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Ralf Ramershoven, Inhaber des Porzellanhauses Frick auf der Kaiserstraße in Friedberg, kritisiert die Corona-Maßnahmen der Politik deutlich.

Geschäftsleute in Sorge

Rückkehr zu »Click and Collect«: Belastung für Handel in Bad Nauheim und Friedberg

  • vonHarald Schuchardt
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Am Samstag endet vorerst in den Geschäften das System »Click and meet«. Dann heißt es wieder »Click and Collect«. Händler aus Friedberg und Bad Nauheim sagen, was sie von alledem halten.

Ab Montag bleibt Schreibwaren Fix in der Bad Nauheimer Hauptstraße geschlossen, vorerst für zwei Wochen. »Wir nennen das jetzt Betriebsruhe«, sagt Inhaberin Alexandra Fix in Anspielung auf die inzwischen schon wieder zurückgenommene »Osterruhe«, die allenthalben auf Unverständnis gestoßen war. Die Schließung des Schreibwarengeschäfts ist eine Folge der Erfahrungen von »Click and Collect« ab Mitte Dezember. »Es gab kaum Bestellungen. Wir waren eigentlich nur da, um Präsenz zu zeigen. Umsatzmäßig hat das Abholen an der Ladentür überhaupt nichts gebracht«, stellt Alexandra Fix ernüchtert fest.

Anders war dies in den vergangenen drei Wochen bei »Click and Meet«. »Wir haben diese Zeit genutzt, um Beratungstermine zum Kauf des richtigen Ranzens für Schulanfänger durchzuführen. Die Nachfrage war groß«, sagt Fix. Der Geschäftsinhaberin ist aufgefallen, dass die Kunden überwiegend mit sehr gezielten Kaufwünschen kommen. Spontane Einkäufe seien selten geworden. »Die Menschen wissen oft genau, wonach sie suchen.« Noch eines hat die Geschäftsfrau überrascht: »Viele Kunden wollen ihre Adresse nicht angeben, die bedienen wir dann wieder an der Tür.«

Dabei ist die Angst nach einer Werbeflut völlig unbegründet, werden die aufgenommenen Daten doch nach vier Wochen vernichtet.

Umsatz so hoch wie im gleichen Zeitraum vor zwei Jahren

Während also bei Schreibwaren Fix ab Montag »Betriebsruhe« herrscht, wird bei Herrenmoden Hinzen in der Stresemannstraße auf »Click and Collect« umgestellt. »Dieses System ist für uns Gift,« sagt Jochen Rottgardt, der zusammen mit Ehefrau Sonja das Familiengeschäft in der dritten Generation führt. Für ein Geschäft im hochwertigem Segment sei dagegen »Click and Meet« geradezu ideal, sagt Rottgardt, der dies auch belegen kann. »In den letzten drei Wochen war der Umsatz genauso hoch wie im gleichen Zeitraum vor zwei Jahren. Letztes Jahr hatten wir da schon den kompletten Lockdown.« Die Kunden von Hinzen Herrenmoden wollen gut beraten werden und ausgewählte Teile anprobieren. »Unser Geschäft lebt von Emotionen beim Einkauf, den hat man an der Ladentür nicht« sagt Rottgardt. Sein Schwiegervater Peter Hinzen, der hin und wieder als »Aushilfe« einspringt, ergänzt lachend: »Noch hat niemand vor dem Laden eine Hose anprobiert.«

Ralf Ramershoven, Inhaber des Porzellanhauses Frick auf der Kaiserstraße in Friedberg, ist mit dem Umsatz in den vergangenen drei Wochen rundum zufrieden. »Ab 8. März hatten wir Zuckerbrot, nun folgt ab Montag wieder die Peitsche.« Von den Kunden gab es während der Geschäftsöffnung viel Zuspruch, auch für das Hygienekonzept - und mit der Registrierung gab es keine Probleme. Das erneute Runterfahren auf den Verkauf bestellter Ware an der Ladentür stößt bei Ramershoven auf völliges Unverständnis: »Für mich ist die Regierung mit den Lockdowns in einem Tunnelmodus. ›Click and Collect‹ ist eine massive Einschränkung für uns und für unsere Kunden.«

Sonderfall Buchhandlung

Was dem Geschäftsinhaber während der gesamten Pandemie-Zeit gefehlt hat und auch weiterhin fehlt, ist Planungssicherheit und eine Perspektive. Ramershoven fasst das so zusammen: »Es geht immer vor und zurück. Das Vorgehen der Politik ist nicht mehr nachvollziehbar.«

Auch Friederike Herrmann, Inhaberin der Buchhandlung Bindernagel in unmittelbaren Nachbarschaft des Porzellanhauses kann längst nicht mehr alle Schritte der Politik nachvollziehen, obwohl sie ihre Buchhandlung weiter öffnen kann, sogar ganz ohne Registrierung der Kunden. »Für uns ist diese Regelung eine Aufwertung des Buchs, doch wir kamen auch mit ›Click and Collect‹ gut zurecht, da fast alle, die in eine Buchhandlung kommen, wissen, was sie wollen.«

So hatte Friederike Herrmann während des Lockdowns bis zum 8. März genug zu tun und sparte dazu noch Personalkosten ein. »Ich freue mich wirklich nicht darüber, dass wir zusammen mit dem Drogeriemarkt, der Bäckerei und den beiden Optikern ab Montag als einzige hier auf haben dürfen.« Der Verkauf des »geistigen Lebensmittels« Buch, wie auf einem Transparent in der Buchhandlung zu lesen ist, geht jedenfalls uneingeschränkt weiter.

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