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Stiftungs-Chef Frank Thielmann, hier zwischen Brunnen und Badehaus 2, betreut momentan eine Großbaustelle im Sprudelhof.

Dauerbaustelle

So läuft die Sanierung des Bad Nauheimer Sprudelhofs – Abrissarbeiten stehen an

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Im Bad Nauheimer Sprudelhof sind die Sanierungsarbeiten sehr sichtbar. Sie betreffen derzeit die Badehäuser 2 und 5. Das Projekt wird sich über Jahre hinziehen.

Bad Nauheim – Lastwagen fahren durch den Sprudelhof, Zäune und Holzwände stehen in der historischen Architektur. Ein Arbeiter setzt sich den Ohrenschutz auf, bevor ein Presslufthammer losdröhnt. In Sicherheitsschuhen sitzt Geschäftsführer Frank Thielmann im Büro der Stiftung Sprudelhof im Badehaus 3, wo er von baulichen Fortschritten berichtet.

»Im Badehaus 5 wird derzeit die Theodora-Konitzky-Krankenpflegeakademie eingebaut. Bereits in den 60er, 70er Jahren wurde dort umgebaut«, sagt er. Die Fliesen sind nicht mehr original, Zwischendecken und Duschen wurden montiert, Durchbrüche geschaffen. »Das bauen wir alles zurück«, erklärt Thielmann. Als Nächstes steht der Abriss des Behälterraums im Badehaus 5 an, was technisch nicht ganz einfach zu realisieren ist.

An dieser Stelle wird ein neues Bauwerk für Schulungsräume entstehen. Die Badezellen sollen sich in Lehrerbüros, Toilettenanlagen, Kiosk und Übungsräume verwandeln. »Wir kombinieren das Moderne mit dem Historischen«, sagt Thielmann. Im Keller wird die Sanierung vorbereitet, es geht Schadstoffen wie Asbest an den Kragen. In wenigen Wochen kann die Instandsetzung des Betons beginnen. »Die Kellerdecke muss statisch ertüchtigt werden, denn die Belastbarkeit reicht nicht aus.« Es ist laut Thielmann eine Herausforderung, denn der Beton ist historisch und dürfte eine andere Zusammensetzung als heute haben.

Sprudelhof in Bad Nauheim: Jugendstil-Fliesen in miesem Zustand

Im Badehaus 2 ist es ähnlich. Dort geht die Kellersanierung vonstatten. Oben entstehen aktuell Musterzellen, in denen eine beispielhafte Sanierung vollzogen wird. Die beauftragte Firma erprobt Techniken, von denen sich ableiten lässt, wie es in den restlichen Zellen weitergehen kann.

Das Badehaus 2, das Teil der neuen Therme wird, ist laut Thielmann viel anspruchsvoller als die »5«. 1981 kam es zu Hochwasserschäden, die nur teilweise behoben sind. »Die Situation hat wieder eine andere Problematik«, sagt der Geschäftsführer. Die Jugendstil-Wandfliesen sind im Originalzustand, sehen aber teilweise erbärmlich aus. Sie sind ohne Fugen verlegt, was die Sanierung immens erschwert.

»Gleichwohl soll das Badehaus 2 natürlich das historische Ambiente ausstrahlen. Das gut hinzukriegen, ist schwierig, weshalb die Bauarbeiten länger dauern als im Badehaus 5.« Bodenfliesen sind ebenfalls zerstört, wurden teilweise mit Estrich aufgegossen und rot angemalt. Das lässt sich aber einfacher wiederherstellen. »Wir machen mindestens alle zwei Wochen eine große Besprechung mit den Beteiligten«, sagt Thielmann. Auch außer der Reihe kommen Denkmalpfleger aus Wiesbaden, wenn sich besondere Fragestellungen ergeben.

Alles andere ist noch nicht im Gang. »Das Badehaus 7 ist in Planung, aber das Wichtigste ist, Badehaus 5 und 2 zum vereinbarten Termin fertigzustellen. Die Übergabe des Badehauses 2 ist für September 2024 geplant, das Badehaus 5 für August 2022.«

Sprudelhof-Sanierung: Ende des Bad Nauheimer Großprojekts nicht absehbar

Das Badehaus 7 will die Stiftung teils als Veranstaltungsraum nutzen, zudem wird in diesem Gebäude eine medizinische Einrichtung angesiedelt. »Da sind wir in guten Gesprächen«, sagt Thielmann. Er geht von einem Beginn der Kellersanierung im November aus.

Das Badehaus 3 ist nach Ansicht von Thielmann im Moment bereits gut genutzt, mit dem Jugendstilforum als Übergangslösung. »Meines Erachtens ist es auch die Zukunft des Badehauses 3, als Kulturstätte zu dienen. Was letztlich deren Bestandteile sind, hängt aber nicht von mir ab.« Das sei Sache der Stadtverwaltung und der Politik. Von dem Verlauf dieser Sanierungen hängt laut Thielmann ab, wann »4« und »6« hinzukommen. »Daher kann ich noch nicht sagen, wann alles endet. Aber es wird mit jedem Badehaus besser gehen.«

Jugendstil-Sprudelhof in Bad Nauheim: Mehrheit gegen Weltkulturerbe

Die Mathildenhöhe in Darmstadt ist seit Kurzem Weltkulturerbe der UNESCO. Warum ist Bad Nauheim mit dem Jugendstil-Sprudelhof nicht ebenfalls in der Welterbe-Liste? Der verstorbene Bürgermeister Bernd Rohde hatte sich bereits 2003 informiert, den Gedanken nach einem Gespräch mit dem damaligen Landesdenkmalschützer Dr. Gerd Weiß aber verworfen. Begründung war damals, dass das hessische Kontingent mit den Projekten Schloss Wilhelmshöhe in Kassel und Limes erschöpft gewesen sei.

Wie Frank Thielmann (Geschäftsführer Stiftung Sprudelhof) erzählt, fragte Darmstadt 2008 in Bad Nauheim an, ob Bereitschaft bestehe, das Ziel gemeinsam anzustreben. Für die Bewerbung hätte ein aufwendiges Gutachten erstellt werden müssen. Die städtische Politik, die das Thema auf FDP-Antrag seit 2007 diskutierte, entschied nach längeren Debatten dagegen: zu teuer, zu aussichtslos. Darmstadt nahm die Bewerbung allein in Angriff. Eine Bewerbung Bad Nauheims ist nach Ansicht von Thielmann nun kaum noch möglich. Europa sei bei den Weltkulturerbe-Stätten schon sehr stark vertreten. »Ich glaube daher nicht, dass eine alleinige Bewerbung Bad Nauheims erfolgreich wäre. Aber vielleicht könnte sich die Stadt etwas enger mit Darmstadt verbinden.«

Werde eine Stadt in die Liste der Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen, müsse sie auch beachten, welcher Einfluss dieser Status auf Neubauprojekte hat: »Liverpool wurde der Status aufgrund diverser Bauprojekte gerade aberkannt. Es hat alles Vor- und Nachteile.«

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