Typische Szene einer Busfahrt: Dicht gedrängt stehen Schüler in dem Fahrzeug, viele tragen keine Maske. FOTO: SVEN JUNKER
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Typische Szene einer Busfahrt: Dicht gedrängt stehen Schüler in dem Fahrzeug, viele tragen keine Maske. FOTO: SVEN JUNKER

Corona

Schülertransport: SPD kritsiert "dramatische Zustände" in Bad Nauheim

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Eine Schule ist geschlossen, viele Klassen sind in Quarantäne. Die Ursache für Corona-Infektionen liegt möglicherweise in den Bussen. Das Bad Nauheimer Parlament hält das Thema nicht für dringlich.

Die Zustände sind "dramatisch", es muss schnell etwas zum Gesundheitsschutz von Kindern und Jugendlichen geschehen. Dieser Ansicht ist die Bad Nauheimer SPD, die deshalb für die Stadtverordnetensitzung am Donnerstagabend einen Dringlichkeitsantrag zum Thema "Schülertransport" eingebracht hatte. Das Papier schaffte es allerdings nicht auf die Tagesordnung, weil die FW/UWG und Teile der CDU ihre Zustimmung verweigerten. 30 Stimmen (eine Zweidrittelmehrheit aller Mandatsträger) wären notwendig gewesen, nur 28 der 45 Stadtverordneten sahen aber die Dringlichkeit.

Hunderte Schüler ohne Masken

SPD-Sprecher Sinan Sert beschrieb die seiner Ansicht nach unhaltbare Situation am Bad Nauheimer Schulzentrum. "An der Haltestelle Solgraben kommt es zu einer massiven Häufung nach der sechsten Stunde. Dort drängen sich teils mehrere Hundert Schüler ohne Maske. Ganz abgesehen davon, wie es in den Bussen aussieht", sagte der Sozialdemokrat. Deshalb müsse sich der Magistrat für den Einsatz zusätzlicher Busse starkmachen. Der Schülertransport sei zwar Sache des Kreises und der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO), aber auch die Stadt Bad Nauheim und ihre Stadtwerke, die für den Stadtbusverkehr zuständig seien, könnten einen Beitrag leisten.

FW/UWG-Fraktionschef Markus Theis sah keine Dringlichkeit, weil die Stadt nicht zuständig sei. Außerdem: "Da nicht mehr Busse vorhanden sind, können auch keine zusätzlichen eingesetzt werden." Genügend Fahrer seien ebenfalls nicht vorhanden, Gleiches gelte für die erforderlichen finanziellen Mittel. Nach Ansicht von Theis müssen Eltern auf ihre Kinder einwirken, damit sie an Haltestellen und in Bussen Masken tragen.

Unterstützung erhielt die SPD von FDP-Sprecher Peter Heidt. Kinder und Jugendliche steckten sich nicht in den Schulen, sondern in den Bussen mit Covid-19 an. "Wir laufen sehendes Auges in eine Katastrophe", betonte Heidt.

Keine Busse, keine Fahrer

Bürgermeister Klaus Kreß schloss sich dagegen der Auffassung der Freien Wähler an und zitierte aus einer Stellungnahme von Landrat Jan Weckler. Danach gelten die Abstandsregeln an Haltestellen, beim Ein- und Aussteigen sowie in den Bussen nicht. Alle Fahrgäste seien aber verpflichtet, Mund- und Nasenschutz zu tragen. Laut Kreß gibt es in der Wetterau keinen eigenen Schülertransport, vielmehr nutzen Kinder und Jugendliche den VGO-Linienverkehr.

"Die drei- bis vierfache Menge an Fahrzeugen wäre notwendig, um die Abstandsregeln in den Bussen einhalten zu können", sagte der Bürgermeister. Einzige Möglichkeit wären Reisebusse, dafür benötige der Kreis aber eine Erlaubnis des Landes. Die Stadt leiste einen Beitrag, indem die Ordnungsbehörde mit der Polizei kooperiere und im Wechsel die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliere. Kreß: "Mehr geht nicht."

SPD-Mann Sert zeigte sich am Freitag enttäuscht von der Haltung der FW/UWG und Teilen der CDU. "Das zeigt, welchen Stellenwert die Gesundheit der Schüler für sie hat." Bei der Argumentation von Theis und Kreß handele es sich um "vorgeschobene Gründe", um sich der Verantwortung zu entziehen. "Während bei vergleichbaren Situationen und Menschenansammlungen stets auf Abstandsregeln, das Tragen von Masken und Hygienevorschriften geachtet werden soll, wird das beim Schülertransport komplett ausgeblendet und die Ansteckungsgefahr billigend in Kauf genommen", kritisierte Sert. Er nannte die Gastronomie und das Usa-Wellenbad, wo die Einhaltung aller Corona-Vorschriften penibel kontrolliert werde.

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