Sprudelhof

"Schikane!" - Streit um den Sprudelhof Bad Nauheim geht weiter

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Ein elf Meter hohes Gerüst sollte am Samstag zeigen, welche Wirkung die geplante Wohnbebauung am Rande des Bad Nauheimer Sprudelhofs hat. Es kam aber ganz anders.

Die Szenerie erinnert ein wenig an das "Asterix"-Album "Der große Graben", wo ein solcher, mit Wasser gefüllt, die beiden Rivalen Griesgramix und Grobianix trennt. Nur geht es in Bad Nauheim nicht um einen Graben, sondern um eine "Curve" (in der Schreibweise Heinrich Siesmayers). Und die Kontrahenten, getrennt durch die Ludwigstraße, strecken sich immerhin nicht die Zunge raus (von der wilden Schlägerei der Gallier ganz abgesehen).

Am Wiesenstreifen auf Sprudelhof-Seite steht Dr. Erik Meyer, Sprecher der "Initiative für einen zügigen Thermenneubau ohne Reihenhausbebauung"; auf der anderen Seite, vor dem Café König, steht Klaus Ritt, Befürworter der Bebauung. Ritt traut sich nicht rüber, Meyer denkt nicht dran, die Straße zu überqueren.

Beleidigung und üble Nachrede

Die Kontrahenten haben schon miteinander gesprochen, haben sich geschrieben (Ritt spricht von "Drohbriefen") und werden sich womöglich vor Gericht sehen – falls die Staatsanwaltschaft Meyers Klage gegen Ritt "wegen Beleidigung, übler Nachrede, Verleumdung und Verletzung des Datenschutzes" zulässt. Meyer wehrt sich gegen einen Flyer, in dem Ritt die "Plattenbau-Skizze" der Gegner als "reine Agitation" brandmarkt und verbal austeilt gegen das "RumgeMeyere der sogenannten ›Retter des Sprudelhofs‹".

Seit das Stadtparlament im Januar einen Grundsatzbeschluss über das städtebauliche Konzept für den Sprudelhof gefasst hat, beharken sich Gegner und Befürworter, bezichtigen sich der Lüge und der Täuschung.

Ergebnis "gleich Null"

Vor einiger Zeit gab es ein Treffen, in der Trinkkuranlage, ohne Öffentlichkeit. Das Ergebnis sei "gleich Null" gewesen, sagt Ritt. Mit Sachargumenten komme man bei diesen Gegnern nicht weiter. "Dr. Erik Meyer und Anne Schneider wollten keine Presse dabei haben." "Das ist eine Lüge", sagt Meyer. Ritt habe keine Presse dabei haben wollen. Was Ritt wiederum aus der Fassung bringt. "Das stimmt einfach nicht. Das ist gelogen. Wir werden eine öffentliche Veranstaltung machen, ob mit oder ohne Herrn Meyer."

Die Stimmung sei bedenklich, sagt ein Bad Nauheimer. "Das ist ein Kommunikationsdesaster." Er macht Bürgermeister Klaus Kress dafür verantwortlich, dass die Diskussion schon früh polemisch geführt worden sei. "Noch bevor es eine Diskussion gab, wurde versucht, diese totzutreten."

Prinzipiell gegen jede Bebauung

Die Bebauungs-Gegner sammelten am Samstag weitere Unterschriften gegen die "Reihenhausbebauung" – eine Formulierung, die die Befürworter fast auf die Palme bringt. Weil eine aufgelockerte, durchbrochene Bebauung vorgesehen sei. Auch von der "Visualisierung" der Bebauung durch ein Gerüst und die in elf Metern Höhe baumelnden Luftballons halten die Befürworter nichts. Ein Bad Nauheimer sagt: "Das ist so, als stünde ich vor einem Trafohäuschen und würde zu meiner Frau sagen: Guck, so ähnlich wird unser Eigenheim mal aussehen."

Die Gegner wollten den Passanten die Ausmaße der Bebauung vor Augen führen. Wollten zeigen, wie der Blick von der "Curve" auf den Sprudelhof verbaut und eine Flaniermeile in eine "Straßenschlucht" verwandelt werde. Die Befürworter halten dies für Augenwischerei. Noch wisse niemand, wie die Häuser einmal aussehen sollen. Das sei auch nicht relevant, erwidert Meyer: "Wir sind gegen jegliche Bebauung." Zumal es sich um eine Bebauung handele, die nicht aus architektonischen Gründen geplant werde, sondern aus finanziellen.

Hülle des Ensembles

Eine Frau, die gerade die Petition gegen das Hölzinger-Konzept unterschrieben hat, begründet dies mit der Schönheit des Ensembles. "Deshalb sind wir hierher gezogen." Zwei 140 Meter lange Bau-Riegel kämen ihr "wie ein Fremdkörper" vor. Ihr Mann ergänzt: "Das hier ist die Hülle des Ensembles. Es ist wie mit einem Bild im Rahmen. Dahinter steckt eine Idee des Architekten. Die kann man nicht einfach verändern." Eine andere Frau sagt, Bad Nauheim sei mittlerweile schöner als Bad Homburg. Gegen moderne Architektur sei ja nichts einzuwenden. "Aber warum ausgerechnet hier?"

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