Rundum gelungene Aufführung

  • vonGerhard Kollmer
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"Lange haben wir diesem Augenblick entgegengefiebert": Mit diesen Worten begrüßte Sándor Vitéz, 1. Vorsitzender des Freundeskreises evangelische Kirchenmusik Bad Nauheim", am Vorabend des 3. Advents die Zuhörer in der fast voll besetzten Dankeskirche zum Auftakt der Spendenkampagne für die Ersetzung der über 100 Jahre alten, nur noch bedingt spielbaren großen Orgel durch ein neues Instrument.

"Lange haben wir diesem Augenblick entgegengefiebert": Mit diesen Worten begrüßte Volker Gräfe, Leiter des Orgelbaukreises, am Vorabend des 3. Advents die Zuhörer in der fast voll besetzten Dankeskirche zum Auftakt der Spendenkampagne für die Ersetzung der über 100 Jahre alten, nur noch bedingt spielbaren großen Orgel durch ein neues Instrument.

Bis 2025 hofft man, sagte Gräfe, dieses kostenintensive Großprojekt glücklich abschließen zu können. Nicht zuletzt von der Spendenbereitschaft der Menschen in Bad Nauheim und der Wetterau wird das Gelingen des ambitionierten Unternehmens abhängen. "Bitte ziehen Sie mit uns alle Register!": Mit diesem Appell übergab Gräfe den Stab an Frank Scheffler, der als Stadtkantor seit 1999 mit einer Vielzahl erfolgreicher Aufführungen (zuletzt der "Psalmensinfonie" von Strawinsky) die Tradition der Bad Nauheimer Kirchenmusik weiterführt.

Welches Werk könnte dem besonderen Anlass besser entsprechen als J. S. Bachs 1734 entstandenes sechsteiliges Weihnachtsoratorium (BWV 248)? Und so durften sich die erwartungsvollen Besucher in den folgenden anderthalb Stunden über eine rundum gelungene, bewegende Aufführung der ersten drei Kantaten des berühmten Werkes freuen.

Glockenklarer Tenor

Unter Schefflers souveräner Leitung gaben die 60-köpfige Kantorei, das "Via Nova"-Kammerorchester auf historischen Instrumenten sowie die vier Solisten (G. Hierdeis – Sopran; B. Schmickler – Alt; M. Steffan – Tenor und Chr. Kögel – Bass) ihr Bestes, um die 36-teilige Folge von Arien, Rezitativen und Chorsätzen in vollem Glanz erstrahlen zu lassen. Dass Bachs Werk über die Geburt des Erlösers zu großen Teilen auf weltlichen Kantatensätzen beruht, nimmt ihm nichts von seiner Wirkung.

Beginnend mit dem prächtigen Eingangschor "Jauchzet, frohlocket!" wird der Hörer auf einen musikalischen Weg mitgenommen, von dessen Stationen hier nur wenige hervorgehoben werden können. Altistin Birgit Schmickler präsentiert, begleitet von den lieblichen Klängen der Oboi d’amore, mit ihrer Interpretation von Rezitativ und Arie Nr. 3/4 ("Nun wird mein liebster Bräutigam"; "Bereite Dich, Zion!") ein erstes Highlight des Oratoriums. Ihre Darbietung der Arien Nr. 19 ("Schlafe mein Liebster") und vor allem Nr. 31 ("Schließe, mein Herze!"), begleitet von konzertierender Solo-Violine, zählen zu den Glanzpunkten der Aufführung. Mit seinem meditativen Bass-Rezitativ Nr. 27 ("Er hat sein Volk getröst") singt sich Christoph Kögel in die Herzen der Hörer. Martin Steffans glockenklarer Tenor verleiht dem Evangelisten sein unverwechselbares Gepräge. Im Duett für Sopran und Bass Nr. 29 ("Herr, dein Mitleid") reiht sich Gabriele Hierdeis ebenbürtig in die Gruppe der Solisten ein.

Fundiert, getragen werden die Soli und Duette von einem souverän agierenden Klangkörper, der z. B. in der "Sinfonia" am Beginn von Teil II eine Probe seines Zusammenspiels gibt. Querflöten, Oboen im Wechselspiel mit den Streichern: Mit diesen Klängen werden die Hirten auf dem Felde unvergeßlich beschworen. Zwölf Choräle und Chorpartien geben der Kantorei reichlich Gelegenheit, ihr Können eindrucksvoll zu dokumentieren – beginnend von Nr. 5 ("Wie soll ich dich empfangen?" nach Paul Gerhardt) bis hin zum abschließenden "Herrscher des Himmels".

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