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"Singen ist ein Teil meiner Persönlichkeit", sagt Peter Orloff.

Auftritt in Bad Nauheim

Schlagerlegende Peter Orloff: "An mir ist alles echt"

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Peter Orloff ist eine Schlagerlegende. Vor seinem Auftritt mit den Schwarzmeer-Kosaken in Bad Nauheim spricht er über Schönheits-OPs, seine Teilnahme am Dschungelcamp und erzählt, warum er nie Heavy Metal gespielt hat.

Herr Orloff, Sie sind in diesem Jahr 75 geworden, wirken aber um einiges jünger, auch im Gesicht. Haben Sie sich schon mal einer kosmetischen Operation unterzogen?

Peter Orloff:(lacht) Nein. Ein renommierter Arzt hat bei mir im vergangenen Jahr Botox vermutet. Aber das kann ich ausschließen. An mir ist alles echt. Ich sehe das als Kompliment, das ich gerne annehme.

Was ist dann Ihr Geheimnis?

Orloff:Gute Gene, viel Sport und Gottvertrauen. Ich bin sehr fit. Als ich im März 75 geworden bin, habe ich gleich um Mitternacht 75 Liegestütze durchgezogen. Ich lege jedes Jahr das Goldene Sportabzeichen ab. Beim Bankdrücken stemme ich noch 100 Kilo. Sicher, ich lebe nicht altersgerecht und bin kein typischer 75-Jähriger.

Und wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren?

Orloff:Auf der Bühne. Ich gebe in jedem Jahr 150 bis 200 Konzerte. Mit dem Schwarzmeer-Kosaken-Chor bin ich auf Jahre hinaus mit Terminen ausgebucht und im Dauereinsatz. Ach, in zehn Jahren bin ich gerade einmal 85. Das ist heute kein Alter mehr.

Sie haben Klassiker geschrieben wie "Der Junge mit der Mundharmonika", waren selbst mit Liedern wie "Ein Mädchen für immer" erfolgreich. Sie sind heute ständig mit den Schwarzmeer-Kosaken auf Tour. Geldprobleme dürften Sie keine haben, aber was treibt Sie an?

Orloff:Ja, auch durch Erfolge wie "Du" und "Der Junge mit der Mundharmonika" freue ich mich immer, wenn Gelder der GEMA ankommen. Was mich vor allem antreibt, ist die Freude, auf der Bühne aufzutreten und Menschen zu erreichen. Das Publikum stärkt den Künstler auf eine Weise, die den Menschen gar nicht so sehr bewusst ist. Ohne Feedback würde ein Künstler vertrocknen wie eine Blume ohne Wasser. Jeden Abend, bei jedem Konzert, muss man sich außerdem neu beweisen. Auch das macht den Reiz aus, auf der Bühne zu singen.

Auf der Bühne stehen Sie am kommenden Samstag in Pohlheim mit dem Schwarzmeer-Kosaken-Chor. Was können die Besucher erwarten?

Orloff:Vom Repertoire her ist das Programm der Schwarzmeer-Kosaken von einer großen Kontinuität geprägt. Wir werden Lieder wie "Kalinka", "Abendglocken" und "Die zwölf Räuber" singen. Dem Chor gehören außerdem klassisch geschulte Musiker an, die früher mit Ivan Rebrow aufgetreten sind, der seine Karriere ja im Schwarzmeer-Kosaken-Chor begonnen hat. Dadurch gehören neben russischen Liedern auch Werke wie der "Gefangenenchor" aus Nabucco und "Nessun Dorma" zu unserem Programm. Ich freue mich auf den Abend in Pohlheim-Hausen. Das Album "Teure Heimat" mit mir und dem Kosaken-Chor ist vor wenigen Monaten auf Platz zwei der deutschen Verkaufscharts, in den Top Ten im Bereich der volkstümlichen Musik gelandet. Da schließt sich der Kreis: So hoch oben in den Charts war ich erstmals vor 52 Jahren.

Ihre Karriere als Sänger hat vor mehr als 60 Jahren begonnen, damals als Teenager bei den Schwarzmeer-Kosaken.

Orloff:Richtig, mit 14 Jahren. Ich hatte damals schon eine sehr tiefe, männliche Stimme.

Ihr Vater, damals Leiter des Kosaken-Chors, hat es Ihnen allerdings nicht leicht gemacht und wollte zunächst verhindern, dass Sie auf der Bühne singen.

