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Manuel Ruf und Barbara Kretz kümmern sich in der Rosenschule Ruf um zwei Hühnermobile mit 450 Hühnern.

Hühnerhaltung

Rosige Zeiten für Hühner in Steinfurth

Wer Wert auf artgerechte Hühnerhaltung legt, nimmt gerne Bio-Eier. Manuel Ruf verkauft in Steinfurth solche aus mobiler Hühnerhaltung. Das soll gut sein für Boden und Tierwohl.

Wenn man den Hof der Rosenschule Ruf in Steinfurth betritt, hört man es in der Nähe schon gackern. Nur wenige Schritte vom Hofladen entfernt steht es, das Hühnermobil mit der Aufschrift »Rosige Zeiten für Hühner«. Hier wohnen 220 Hennen und fünf Hähne auf 1 000 Quadratmetern Rosenackerfläche. Ein zweites, derzeit leerstehendes Mobil wartet gerade auf eine neue Herde. Verantwortlich für die zwei Hühnermobile sind Manuel Ruf und seine Lebensgefährtin Barbara Kretz.

Das Gackern wird lauter, je näher man dem Hühnermobil kommt. Es wird nur durch ein gelegentliches Krähen und das Knacken des Elektrozauns unterbrochen, der Füchse fernhalten soll. Die Hühner sind ganz aufgeregt - normalerweise gibt es beim täglichen Besuch extra Körner.

Hühnermist als Rosendünger

Die Idee für das Hühnermobil kam Manuel Ruf im Studium der ökologischen Agrarwissenschaften, das er und Kretz an der Universität Kassel absolvierten. »Wir haben schon lange Hühner für die Selbstversorgung gehalten«, sagt Ruf. »Das Hühnermobil ist in zweierlei Hinsicht eine Bereicherung: Einerseits können wir die Bio-Eier in unserem Hofladen verkaufen, andererseits dient der Hühnermist als Dünger für die Rosenäcker, und die Hühner fressen das Unkraut.« 2015 wurde das erste Hühnermobil angeschafft, ein zweites folgte ein Jahr später.

Bis zu 180 Eier täglich

Der Hühnerstall auf Rädern mit jeder Menge Auslauf zieht samt Hennen und Hähnen alle zwei Wochen um. »Der Vorteil dabei ist, dass es so nicht zu einem Überdüngungseffekt durch den Hühnerkot kommt, da er besser verteilt ist«, erklärt Ruf. Für den Boden sei das besser als bei anderen Haltungsformen.

Seit 2018 sind er und Kretz die »Hühnerbeauftragten« im Betrieb. Einmal am Tag - gegen 14 Uhr - schauen sie nach dem rechten und sammeln die Eier ein: zwischen 170 und 180 Stück täglich. Die eine Hälfte verkaufen die Rufs in ihrem Hofladen, mit der anderen beliefern sie einen Biomarkt in Bad Nauheim. Die Bio-Eier finden regen Zuspruch. »Wir haben viele Stammkunden für unsere Eier. Aber auch Kunden, die zum Rosenkauf herkommen, nehmen gerne mal eine Schachtel mit«, sagt Ruf. Gerade jetzt vor Ostern laufe das Geschäft besonders gut. »Da könnten die Hühner gerne das Doppelte legen, um der Nachfrage gerecht zu werden«, sagt Ruf und lacht.

Der Alltag der Hühner ist genau geregelt, da diese Tiere stark auf Licht reagieren. »Zwischen 3 und 4 Uhr morgens geht das Licht im Stall an«, erläutert Ruf. Weil Hühner in der Natur nur im Frühjahr Eier legen würden, werden die entsprechenden Lichtverhältnisse das ganze Jahr über simuliert. »So legen sie relativ kontinuierlich«, sagt Ruf. Um 8.30 Uhr öffnet sich automatisch eine Klappe im Mobil, damit die Hühner ins Freie können. Sobald es dämmert, kehren sie in ihre warme, trockene Behausung zurück, um zu schlafen - dann schließt sich die Klappe wieder. »Alles läuft automatisch über die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und einen Motor«, sagt Ruf.

Hähne warnen vor dem Habicht

Einmal in der Woche ist »Hühnertag«. »Dann misten wir aus, füllen frisches Wasser und Futter auf, erneuern das Einstreu aus Dinkelspelzen in den Nestern und wechseln das Staubbad aus, das für die Gefiederpflege wichtig ist«, sagt Kretz. Zu all dem hat das Geflügel jederzeit Zugang. Das Futter in Bio-Qualität besteht aus vielen Komponenten, unter anderem Mais, Soja, Erbsen und Weizen. Auch Öle und Minerale sind enthalten.

Die mobile Freilandhaltung nach Bio-Standards hat auch Nachteile: »Das ein oder andere Huhn wird vom Habicht geholt«, sagt Kretz. Damit das nicht so häufig vorkommt, warnen die fünf Hähne ihre Hennen vor Angriffen aus der Luft. Ruf: »Sie sind für die Ordnung in der Gruppe zuständig und sorgen für ihr Wohlbefinden.«

Suppenhühner

Nach anderthalb Jahren haben die Hennen vom Hühnermobil Ruf ihre beste Legezeit hinter sich. Um nichts von dem Hühnerfleisch zu verschwenden, lässt Manuel Ruf einen mobilen Schlachter kommen. »Die ganze Herde geht auf einmal. So haben wir die Möglichkeit, das leere Hühnermobil einmal ordentlich zu reinigen, bevor eine neue Herde einzieht.« Die Hühner werden dann als Suppenhühner verkauft. Ruf sagt: »Zur Eierproduktion gehören die Suppenhühner eben auch dazu. Hier wird alles verwertet.«

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