Dicke Schichten von Ablagerungen in den Kellerräumen der Sprudelhof-Badehäuser, die auch radioaktives Radium enthalten, haben sich als großes Problem bei der Sanierung erwiesen. Die Fertigstellung der Räume für Pflegeakademie und Thermen-Sauna verzögert sich deshalb.	ARCHIVFOTO: NICI MERZ
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Dicke Schichten von Ablagerungen in den Kellerräumen der Sprudelhof-Badehäuser, die auch radioaktives Radium enthalten, haben sich als großes Problem bei der Sanierung erwiesen. Die Fertigstellung der Räume für Pflegeakademie und Thermen-Sauna verzögert sich deshalb. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Krisengipfel in Wiesbaden

Sanierung des Sprudelhofs Bad Nauheim: Deal nach herber Kritik wegen Verzögerungen

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Dicke Luft dürfte bei der Krisensitzung in Wiesbaden geherrscht haben. Die Verhandlungen drehten sich um die erneute Verzögerung bei der Sanierung des Bad Nauheimer Sprudelhofs.

Turbulente Tage liegen hinter der Bad Nauheimer Kommunalpolitik. Zwei der wichtigsten Projekte der Stadt - der Bau der neuen Therme und der Umzug der Theodora-Konitzky-Pflegeakademie - waren plötzlich in entscheidenden Punkten in Frage gestellt. Radioaktive Radium-Ablagerungen in den Kellern der Badehäuser 2 und 5 des Sprudelhofs führen den Zeitplan ad absurdum. Hinzu kommen Zusatzforderungen der Denkmalschutzbehörde.

Auf diese Ankündigung folgte herbe Kritik von Bürgermeister Klaus Kreß und dem Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW), Dr. Dirk M. Fellermann, an der Stiftung Sprudelhof und dem Landesbetrieb für Bau und Immobilien Hessen (LBIH). Schließlich war der Sanierungsbeginn in der Vergangenheit mehrfach angekündigt worden - getan hat sich so gut wie nichts.

Kreß und Fellermann nahmen gegenüber der Presse wahrlich kein Blatt vor den Mund, was die Stimmung beim Aufeinandertreffen aller Beteiligten am Dienstag in der Landeshauptstadt zunächst getrübt haben dürfte. Der Bürgermeister beschreibt die Gespräche als »intensiv« und lässt das Wort »konstruktiv« folgen. Der Rathauschef berichtete darüber am Donnerstagabend im Bauausschuss.

Sprudelhof Bad Nauheim: Container als Übergangslösung

Bezüglich des Badehauses 5 gibt es demnach eine eindeutige Vereinbarung, die allerdings nur wenig am Kernproblem ändert: Es bleibt bei einer erneuten Verschiebung des Fertigstellungstermins auf August 2022. Ursprünglich war der Oktober dieses Jahres, dann der August 2021 als Einzugstermin genannt worden. Die Pflegeakademie, die den Nachwuchs für das GZW und die Kerckhoff-Klinik ausbildet und aus allen Nähten platzt, muss sich also in Geduld üben. »Für die einjährige Übergangsfrist von August 2021 bis August 2022 schafft das Land eine Container-Lösung am jetzigen Standort der Akademie«, berichtet Kreß. Der Übergabetermin Mitte 2022 wird in einem Mietvertrag festgeschrieben.

Weniger Klarheit herrscht nach wie vor in Sachen Badehaus 2. Dieses Gebäude muss der LBIH instand setzen und umbauen lassen, um es als Sauna- und Therapieabteilung der Therme an die Stadt vermieten zu können. »Der Kooperationsvertrag mit dem Land hat als Anlage einen Zeitplan, in dem von einer Fertigstellung im April 2023 die Rede ist. Dieser Zeitpunkt lässt sich nicht mehr halten«, betont der Bürgermeister nach den Verhandlungen in Wiesbaden, an denen auch Finanzstaatssekretär Dr. Martin Worms (er ist Vorsitzender des Kuratoriums Stiftung Sprudelhof), die Chefs des LBIH und der Landesdenkmalpflege sowie des GZW und der Kerckhoff-Klinik teilnahmen.

Die Bad Nauheimer Delegation drängte auf die Prüfung aller Möglichkeiten zur Beschleunigung der Sanierungsarbeiten, die nach aktuellem Stand erst Ende 2024 abgeschlossen sein sollen - anderthalb Jahren nach Einweihung von Therme und Hotel. Das Entgegenkommen der Gegenseite: Es wird eine »Arbeitsgruppe Beschleunigung« gebildet, die bis Ende November Ergebnisse präsentieren soll. Kreß: »Ziel ist es, die Bauzeit zu verkürzen.« Danach soll es zu einer Überarbeitung des Kooperationsvertrags zwischen Land und Stadt kommen, in dem der Übergabezeitpunkt dann endgültig festgezurrt wird.

Sprudelhof Bad Nauheim: Wer zahlt fürs Betriebsdefizit?

»Weiter verhandelt wird über die finanziellen Auswirkungen der Verzögerung«, sagt Kreß. Sollte die Therme 18 Monate lang ohne die Gewinnbringer Sauna und Therapie auskommen müssen, wird ein erhebliches Betriebsdefizit auflaufen. Zunächst muss dafür die Stadt geradestehen, nach dem Willen von Kreß soll sich das Land an der Deckung des Fehlbetrags beteiligen. Weiteres Zugeständnis aus Wiesbaden: Das Landesamt für Denkmalpflege stellt für vier Jahre einen zusätzlichen Mitarbeiter ein, der sich ausschließlich mit dem Schutz der Badehäuser bei Sanierung und Umbau beschäftigt.

Beide Seiten bleiben im Gespräch. Zunächst müssen die am Dienstag getroffenen Vereinbarungen vom Kuratorium der Stiftung Sprudelhof bestätigt werden, das am 30. September tagt. Das dürfte eine Formsache sein. Nächstes Spitzengespräch in Wiesbaden ist im Dezember.

Sprudelhof Bad Nauheim: Therme-Start mehrfach verschoben

Bei dem Getöse um die erneute Verzögerung der Badehäuser-Sanierung gerät ein Fakt etwas in Vergessenheit: Die Stadt hat den Zeitplan für den Bau des neuen Thermalbads ebenfalls mehrfach verändert. Wie sich im WZ-Archiv nachvollziehen lässt, war Ende 2018 noch von einem Baubeginn Mitte 2019 für Therme, Hotel und Badehaus die Rede. Die Einweihung sollte Ende 2021 erfolgen. Ein knappes Jahr später, nach dem Verzicht auf die Wohnbebauung entlang der Ludwigstraße, hieß es dann: Start im Sommer 2020, Fertigstellung Mitte 2022.

Im März dieses Jahres wurde die Zeitschiene erneut verschoben. Plötzlich wurde ein Baubeginn im Winter 2020/21 genannt, der Abschluss der Bauarbeiten sollte zwei Jahre später gefeiert werden. Kürzlich die nächste Änderung: Jetzt soll der erste Spatenstich im Frühjahr 2021 erfolgen, mit dem Ende wird Mitte 2023 gerechnet. Auf diese Entwicklung angesprochen, sagt Bürgermeister Klaus Kreß: »Aufgrund der komplexen Abläufe dauert der Planungsprozess etwas länger als gedacht.« (Bernd Klühs)

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