Schmerz mit richtiger Bewegung vorbeugen

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Bad Nauheim (pm). Andreas Goebel, Facharzt für Orthopädie in der Praxis für ganzheitliche Orthopädie Goebel in Bad Nauheim referierte im Rahmen der Reihe »Gesund in Bad Nauheim« des Kneipp-Vereins Bad Nauheim/Friedberg/Bad Salzhausen zum Thema: Moderne nichtoperative Orthopädie »Schmerzen und Sensomotorik«.

Aufgrund der aktuellen Situation fand der Vortrag virtuell vor dem Computer statt. Eine große Anzahl von Zuhörern freute sich über den aufschlussreichen Vortrag. Per Keynote-Präsentation erläuterte der niedergelassene Orthopäde Goebel in seiner Einführung die Schmerz-Sensomotorik-Brücke. Viele Menschen sind seit der Kindheit aktiv, treiben Sport und bewegen sich viel an der frischen Luft. Im Alter von etwa 35 bis 40 Jahren hört diese Aktivität jedoch oft auf. Andere Prioritäten werden gesetzt. Plötzlich ist der Beruf, die Familie, der finanzielle Einklang wichtig. Die Bewegung, Ernährung und Gesundheit gerät oft ins Hintertreffen. Früher wurden die Kinder abends zum Abendessen vom Spielplatz nach Hause gerufen, heute im digitalen Zeitalter von Computer, Smartphone und Fernseher, ist es sehr schwierig Kinder und Jugendliche zur Bewegung zu animieren.

Im modernen Schmerzverständnis ist der Schmerz in erster Linie ein Schutz des Körpers. Man unterscheidet zwischen akutem Schmerz und chronischen Schmerzverläufen.

Am »Bergmodell« wurde die Schmerzpufferzone erklärt, welche bei fehlerhafter Verarbeitung zu chronischem Schmerz führt. Edukation, ein verbessertes Schmerzverständnis und aktive Bewegungsmethoden sind wissenschaftlich nachgewiesene Behandlungsmethoden, Schmerzsyndromen zu begegnen. Beim Training sollte man sich realistische Ziele setzen, sich nicht überbelasten, jedoch sicher die Komfortzone verlassen.

Eine wertvolle Trainingsmöglichkeit bieten in der sportmedizinischen Orthopädie die Koordinativen/Sensomotorischen Trainingsmethoden, ergänzt durch das Training der Kraft, Ausdauer und Mobilität.

Die Sensomotorik der aufsteigenden Kette beginnt am Fuß. Hier hat der Körper sogenannte Tastzellen und Rezeptoren. Sie erfassen Reize und Bewegungen, leiten sie über das periphere Nervensystem weiter und schalten sie letztlich in muskuläre Aktivität um. Ab dem 35. Lebensjahr bauen sich jährlich Muskeln kontinuierlich um ca. 1 bis 3 Prozent ab. Das Erkrankungsbild der Sarkopenie entsteht, diese ist wiederum Risikofaktor für Osteoporose. Die Polyneuropathie verhält sich ähnlich bezüglich verminderter Reizweiterleitung.

Gezieltes Training, z.B. einfache Balance- und Einbein-standübungen, steuert hier effektiv gegen, verbessert die Ökonomie und dient der Sturzprophylaxe. Unterstützend, als koordinatives Puzzleteil, können auch sensomotorisch aktivierende Einlagen sein.

Zusammenfassend empfahl der funktionell ausgerichtete Haltungs- und Bewegungstherapeut ein »artgerechtes« bewegtes Verhalten zur Prophylaxe und Therapie von Schmerzen in jeder Lebensphase.

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