Orloff:Ich wurde vom stellvertretenden Dirigenten der Schwarzmeer-Kosaken entdeckt. Er hat unsere Familie besucht und hat gehört, wie ich im Nebenzimmer gesungen habe. Er dachte zuerst, es wäre eine Aufnahme vom Band oder eine Schallplatte. Mein Vater hat den Chor sehr lange geleitet, seit den 40 Jahren, bis zu seiner Pensionierung. Er hat sich für mich ein anderes Leben, einen anderen Beruf gewünscht. Wir haben dann ein Abkommen geschlossen: Ich mache das Abitur und studiere Jura, durfte im Gegenzug ab dem 14. Lebensjahr in den Schulferien auf Konzerten der Schwarzmeer-Kosaken auftreten.

Warum war Ihnen das Singen bereits als Kind so wichtig, was gibt es Ihnen?

Orloff:Singen ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Mein ganzes Leben ist Musik. Als Kind habe ich Opernarien und Schubert-Lieder eingeübt. Durch Künstler wie Freddy Quinn habe ich mich früh auch für den Schlager begeistert, später in Köln war ich kurze Zeit auch in einer Rockband.

Was hören Sie heute privat, wenn Sie mal die Sau rauslassen wollen?

Orloff:Beim Joggen, beim Sport und wenn ich mich auf Konzerte vorbereite, höre ich häufig Manowar und Volbeat. Das ist motivierende Musik, ich liebe harte Klänge, wenn sie gut sind. Auch AC/DC höre ich gern. Für mich gibt es keine musikalischen Grenzen.

Warum haben Sie dann selbst nie Heavy Metal gemacht?

Orloff:In der Rockband habe ich auch härtere Sachen gesungen. Aber das Leben hat eben viele Möglichkeiten. Man könnte auch fragen, warum ich nicht Rechtsanwalt geworden bin, wenn ich doch Jura studiert habe. Man nutzt eben nur einen Teil seines Potenzials. Es hängt immer von Momenten und Situationen im Leben ab, die die Weichen stellen.

Und was war für Sie der Weichensteller, um Schlager zu singen?

Orloff:Die Freude an den Schlagern der damaligen Zeit: Freddy Quinn, Lieder wie "Heimweh". Oder auch "Cindy, oh Cindy" von Margot Eskens. Die Schlagermusik war damals sehr melodiös.

Sie haben viele Jahre zwei Karrieren parallel geführt: im Schwarzmeer-Kosaken-Chor und in der Schlagerwelt.

Orloff:Spätestens als ich Anfang der 90er nach vielen Jahren Pause wieder bei den Schwarzmeer-Kosaken gesungen habe, wussten manche nicht, dass es sich um ein und denselben Musiker handelt. Unterschiedliche Welten, die dennoch gut zusammen passen, da beides emotionale Musik ist.

Gerade im Schlager ist der Grat zwischen Gefühl und Kitsch ja sehr schmal. Wie treffen Sie den richtigen Ton?

Orloff:Wenn Gefühle echt sind, gibt es keinen Kitsch. Es stimmt, der Grat ist sehr schmal. Aber wenn ich über Gefühle singe, dann habe ich diese auch in diesem Moment auf der Bühne.

Aktuell dominiert im Schlagerbereich der Partyschlager im Stil von "Zehn nackte Frisösen". Gefühle spielen doch derzeit eher weniger eine Rolle.

Orloff:Im Schlager hat sich viel getan. Die Welt verändert sich eben, ich trauere alten Dingen nicht nach.

Das heißt, Sie sehen die Entwicklung der Schlagermusik nicht kritisch?

Orloff:Wenn Sie "Zehn nackte Frisösen" als Beispiel nennen: Der Musiker Mickie Krause ist ein toller Mensch. Ich habe Respekt vor der Leistung eines jeden Kollegen, auch wenn er in einem anderem Genre Musik macht. Natürlich gibt es in jedem Bereich Gutes und Grenzwertiges. In der Regel entscheidet das Publikum, was gut ist.

Anfang des Jahres sind Sie vor einem Millionenpublikum Dritter im Dschungelcamp geworden. Inwiefern hat das Ihr Leben verändert?

Orloff:Es war ein Risiko, auch imagemäßig. Es war ein Abenteuer. Aber wenn man ins Finale kommt und am Ende als Dritter, als Dschungelprinz herauskommt, dann empfinde ich das als ein weiteres Geschenk. Und dann war ich plötzlich auch wieder in den Charts, mit dem Lied "Ein Mädchen für immer", das war ja schon 1971 ein Riesenhit.

Konzert am Sonntag

Peter Orloff und der Schwarzmeer-Kosaken-Chor treten am Sonntag, 10. November, in der Dankeskirche in Bad Nauheim auf. Beginn des Konzerts ist um 18 Uhr. Einige Karten sind noch in den Geschäftsstellen der Wetterauer Zeitung in Bad Nauheim und Friedberg erhältlich.

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