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Der Frühlingsspaziergang der BI Waldpark Skiwiese führt auch zur unteren Skiwiese.

Schaden lässt sich umkehren

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Bad Nauheim (pm). Die »BI Waldpark Skiwiese Bad Nauheim« hat ihr Sommer-Veranstaltungsprogramm mit einem naturkundlichen Spaziergang zum Thema Anlage und Pflege artenreicher und blütenbunter Wiesenflächen gestartet. Biologe Dr. Stefan Nawrath, der sich seit mehr als 30 Jahren mit der Ökologie von Wiesen beschäftigt, stellte den 16 Teilnehmern drei Grünflächen vor, die durch unterschiedliche Bewirtschaftung ihre jeweils eigene Artenvielfalt entwickelt haben.

Nawrath erläuterte die biologischen Zusammenhänge und wies auf die für Insekten wertvollen Pflanzenarten hin. Die Wiese zwischen dem oberen Teichhaus und der Alten Gärtnerei hat sich in der Vergangenheit zu einer außergewöhnlichen Blumenwiese zurück- - oder besser gesagt - weiterentwickelt. Neben einer Fülle von Gräsern, Blumen und Kräutern wurden dort sogar heimische Orchideen wiederentdeckt.

Andere Wiese eine artenarme Fläche

Ein anderes Bild zeigt die Grünfläche zwischen der Zufahrt zu den Reha-Kliniken am Kaiserberg und dem Donnersgraben. Das Gras steht schon hoch, an den Rändern haben sich Brennnesseln angesiedelt, und nur wenige weiße Blüten unterbrechen das dunkle Grün. Diese Wiese wird mithilfe eines Mulchmähers geschnitten, bei dem das Gras inklusive aller Lebewesen von den rotierenden Messern fein zerhäckselt wieder in die Grasnarbe gelangt. Das gute Nährstoffangebot im Boden fördert die am schnellsten wachsenden Grasarten, die dann alle anderen Wiesenpflanzen verdrängen. Ergebnis ist laut BI Waldpark Skiwiese eine artenarme, ökologisch eher wertlose Grünfläche, die Jahre einer anderen Bewirtschaftung benötige, um wieder zu erblühen.

Die Salbei-Glatthaferwiese, in Deutschland einst weit verbreitet, zählt zu den am stärksten gefährdeten Magerwiesen. Die Skiwiese ist ein typischer Vertreter dieser Art, auf dem neben dem namensgebenden Wiesensalbei und Glatthafer unter anderem Trespe, Pimpinelle, Kriechender Günsel, Glockenblume, Hahnenfuß, Sauerampfer und verschiedene Kleearten wachsen. Es wimmelt von Wildbienen und Hummeln, der Boden ist besiedelt mit Käfern, Würmern und anderen Kleintieren.

Die Skiwiese ist - als Teil der Bad Nauheimer Waldanlagen - ein Kulturdenkmal und wird seit 2018 durch das Bad Nauheimer Wald-Parkpflegewerk besonders geschützt. »Die Vielfalt an Pflanzen und Insekten hat in den letzten Jahren sichtbar zugenommen. Trotzdem gibt es Verbesserungsbedarf: Dem Wald-Parkpflegewerk folgend wäre ein kompletter Verzicht auf Düngung und die Begrenzung der Bewirtschaftung auf nur eine jährliche Mahd notwendig - beides ist noch nicht umgesetzt«, schreibt die BI in der Mitteilung. Weiter heißt es: »Die grundsätzlich positive Entwicklung der Wiese oberhalb des Teichhauses und der Skiwiese hat gezeigt, dass die menschengemachte Schädigung der Lebensräume für Pflanzen und Tiere umkehrbar ist. Wie bei allen natürlichen Vorgängen gilt aber auch hier, dass einer schnellen Zerstörung ein langdauernder Erholungsprozess folgt, der viel Geduld, Konsequenz, Aufmerksamkeit und Frustrationstoleranz erfordert.«

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