Neben den Bäumen werden auch Baumpfahl, Drahthose als Verbissschutz und Kokosstrick ausgegeben. FOTO: MIRKO FRANZ
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Neben den Bäumen werden auch Baumpfahl, Drahthose als Verbissschutz und Kokosstrick ausgegeben. FOTO: MIRKO FRANZ

Rund 50 Bäume für Vielfalt

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Bad Nauheim(pm). Bei der jährlichen Obstbaum-Pflanzaktion des NABU Bad Nauheim ist auch diesmal einiges für die Obstsorten-Vielfalt und den Erhalt der Streuobstwiesen getan worden. Eigentümer oder Pächter von Obstwiesen in den Gemarkungen von Bad Nauheim haben bei dieser Aktion die Möglichkeit, im Rahmen einer von der Stadt bezuschussten Sammelbestellung hochstämmige Obstbäume zur Nachpflanzung in oder Neuanlage von Streuobstwiesen zu beziehen. Ebenso pflanzt der NABU Bad Nauheim jährlich mehrere Obstbäume auf den von ihm betreuten Streuobstwiesen in Lücken oder als Ersatz für abgängige Altbäume, um so den Bestand zu erhalten und zu verjüngen.

Streuobstwiesen seien einer der artenreichsten Lebensräume Europas, beherbergten auch heute noch mehrere Tausend teils vom Aussterben bedrohte Obstsorten, lieferten dem Menschen wertvolle regionale Nahrungsmittel und bereicherten das Landschaftsbild, heißt es in einer Pressemitteilung des NABU Bad Nauheim. Heute seien aber viele Streuobstwiesen unter anderem durch Nutzungsaufgabe und mangelnde Pflege in einem schlechten Zustand und stark überaltert. "Abgängige Altbäume wurden nur selten nachgepflanzt, sodass wir heute keine 20 Prozent der die Orte vor 100 Jahren umgebenden ›Streuobstwälder‹ mehr haben", schreibt der NABU weiter. "Heute fallen jedem größeren Sturm zahlreiche Altbäume zum Opfer, und die Bestände werden immer lückiger. Mancherorts findet man nur noch einzelne Obstbäume in ansonsten leerer Wiese, flächige Bestände fehlen häufig ganz."

Um dem Verschwinden der Streuobstwiesen etwas entgegenzusetzen, macht der NABU Bad Nauheim seit bald drei Jahrzehnten die Obstbaum- Pflanzaktion und erleichtert es Obstwiesenbesitzern, etwas für den Erhalt der Streuobstwiesen durch Nachpflanzungen zu tun. Mit dem Angebot zahlreicher alter und erhaltenswerter (Regional-)Obstsorten leistet man einen Beitrag zum Erhalt der genetischen und der Obstsorten-Vielfalt. In diesem Jahr konnten die Besteller ihre Bäume Anfang November in Nieder-Mörlen zusammen mit Baumpfahl, Drahthose als Verbissschutz und Kokosstrick zum Anbinden abholen. Um 17 Uhr hatte auch der Letzte seine Bäume in Empfang genommen, während die ersten ihre Bäume zu dieser Zeit wohl schon gepflanzt hatten. 28 verschiedene Apfelsorten wurden geordert, darunter allgemein bekannte wie Goldparmäne und Boskoop und seltenere wie Ruhm aus Kelsterbach, Weilburger und Hochzeitsapfel. Außerdem eine Birnensorte, sechs verschiedene Steinobstsorten, zwei Quittensorten und ein Speierling. Die Verteilung der insgesamt 48 Bäume auf die einzelnen Gemarkungen von Bad Nauheim sieht folgendermaßen aus: Bad Nauheim 9, Nieder-Mörlen 29, Steinfurth 4, Rödgen 3 und Schwalheim 3 Hochstämme. Vier Jungbäume werden ohne Zuschuss der Stadt in Privatgärten gepflanzt.

Die NABU-Aktiven haben diesen Herbst im Rahmen der Obstbaumpflanzaktion zwölf junge Hochstämme gepflanzt, neun davon auf der großen Streuobstwiese "Am Steinweg" neben dem Skulpturenpark und drei auf der Obstwiese "Erbe" in Nieder-Mörlen. Alle Bäume wurden kräftig gewässert und mit Verbissschutz versehen. Die bisher knapp 90 Apfelsorten auf den NABU-Pflegeflächen wurden durch weitere alte und seltene Sorten wie Grüner Gulderling, Seidenhemdchen und Krügers Dickstiel ergänzt. Der Vorstand des NABU Bad Nauheim bedankt sich bei der Stadt für die finanzielle Unterstützung, bei allen Aktiven, die bei Baumausgabe und Pflanzung geholfen haben, sowie bei allen Baumbestellern.

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