Die neue Salus-Klinik an der Usa wird aus einem Ensemble mehrerer Gebäude bestehen. Rund 310 Patienten können hier untergebracht werden, die von 220 Mitarbeitern betreut werden.
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Die neue Salus-Klinik an der Usa wird aus einem Ensemble mehrerer Gebäude bestehen. Rund 310 Patienten können hier untergebracht werden, die von 220 Mitarbeitern betreut werden.

Neubau-Projekt

Salus-Klinik Bad Nauheim: Gründer Alfons Domma wollte fast aufgeben

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Hätte Alfons Domma 2016 gewusst, was mit dem Klinikprojekt in Bad Nauheim auf ihn zukommt, wären die Pläne im Papierkorb gelandet. Doch jetzt ist es zu spät - trotz weiterer Hiobsbotschaften.

Bad Nauheim - Selfmade-Unternehmer Alfons Domma aus Hürth bei Köln ist ein Macher. Von Widerständen lässt sich der Seniorchef der 1992 von ihm gegründeten Salus-Klinik-Gruppe gewöhnlich nicht aufhalten. Das Ziel, mit einem seiner auf Sucht-Erkrankungen spezialisierten Häuser von Friedrichsdorf aufs Bad Nauheimer Kissel-Gelände (Schwalheimer Straße) umzuziehen, sollte im Schnellverfahren erreicht werden.

Mitte 2018 - so die ursprüngliche Vorstellung - erfolgt der erste Spatenstich, dann hätte Domma die Einweihung der Klinik mit seinem 70. Geburtstag verbinden können. Den 70. hat der Seniorchef längst gefeiert, doch vom Neubau ist nichts zu sehen. Nicht einmal der Startschuss ist gefallen.

Salus-Klinik Bad Nauheim: Horrende Gebühren für Baugenehmigung

Die positive Neuigkeit: Gerade wird auf dem 2,6 Hektar großen Areal neben dem neuen Tegut-Markt mit Erdarbeiten begonnen. Denn vor einigen Tagen ist die Baugenehmigung eingegangen. Das war’s aber auch schon an erfreulichen Nachrichten. Ansonsten muss Domma mit zwei weiteren Hiobsbotschaften leben. »Ich war dicht davor zu sagen: Wir hören auf«, bekennt der Unternehmer.

Im Telefonat mit der WZ stellt er eine Quizfrage: »Raten Sie mal, wie hoch die Gebühr für die Erteilung der Baugenehmigung ist.« Der Redakteur tippt auf einen mittleren fünfstelligen Betrag. Tatsächlich verlangt das Kreisbauamt eine deutlich höhere Summe. »Es sind sage und schreibe 350 000 Euro«, sagt Domma. Dieser Bescheid verstärkt bei ihm den Ärger über die lange Bearbeitungsdauer. Der Bauantrag war im März gestellt worden, die Genehmigung hatte der Unternehmer als »reine Formsache« bezeichnet, die maximal vier Monate dauern sollte. Den Baubeginn peilte er für den Sommer an - ein weiterer von vielen Terminen, die längst verstrichen sind.

Salus-Klinik Bad Nauheim: Seit 2018 in den Startlöchern

Dabei hatte anfangs alles vielversprechend ausgesehen. 2015 hatte Domma Kontakt mit dem Rathaus aufgenommen. Sein Ansinnen, das Stoll-Gelände als Klinik-Standort zu kaufen, wurde vom Rathaus zwar abgelehnt, aber es fand sich schnell eine andere Lösung. Bürgermeister Armin Häuser und Fachbereichsleiter Jürgen Patscha, heute beide nicht mehr im Dienst der Stadt, schlugen 2016 vor, das benachbarte Kissel-Areal zu erwerben. Mitte 2018 war fast alles für die Errichtung der 310-Betten-Klinik vorbereitet: Das Grundstück war gekauft, die Pläne fertig und mit der Stadt abgestimmt, und die wichtigsten Gutachten lagen vor.

Was folgte, hätte sich der Seniorchef, der seit 30 Jahren selbstständig ist, nicht träumen lassen. Für das Mammutprojekt, dessen Investitionsvolumen damals auf 45 Millionen Euro geschätzt wurde, fand sich angesichts des Baubooms kein Generalunternehmer. Domma wurde erst im Frühjahr 2019 fündig. Das Rathaus hatte aufgrund der Probleme das Bebauungsplan-Verfahren zurückgestellt.

Als Domma endlich eine Baufirma verpflichtet hatte, kündigte er den Startschuss für Anfang 2020 an. Doch die Detailarbeit am B-Plan zog sich deutlich länger hin als erwartet. Vor allem die komplizierte Frage des Lärmschutzes - die Klinik wird direkt an der B 3 stehen - war nicht so schnell zu beantworten.

Salus-Klinik Bad Nauheim: Teure Altlasten-Sanierung

Anfang November 2021 ging endlich die Genehmigung ein, wobei Domma mit einer Bauzeit von 20 Monaten rechnet. Inzwischen sind die Kosten weiter gestiegen. Anfangs war von 40 Millionen Euro die Rede, jedes Jahr wurden es mehr. Zuletzt wurden 55 Millionen genannt. »Jetzt gehe ich von 58 Millionen Euro aus«, sagt Domma, der die Zahl 60 aber schon im Blick hat. Eine Klinik lasse sich so eigentlich nicht wirtschaftlich betreiben.

Einen Beitrag zur Kostensteigerung hat neben der sechsstelligen Gebühr die Altlasten-Sanierung geleistet. Diesbezüglich ist der Seniorchef nicht gut auf die Stadtverwaltung, speziell auf Ex-Fachbereichsleiter Patscha zu sprechen. Zunächst sei behauptet worden, das Gelände weise keine Kontamination auf. Ein Gutachten habe aber eine Bodenbelastung im Süden ergeben. »Patscha hat mir dann gesagt, ›mehr ist da nicht‹. Jetzt zeigt sich, dass auch im Norden jede Menge Erde ausgetauscht werden muss«, erklärt Domma. 30 000 Tonnen müssten bewegt werden. Kostenpunkt: 500 000 Euro.

»Die Altlasten-Sanierung fällt uns ganz schön auf die Füße«, betont der Unternehmer. Einen Rechtsstreit möchte er nicht anfangen, zumal er von Patscha nichts Schriftliches erhalten habe. Schließlich müsse Salus mit der Stadt auch künftig gut kooperieren.

Salus-Klinik Bad Nauheim: Rohbauvolumen bestimmt Gebühren

Zu der von Salus-Klinik-Seniorchef Alfons Domma genannten Höhe der Baugenehmigungsgebühr von 350 000 Euro möchte Kreispressesprecher Michael Elsaß nichts sagen. »Das unterliegt dem Datenschutz«, meint er. Prinzipiell hänge die Gebührenhöhe von der Größe des Objekts, genauer gesagt vom Rohbauvolumen ab. Die entsprechende Satzung basiere auf den Vorgaben verschiedener Landesgesetze.

Die Bauaufsichtsgebühren-Satzung des Wetteraukreises, ein typisches Behörden-Wortungetüm, wurde zuletzt Ende 2004 geändert. Der Großteil der Gebühren fällt demnach für die Erteilung der Baugenehmigung an. Für den Bauherren werden Beträge zwischen 17,50 und 26 Euro je 1000 Euro Rohbausumme fällig. Die niedrigste Gebühr wird für ein Wohnhaus im Geltungsbereich eines Bebauungsplans erhoben, der höchste Satz für Sonderbauten im Außenbereich. Hinzu kommen etliche kleinere Beträge, die das Kreisbauamt in Rechnung stellt. (bk)

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