Unerwartetes Kennenlernen: Die Rotary-Austauschschüler Friederike Tölg und Miguel Arias haben sich dank Corona in der Wetterau getroffen.
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Unerwartetes Kennenlernen: Die Rotary-Austauschschüler Friederike Tölg und Miguel Arias haben sich dank Corona in der Wetterau getroffen.

Schüleraustausch

Schüleraustausch Wetterau: Überraschungstreffen dank Corona

  • vonHarald Schuchardt
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Auch das Schüleraustausch-Programm des Rotary Clubs ist von Corona betroffen. An einen Abbruch denkt die Organisation bislang allerdings nicht.

Mehr als ungewöhnlich ist das Foto der beiden Schüler Friederike Tölg, 17, aus Bad Nauheim und Miguel Arias, 18, aus Pereira nahe Bogota in Kolumbien. Die beiden Jugendlichen sind Teilnehmer des Schüleraustausch-Programms von Rotary International und sollten eigentlich in dieser Jahreszeit nicht am selben Ort sein.

Während Miguel sein Austauschjahr als Gast des Rotary Clubs Bad Nauheim-Friedberg in Deutschland verbringt und trotz Corona hiergeblieben ist, war Friederike bis vor Kurzem im mexikanischen León. Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie ist sie allerdings gut drei Monate vor dem ursprünglich geplanten Ende ihres Aufenthalts vorzeitig aus Mexiko zurückgekehrt.

Schüleraustausch Wetterau: Wer will, wird zurückgeholt

Rotary International beobachtet sehr genau die Entwicklung der Pandemie in den verschiedenen Ländern, in denen sich Austauschschüler aufhalten, hat aber bisher keinen grundsätzlichen Abbruch des Programms verkündet. Gleichzeitig werden Schüler, die ihren Aufenthalt vorzeitig beenden möchten, selbstverständlich dabei unterstützt. »Von den diesjährigen Teilnehmern hat sich die große Mehrheit der deutschen Jugendlichen für eine vorzeitige Rückkehr entschieden - im Gegensatz zu den ausländischen Teilnehmern bei uns in der Region, wo nur ganz vereinzelt abgebrochen wurde«, sagt Joachim Heppe, der im Rotary Club Bad Nauheim-Friedberg für den Schüleraustausch zuständig ist.

Deutschlandweit nehmen in jedem Jahr etwa 650 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren an dem Jahresaustausch in 30 verschiedenen Ländern teil. Schon seit Mitte der 1960er Jahre unterstützt der heimische Rotary-Club dieses Austauschprogramm als Beitrag zu Kulturaustausch und Völkerverständigung.

Für jeden Schüler, der ins Ausland gesendet wird, nimmt der Club im Gegenzug einen ausländischen Gastschüler auf. Die Teilnehmer gehen im Gastland zur Schule und leben jeweils drei bis vier Monate bei einer Familie. Somit lernen sie während des Aufenthalts drei verschiedene Familien im Gebiet des jeweiligen Rotary Clubs kennen.

Schüleraustausch Wetterau: Teilnahme an Online-Unterricht

Für Friederike und Miguel hatten die aktuellen Vorschriften zur Eindämmung der Pandemie ähnliche Auswirkungen: Beide konnten nicht mehr die Schule besuchen und nehmen nun zu Hause online am Unterricht teil. So kann sich Friederike trotz ihrer Rückkehr weiterhin am Programm der mexikanischen Schule beteiligen.

Eine für Mai geplante Rundreise für alle ausländischen Gastschüler auf den Spuren der Maya in Mexiko musste abgesagt werden. Auch für die ausländischen Gastschüler in der hiesigen Region war eine dreiwöchige Reise durch neun europäische Länder als Höhepunkt des Auslandsjahrs organisiert.

Da diese Reise in den Osterferien geplant war, erfolgte aufgrund der Corona-Pandemie ebenfalls eine Absage. Über die große Enttäuschung ist Miguel mittlerweile hinweggekommen. Er freut sich, dass er den Austausch fortsetzen und so weiterhin seine deutschen Sprachkenntnisse verbessern kann.

Die Unsicherheit hinsichtlich der Dauer der aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens wirkt sich auch auf die Planungen des Austauschprogramms für das kommende Schuljahr aus. Dieses beginnt laut Heppe normalerweise Anfang August, sodass momentan die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen müssten. Aufgrund der aktuellen Situation ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass in vielen Ländern ein pünktlicher Start nicht stattfinden wird.

Von dieser Unsicherheit ist auch die Schülerin Nathalie Kempf von der St.-Lioba-Schule in Bad Nauheim betroffen, die das kommende Schuljahr mit dem Rotary-Programm in Südkorea verbringen möchte. Heppe: »Wir hoffen, dass die aktuellen Einschränkungen den internationalen Schüleraustausch nur vorübergehend beeinträchtigen. Neben einer spannenden Erfahrung für die Jugendlichen soll das Austauschprogramm auch zukünftig der Völkerverständigung dienen.«

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