"Das ist der schönste Markt weit und breit"

Bad Nauheim-Nieder-Mörlen (hau). Cornelia Rettberg strahlt mit der Sonne um die Wette. Mitten im Gewusel hat die neue Schulleiterin der Frauenwaldschule alle Hände voll zu tun und ist begeistert. "Alle sind so gut eingespielt, dass dieser Markt einfach nur Freude macht", kommentiert sie ihre Premiere beim Kultklassiker.

Tatsächlich sind auch bei der 18. Marktauflage weit über 60 Stände aufgebaut und reich bestückt mit allem, was die Natur hergibt und der Mensch aus ihr macht.

"Das ist der schönste Markt weit und breit", lacht eine Besuchergruppe, die es sich im "Keltercafé" gemütlich gemacht hat. Schüler mit ihren Lehrern und Familien, aber auch viele ehemalige Schüler, Landwirte und Vereine haben den Schulhof in eine Schlaraffenland verwandelt und die Wiese hinter der Turnhalle in ein Spieleparadies. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und binnen vier Stunden hat ein Großteil dessen, was in wochenlanger Arbeit hergestellt wurde, die Besitzer gewechselt.

Stolz zeigen Thomas Berg und Tochter Jennifer ihren Riesenkürbis. Gut 36 Kilo bringt das Prachtstück auf die Waage. Daneben geben sich Zucchini und "Butternut"-Kürbisse ein buntes Stelldichein. "Ich habe erst seit zwei Jahren einen Garten", erzählt der Papa aus Steinfurth und dass alles so wunderbar gelingt, dass er zum ersten Mal beim Markt dabei sein kann.

Erstmalig bietet Hobbyschneiderin Andrea Hesse ihre kreativen Mäppchen und Schürzen an, derweil die Tochter mit ihrer 4a Schaumküsse vom Klassenausflug in den Vogelsberg zur kleinsten "Schokokussfabrik der Welt" anpreist.

Bei der 4b präsentieren David, Moritz und Selma selbst geflochtene Schlüsselanhänger, bei der 3b gibt es Topfbrot und vieles mehr, die 2a hat Insektenhotels im Angebot, Sarah, Jule und Marcel preisen ihren "Kuchen am Stiel" an, und am Marmeladenstand der Schule halten einmal mehr Naturschützerin Gertrud Walenda und ihr Team die Stellung. Seit früh morgens sind auch Hansjörg Weckler und Reinhard Marquardt im Einsatz. Ein Jahr ohne Markt können sich der ehemalige Frauenwald-Lehrer und der ehemalige Schulleiter nicht vorstellen. Sie sind ganz in ihrem Element: Der eine am Stand des Fördervereins, der andere in Mareike Kranls Bläserklasse 6, die mit ihren flotten Stücken gleich zweimal am Nachmittag riesige Menschentrauben um sich schart.

Auch Julian Ziese aus der 6c strahlt übers ganze Gesicht, während er am eigenen Stand mit seiner ganzen Familie und Freunden die selbst gezogenen Pflanzen und Samen unter die Leute bringt. Alexandra Gruca hat zum ersten Mal ihre leuchtenden Kerzenkreationen aus dem Taunus mitgebracht; zu den Neulingen gehört auch die ehemalige Frauenwaldschülerin Katrin Guthier mit ihren adventlich angehauchten Kleinodien. Derweil ist die Bad Nauheimerin Anna Qusikamp zum sechsten Mal mit den bezaubernden Töpferwesen aus ihrer "Geschöpferei" angereist. Derweil gehören die Ober-Mörlerin Alexandra Winkler-Scheibel und ihre kostbaren Kränze ebenso zu den "Stammkunden" wie die Familien Büchner und Liebert am Langenhainer Gemeinschaftsstand mit gestrickten und gedrechselten Marktrennern oder Familie König mit schmucken Topflappen in höchster Häkelkunst. "Über 300 Sonnenblumen habe ich gestern geschnitten und gebündelt", erzählt Margret Heil aus Ober-Mörlen, die mit ihrem Mann Werner einmal mehr einen ganzen Wagen voll beladen hatte. Am Ende ist nicht eine Bohne mehr übrig. Aus dem Marktgeschehen nicht wegzudenken ist Schulsekrtetärin Hilde Faust, die ihren Stand diesmal mit Marmeladen und Dinkelkissen ausstaffiert hat, derweil nebenan ein alter Handwerker die Kunst des Rechenmachens zeigt.

Gegenüber lädt eine Familie aus Eritrea zu handgebrühtem Kaffee und traditionellen Fladenbrot-Variationen ("Injera") aus ihrem Heimatland ein. Das internationale Flair an der Schule spiegeln auch Mustafa Kök und seine Familie wider, die mit türkischer Pizza und dampfenden Fleischspießen vertreten sind.

Während des ganzen Nachmittags legen sich die Schüler an der Kelter ins Zeug, der Most rinnt die Kehlen hinunter und wandert kanisterweise in die Wohnstuben. Im Schulgarten beäugen Hunderte Gäste, woher der Frauenwaldhonig stammt, an der Pfadfinder-Jurte wird nach Leibeskräften gebastelt, und im Spieleparadies auf der Wiese gehört das "Büchsenwerfen" auf lustige Lehrerkonterfeis zu den Rennern. Hochbetrieb herrscht bei der Verlosung unter allen Teilnehmern am Spieleparcours, und während so mancher bunte Luftballon in den blauen Abendhimmel aufsteigt, startet schon der Abbau. In die Wehmut, dass schon wieder alles vorbei ist, mischt sich die Vorfreude auf einen Erlös zugunsten der neuen Schulgarten-Hütte – und auf den Frauenwaldmarkt im nächsten Jahr.

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