba-Schule hat schon vor Jahren aufgerüstet.

Digital und analog

Schulbank drücken in der Pandemie: So läuft der Unterricht an der Lioba-Schule in Bad Nauheim

  • vonHanna von Prosch
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Für die Schulleitungen und Lehrer bedeutete die Öffnung der Schulen im Wechselunterricht ausgeklügelte Konzepte. Hans-Winfried Auel von der Bad Nauheimer Sankt-Lioba-Schule berichtet.

Simon findet es super, wenigstens wieder die halbe Klasse zu sehen. »Normaler Unterricht ist zwar besser, aber die Lehrer machen das ganz toll. Sie bauen Pausen ein, wenn wir zu Hause vor dem Bildschirm sitzen. Dann rennen wir zum Beispiel raus und klingeln an der Haustür, damit wir zwischendurch Bewegung haben«, sagt der Elfjährige. Klug gedacht und ideenreich umgesetzt - so können Wechsel- und Distanzunterricht funktionieren: Die fünften und sechsten Klassen der Bad Nauheimer Sankt-Lioba-Schule werden geteilt und sind in einer Woche Montag, Mittwoch und Freitag und in der zweiten Dienstag und Donnerstag in der Schule. Die jeweils andere Gruppe verfolgt den Unterricht online von zu Hause aus und korrespondiert per Chat mit der Lehrerin oder dem Lehrer. Dazu gibt es pfiffige Anleitungen.

Komplizierte Konstellationen

Die Zwölftklässler sind komplett in der Schule. Während die eine Gruppe einen Arbeitsauftrag bekommt, findet im Raum nebenan das Unterrichtsgespräch statt. Dann wird getauscht. »Manchmal müssen wir Lehrer auch schnell hin und her springen, wenn es auf Detailergebnisse ankommt«, erklärt Studienleiter Hans-Winfried Auel. Die Streaming-Variante erfordert zusätzlichen organisatorischen Aufwand. Die Eltern müssen das Einverständnis geben, dass aus dem Unterricht gefilmt und dieser übertragen werden darf, selbst wenn es über eine geschützte Schulplattform geschieht. Es geht um Persönlichkeitsrecht und die interne Klassenatmosphäre. Egal wie es läuft, es ist allen bewusst, dass sie sich in einer Experimentierphase befinden.

Kompliziert wird es für die Lehrer, wenn der Stundenplan Unterricht in verschiedenen Klassenstufen vorsieht. Auel gibt ein Beispiel: »In den ersten beiden Stunden habe ich eine sechste Klasse - heißt Unterrichtsgespräch und Streaming mit Kontrolle der im Chat eingebrachten Antworten. Dann muss ich mir für die neunte Klasse im Gebäude einen internetfähigen Rechner suchen und die Zoom-Konferenz einrichten, denn die Klassen sieben bis elf sind ja immer noch im Homeschooling. Danach geht es in die zwölfte Klasse, geteilt aber live.« Auch die Elternabende musste Auel statt zweifach jetzt sechsfach und digital planen.

CO2 Ampeln zeigen an, wann gelüftet werden muss.

So positiv das Kollegium der digitalen Entwicklung und den neuen Lernformen gegenübersteht, so deutlich sind ihm auch die Nachteile bewusst. Diskussionen kämen stockender auf, es sei schwierig, spontan Impulse zu geben und aufzunehmen. Nichts gehe über den Blickkontakt zu den Schülerinnen und Schülern. Insbesondere die jungen Lehrkräfte und die im Referendariat könnten, anders als im Regelunterricht, kaum Erfahrungen in der direkten Kommunikation mit den Kindern sammeln. Die Lehrproben würden daher zur digitalen Herausforderung.

Simons Mutter Andrea Schäffler hätte sich eine Form der Wissensvermittlung auf hohem Niveau noch im Sommer 2020 nicht vorstellen können: »Ich bin erstaunt, wie viel digitale Kompetenz die Kinder schon in der fünften und sechsten Klasse erworben haben. Es gab klare Regeln für die Zoom-Konferenzen. Dabei haben sie ein erstaunliches Gespür für die Risiken entwickelt.« Und sie lobt das vorausschauende Engagement der Lehrer. Sorge um Ansteckungen im Schulgebäude hat sie nicht. Schließlich gibt es ein strenges und gut kommuniziertes Hygienekonzept. Alle tragen medizinische Masken, die Kleinen können sie in den Pausen auf dem Schulhof abnehmen. In den Räumen zeigen CO2 Ampeln an, wann gelüftet werden muss.

Von der Disziplin und der Lernlust der Schülerinnen und Schüler ist Studienleiter Auel begeistert. Ist er ihnen gegenüber großzügiger geworden? »Ich glaube ja, aber mir gegenüber nicht. Ich setze mich mehr unter Druck«, gesteht er. Schulleiter Bernhard Marohn begleitet das Kollegium mit großer Fürsorge. Auel: »Man darf nicht vergessen, wir verdienen jeden Monat unser Gehalt, und das ist ein Privileg.«

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