Künstlerin Patrizia Zewe besitzt alte Familienfotos, für die sie eine sinnvolle Nutzung sucht. Das Stadtarchiv könnte der richtige Ort sein.	FOTO: PETRA IHM-FAHLE
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Künstlerin Patrizia Zewe besitzt alte Familienfotos, für die sie eine sinnvolle Nutzung sucht. Das Stadtarchiv könnte der richtige Ort sein. FOTO: PETRA IHM-FAHLE

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Was tun mit den schönen alten Familienfotos ?

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Was tun mit alten Familienfotos? Patrizia Zewe, die einen solchen Schatz hat, denkt über eine sinnvolle Nutzung nach. Sie hat im Bad Nauheimer Stadtarchiv nachgefragt.

Die Stufen knarren, als Patrizia Zewe in den ersten Stock der Hauptstraße 54 steigt, wo sie mit Stadtarchivarin Brigitte Faatz verabredet ist. 16 alte Fotos hat die Künstlerin dabei, die sie dem Archiv eventuell überlassen will. Mit Faatz möchte sie sich über die Möglichkeiten unterhalten.

Die Bilder stammen aus Zewes Familie und zeigen zumeist ihre Großtante Mariette Pfeffer. »Mein Vater sagte immer, sie war die erste Modedame«, erinnert sich Zewe. Auf dem Tisch breitet sie die Bilder aus, die sie auf Karton geklebt hat, denn sie wollte sie ursprünglich bei der Ernst-Ludwig-Buchmesse Anfang April ausstellen. Zudem erwägt sie, ein kleines Buch herauszubringen. Heldin wäre Großtante Mariette, eine große schlanke Frau, die sich Kleider nähen und anschließend vor schöner Kulisse in Bad Nauheim fotografieren ließ.

Fotografien in sehr guter Qualität

Die Stadtarchivarin schaut die Fotos an. »Die Qualität ist sehr gut, davon könnten Sie sich Poster ziehen lassen«, sagt Faatz. Zu sehen ist die Verwandte mit einer anderen Tante, Arm in Arm. Mal stehen die beiden in weißen Spitzenkleidern nebeneinander, mal in schwarzen Röcken, weißen Blusen, mit langen Ketten und Blumen in der Hand. Als Kind ist die Tante ebenfalls bildlich präsent, mit kurzen Haaren, neben ihrem Bruder Philipp, dazwischen ein Mops. Aufgenommen hat diese Szene ein Fotograf namens »van Bosch«. Ein anderes Foto zeigt die Großtante im schwarzen Kleid, vermutlich als Konfirmandin. Oder als Braut? »Ich habe auch in Schwarz geheiratet«, merkt Zewe an. Zudem posiert die Tante in einem Kleid, das etwas bequemer gesessen haben dürfte als die anderen Gewänder. Die Frage stellt sich, ob es sich um Jugendstilmode gehandelt hat. Von der Zeit her schon, denn das Model sitzt in einem Fall auf dem Brunnenrand des Badehauses 2. Weniger aber vom Erscheinungsbild, denn Mariette Pfeffer trug meistens eine enge Taille, was im Jugendstil eher wegfiel. »Es war eine Revolution: Wir schmeißen das Mieder weg«, erläutert Faatz.

Die Eltern der Großtante hatten eine Pension in der Alicestraße, Vater Friedrich war außerdem Badewärter. Bis in die 70-er Jahre habe die Familie vermietet. »Das Schild ›Fließend warmes und kaltes Wasser‹ habe ich noch«, schmunzelt Zewe. Mode war ein großes Thema. Patrizia Zewes Großmutter eröffnete das Geschäft »Spitzen Pfeffer« auf der Parkstraße, auch in Garmisch-Partenkirchen verkaufte sie Blusen. Später wurde der Laden auf der Parkstraße zum »Modehaus Pfeffer«.

Faatz fragt, was der Künstlerin für die Bilder vorschwebt. Will sie die Originale oder lieber die Abzüge an das Archiv geben? Mehr Sinn machten laut Faatz die Originale, weil das Archiv technisch besser damit arbeiten könnte.

Zudem sei vor einer möglichen Überlassung zu klären, inwieweit das Material verwendet werden darf, wenn jemand damit arbeiten will, beispielsweise über historische Mode schreiben möchte. Darf der oder die Betreffende »Stadtarchiv Bad Nauheim« als Quelle angeben?

Die Bilder kämen in eine Mappe und würden als Fotosammlung unter Zewes Namen gelagert. Und sie soll zunächst klären, ob ihre Kinder damit einverstanden sind. »Es ist schon vorgekommen, dass jemand etwas dem Stadtarchiv übergab und die Nachkommen Jahre später kamen, um es wiederzuholen«, erzählt die Archivarin.

Entscheidend sei, dass die Bilder hiesige Persönlichkeiten zeigen, vor allem der Aspekt »Bad Nauheim« mache es interessant für das Archiv. Zahlreiche Menschen hüten laut Faatz alte nostalgische Bilder, doch um ein Archiv dafür zu interessieren, mache es Sinn, den Herkunftsort sicherzustellen.

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