Rüstung, Kohle und das Geld

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Finanzieren deutsche Banken mit Geld von Bürgern die Kohle- und die Rüstungsindustrie? Was kann man tun, wenn man das gar nicht will? Zu diesem Thema referierte Katrin Petz vom Verein "urgewald" Berlin kürzlich im Bad Nauheimer Montagsforum. Das Montagsforum, eine Initiative der evangelischen Kirche Bad Nauheim, hat sich zum Ziel gesetzt, praktische und lebensnahe Themen mit Bürgern zu diskutieren.

Finanzieren deutsche Banken mit Geld von Bürgern die Kohle- und die Rüstungsindustrie? Was kann man tun, wenn man das gar nicht will? Zu diesem Thema referierte Katrin Petz vom Verein "urgewald" Berlin kürzlich im Bad Nauheimer Montagsforum. Das Montagsforum, eine Initiative der evangelischen Kirche Bad Nauheim, hat sich zum Ziel gesetzt, praktische und lebensnahe Themen mit Bürgern zu diskutieren.

Im Vorwort des Montagsforum-Teams stellte Kurt Miller die Situation des geplanten Kohleausstiegs in der EU sowie der staatlichen Fördermittel für Kohle und erneuerbare Energien für den Zeitraum zwischen 1970 und 2016 dar. Deutschland sei diesbezüglich Europameister der Luftverschmutzung mit 77 Kohlekraftwerken und Weltmeister bei der Verstromung der Braunkohle. Grund dafür seien unter anderem die staatlichen Förderungen: Kohle- und Atomwirtschaft hätten von 1970 bis 2016 ohne den Energieträger Gas 714 Milliarden Euro erhalten, erneuerbare Energien nur 146 Milliarden.

Das griff Kathrin Petz von "urgewald" auf und fügte hinzu, dass die Geldflüsse und auch das Geld auf Bankkonten von Bürgern eine zentrale Rolle spielten. Nicht nur, wer das Geld bekomme, sondern auch wer es gebe, trage die Verantwortung in der Gesellschaft. Petz zeigte auf, welche Energie- und Rüstungskonzerne mit welchen Banken und Investmenthäusern verquickt seien. Sie legte den Zuhörern nahe, über Divestment nachzudenken. Divestment bedeutet konkret, das eigene Geld (bei Banken und in Aktienfonds) solchen Konzernen mit einer bewussten Geldanlagetaktik zu entziehen und so gemeinsam mit vielen großen und kleinen Investoren die Entwicklung der Energiewende gezielt voranzutreiben. Letztlich gehe es um nicht weniger als die Bewahrung der Erde und damit der eigenen Lebensgrundlage.

Kritik in Sachen Transparenz

Eine Veröffentlichung eines internationalen Recherchenetzwerkes hat laut Referentin gezeigt, dass 33 internationale Großbanken seit dem Pariser Klimaschutzabkommen vor vier Jahren 1,9 Billionen Dollar in die Ausbeutung fossiler Energieträger gesteckt hätten. Gleichzeitig hätten deutsche Banken Pressemeldungen veröffentlicht, nicht mehr direkt in klimakritische Projekte zu investieren. Laut der "urgewald"-Recherchen flössen Gelder nun vermehrt in die entsprechenden Unternehmen anstatt in explizite Projekte. Das Fazit der Aktivistin: Die Rahmenbedingungen müssten umgehend von der Politik geändert werden, um zu einer effektiveren und schnelleren Energiewende zu kommen.

Bei den deutschen Rüstungsexporten sei die Situation noch komplexer und zum großen Teil noch intransparenter, heißt es in einer Pressemitteilung des Montagsforums. Die Lieferketten und Produktionsstätten blieben häufig unbekannt, Unternehmen arbeiteten sehr häufig über Dritt- oder Tochterunternehmen sowie auf geschickten Lieferwegen über Drittländer. Wer unglaublich viele Waffen exportiere, dürfe sich nicht wundern, dass es unglaublich viele Flüchtlinge gebe. Petz zeigte auf, welche deutschen Unternehmen mit welchem Anteil ihrer Produktion so Rüstungsgüter produzieren und welche Umsätze damit erzielt werden.

Die Referentin riet ihren Zuhörern, bei deren Bank nachzufragen, wo genau das eigene Geld angelegt werde, im Zweifel Angebote von nachhaltigen Finanzinstituten zu wählen und nicht vor Protest und Kampagnen zurückzuschrecken. (Foto: pm)

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