Vandalismus tritt im Stadtgebiet seit jeher auf. Während früher gerne mal Laternenpfähle im Südpark umgeknickt wurden, sind in diesem Sommer vor allem Verkehrszeichen betroffen. Sachbeschädigungen sind allerdings nicht das Hauptproblem, die meisten Beschwerden gibt es wegen Ruhestörung.
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Vandalismus tritt im Stadtgebiet seit jeher auf. Während früher gerne mal Laternenpfähle im Südpark umgeknickt wurden, sind in diesem Sommer vor allem Verkehrszeichen betroffen. Sachbeschädigungen sind allerdings nicht das Hauptproblem, die meisten Beschwerden gibt es wegen Ruhestörung.

Nächtliche Partys

Bad Nauheim: Nächtliche Partys sorgen für Ärger -Ruhestörung, Müll, Vandalismus im Corona-Sommer

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Ruhestörung, Müll, Vandalismus - mit Folgen nächtlicher Freiluft-Partys muss sich die Stadt Bad Nauheim immer beschäftigen. Doch der Corona-Sommer ist in dieser Hinsicht rekordverdächtig.

Bad Nauheims Erster Stadtrat Peter Krank ist ein besonnener Mann mit viel Verständnis für die Jugend. Wenn er im Zusammenhang mit nächtlichen Treffs und Feten das Wort »Auswüchse« in den Mund nimmt, wie kürzlich im Bauausschuss geschehen, muss die Situation eine besondere sein. »Nachts sind deutlich mehr Leute unterwegs als in den Vorjahren. Praktisch in allen Parks und anderen Grünanlagen treffen sich Leute.« Ruhestörung und Vermüllung von Grünanlagen seien die Hauptprobleme, Vandalismus spiele eine untergeordnete Rolle - abgesehen von einigen beschädigten Verkehrszeichen. Gegen Corona-Vorschriften werde kaum verstoßen.

Aus Sicht von Krank liegt ein Zusammenhang mit den Corona-Restriktionen nahe. Discotheken, Bars und Clubs seien geschlossen, weniger Leute machten Urlaubsreisen. Hinzu kämen die vielen lauen Sommernächte. Gegen einen Aufenthalt im Freien sei nichts einzuwenden, solange Grenzen nicht überschritten würden. »Gruppen, die durch solches Verhalten auffallen, sind den Ergebnissen unserer Kontrollen nach zu urteilen eher dem Spektrum der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zuzurechnen«, erklärt Krank.

Ruhestörung, Müll und Vandalismus in Bad Nauheim: Treffs auf Parkdecks und in Grünanlagen

Die örtlichen Schwerpunkte sind nach Aussage des Ersten Stadtrats die altbekannten. Alle öffentlichen Parks gehören ebenso dazu wie der Steinfurther Wingertsberg, der Rosen- und Gesundheitsgarten, das Parkdeck in der Schwalheimer Straße, Spiel- und Bolzplätze, die Erbwiese Nieder-Mörlen und das Ehrenmal am Höhenweg. Neu als Treffpunkt hinzugekommen sei der Parkplatz in der Frankfurter Straße.

Angesichts der aktuelle Lage betreibt die Stadt deutlich mehr Aufwand, um dem Treiben zu begegnen. Zusätzlich zu den privaten Sicherheitsdiensten, die jede Nacht mit ein oder zwei Fußstreifen im Einsatz sind, übernehmen mehrere städtische Mitarbeiter Dienste in den Abend- und Nachtstunden. »Allen voran ist unser Sicherheitskoordinator Aydin Yilmaz zu erwähnen, der mit anderen Mitarbeitern des Ordnungsamtes und in Abstimmung mit der Polizei vermehrt unterwegs ist«, berichtet Krank. Gezielt werde Hinweisen von Bürgern nachgegangen und das Gespräch mit den jungen Leute gesucht. »Müll wird eingesammelt und entsorgt, die Lautstärke der Musik auf ein Maß reduziert, das der allgemeinen Nachtruhe entspricht.« Eine nochmalige Kontrolle Stunden später zeige den Erfolg dieser Kommunikationsstrategie. Eine solche Vorgehensweise hält der Ordnungsdezernent für weit wirkungsvoller als Platzverweise, mit denen nur eine Verdrängung des Problems an andere Orte erreicht werde.

Ruhestörung, Müll und Vandalismus in Bad Nauheim: »Freiraum« kommt 2021

Trotz des Engagements der städtischen Beschäftigten könne aufgrund des Personalmangels nicht überall Präsenz gezeigt werden. »Wir können nicht hinter jeden Kurpark-Baum einen Hilfspolizisten stellen«, sagt Krank.

Für die Zukunft hofft der Erste Stadtrat, die »wilden Treffs« mithilfe des geplanten »Freiraums« für Jugendliche im Goldsteinpark in halbwegs geordnete Bahnen lenken zu können. Nach Auskunft von Bürgermeister Klaus Kreß sind die Vorbereitungen inzwischen abgeschlossen, das in Kooperation mit dem Stadtjugendring entwickelte Konzept soll 2021 umgesetzt werden.

Die unbewaldete Fläche im Westen zwischen dem Parkplatz im Norden und dem Adlerweg im Süden werde bespielt, erläutert Kreß. Bestandteile des Freiluft-Treffs sind eine überdachte Naturbühne und eine befestige Fläche mit vandalismussicheren Sitzgelegenheiten im Norden. In Richtung Süden schließen sich Soccout-Arena, Discgolf-Anlage, Basketballfeld und Tischtennisplatte an. Die Kosten beziffert der Bürgermeister auf 400 000 Euro, wobei die Bühnenüberdachung besonders zu Buche schlage. Um den »Freiraum« anzulegen, sei keine Änderung des Bebauungsplans erforderlich. Kreß: »Das wird ein toller Jugend-Treffpunkt. Wir müssen nur genau darauf achten, dass er nicht von ein paar Leuten zerstört wird.«

Ruhestörung, Müll und Vandalismus in Bad Nauheim: Facebook-Debatte

In den Sozialen Medien hat sich ein lebhafter Austausch über die nächtlichen Freiluft-Feiern in Bad Nauheim entwickelt. Viele Bürger melden sich zu Wort, nicht zuletzt wegen der Lärmbelästigung. Als Beispiel haben wir uns eine Facebook-Diskussion über regelmäßige Treffen auf dem Sonnendeck am großen Teich herausgesucht: »Bis 4, 5 Uhr wird die halbe Stadt beschallt.« Leute schreiben, dass sie »den ganzen Sommer fast täglich um die Nachtruhe und den nötigen Schlaf gebracht werden«, um morgens müde zur Arbeit zu gehen. Ein anderer Nutzer hat früher in der Nähe der Kerckhoff-Klinik gewohnt, wurde dort vom Sonnendeck aus beschallt. Heute lebt er in der Innenstadt. »Da halten sich Leute nachts an Bushaltehäuschen auf und lärmen, und nicht nur am Wochenende.« Der Vorschlag eines anderen Bürgers: Das Holzdeck einzäunen und nachts abschließen, wie es am Gesundheitsgarten geschehe.

Weitgehend wird sachlich argumentiert, nur ein Kommentar fällt aus dem Rahmen. Von »rücksichtslosem Dauerterror« und »demonstrativer Vermüllung« der Grünanlagen ist die Rede. Ein anderer Beobachter empfiehlt, sich rund um den Erna-Ente-Treff umzuschauen, »wie zugeschissen es dort teilweise ist«. Die Stadt wird zum Handeln aufgefordert: »Irgendwie müssen Lösungen her. Es kann doch nicht sein, dass so viele immer wieder in ihrer Nachtruhe gestört werden. Und das direkt bei einer Klinik. Unmöglich!« Wenige Nutzer zeigen Verständnis für die Jugendlichen, verweisen auf fehlende Angebote für diese Altersgruppe.

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