Von großem kulturhistorischem Wert: Das Salinen-Gelände soll an einen Investor verkauft werden.
+
Von großem kulturhistorischem Wert: Das Salinen-Gelände soll an einen Investor verkauft werden.

Salinen-Gelände: Opposition sieht "Chaos-Verfahren"

Bad Nauheim (bk). Das Gelände der ehemaligen Saline mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden ist vom kulturhistorischen Wert her mit dem Sprudelhof vergleichbar. Diese Ansicht vertritt die SPD, sieht deshalb den Verkauf des Areals an einen künftigen Investor als sehr bedeutsam an.

Harsche Kritik übte der SPD- Stadtverordnete Johannes Krautwurst am Donnerstagabend im Parlament an dem "chaotischen Auswahlverfahren", eine Bewertung, der sich die übrigen Oppositionsfraktionen anschlossen. Bürgermeister Armin Häuser wies die Vorwürfe zurück, räumte lediglich ein, die Angelegenheit sei "etwas holprig gelaufen". Ein Antrag der 3 B-Fraktion, ein geordnetes Verfahren in Sachen Saline in die Wege zu leiten, wurde bei 6 Ja-, 24-Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen abgelehnt.

Fehlende Transparenz, fehlendes Konzept, fehlende Zielvorgaben – 3 B-Fraktionschef Jürgen Burdak ließ kein gutes Haar an der Vorgehensweise des Magistrats und der CDU/Grünen-Koalition. "Im Januar wurden uns drei Investoren präsentiert. Weder wurden die Auswahlkriterien vorgelegt noch ein Zeitplan. Es war auch nicht klar, dass es eine zweite Vorstellungsrunde mit weiteren Architekten geben wird", bemängelte Burdak. Niemand wisse, wo die Reise hingehen soll, was die Stadt mit der Entwicklung des Salinen-Geländes letztlich erreichen wolle. Die Opposition werde wieder einmal missachtet, das schwarz-grüne Bündnis regiere durch.

"Transparenz und Kooperation sehen anders aus. Wenn man so vorgeht, kann der Bauausschuss gleich abgeschafft werden. Dann wird die fertige Beschlussvorlage im Parlament eingebracht und darüber abgestimmt", sagte der Fraktionsvorsitzende.

Die sogenannte Matrix, die Bewertungs- und Entscheidungskriterien für den Verkauf des Geländes enthält, wurde den Stadtverordneten erst am Donnerstagabend übergeben, nachdem die fünf Architekturbüros ihre Entwürfe bereits vorgestellt hatten. Das kritisierte UWG-Fraktionschef Gottfried Krüger. Die UWG hatte im Vorfeld der Parlamentstagung vergeblich eine Sondersitzung des Bauausschusses zu diesem Thema beantragt. Sein Fraktionskollege Markus Philipp, Manfred Schneider (FDP) und Johannes Krautwurst (SPD) bemängelten, dass die fünf Architekten nicht direkt hintereinander, sondern in großem zeitlichen Abstand im Ausschuss aufgetreten seien. Dadurch sei es zu einem Plagiatsvorwurf gekommen, weil sich manche Planungen in einigen Punkten stark ähnelten.

Krautwurst stufte die Qualität des Verfahrens als "absolutes Trauerspiel" ein. Den Architekten seien keinerlei Vorgaben gemacht worden, deshalb hätten sie Ideen entwickelt, die sich nur schwer vergleichen ließen. Auf dieser Basis eine Entscheidung zu treffen, sei kaum möglich. In der jetzt vorgelegten "Matrix" fehlt laut Markus Theis (UWG) außerdem ein entscheidender Punkt: die Verkaufssumme.

Wie Bürgermeister Häuser sagte, handele es sich um ein rechtlich einwandfreies Verfahren. Es wäre allerdings besser gewesen, alle fünf Architekten zeitnah in den Ausschuss einzuladen. Der Vorschlag, das Gelände an einen Investor zu verkaufen, sei nicht vom Himmel gefallen. Häuser: "Seit der LGS war klar, dass dort etwas passieren soll. Drei Architekten sind am Ball geblieben, zwei weitere haben nachgezogen." Der Magistrat werde den Gremien in Kürze eine Beschlussvorlage präsentieren.

Fünf Architekten aus Bad Nauheim und Friedberg wollen das Grundstück verwerten – nach den Worten von Dr. Martin Düvel (Grüne) ein Beleg für die große Attraktivität der Kurstadt.

Salinengelände: Konzeptsuche am Reißbrett Investoren-Pläne für Saline: Fantasie, Ökologie, Oldtimer Neue Konzepte für Alte Saline Saline: Streit um Urheberrechte

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare