Alexandra M. ist glücklich. Seitdem sie in der Kerckhoff-Klinik ein neues Herz bekommen hat, geht es ihr wieder gut.
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Alexandra M. ist glücklich. Seitdem sie in der Kerckhoff-Klinik ein neues Herz bekommen hat, geht es ihr wieder gut.

Operation in Bad Nauheim

Rheuma machte Herz kaputt: Betroffene berichtet nach Transplantation

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Alexandra M. ist gesundheitlich durch die Hölle gegangen. Bedingt durch ihr Rheuma wurde sie schwer herzkrank und brauchte ein neues Herz. Das bekam sie in Bad Nauheim.

Alexandra M. strahlt. Ihre Herztransplantation an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim ist erst sechseinhalb Monate her und schon sieht die 49-Jährige wieder gesund aus. Im Herbst 2016 fühlte sich die Familienmutter dagegen ständig schlapp. "Ich bewegte mich vom Bett auf die Couch und wieder zurück", erzählt sie. Ärzte fanden nichts heraus, bis eine Untersuchung in einer Spezialklinik in Bad Endbach die Diagnose Rheuma erbrachte. "Es ist eine seltene Form, die das Bindegewebe angreift", erläutert M. Herzprobleme kamen hinzu, denn rheumatische Erkrankungen können oft die Organe schädigen. Im Herbst 2018 merkte M. abends im Bett, dass ihr Herz sehr unruhig war: "Ich hatte manchmal das Gefühl, es kommt gleich rausgesprungen."

Herzstillstand beim Ultraschall

Dann der Schock: In Bad Nauheim hatte sie im Februar 2019 während eines Herz-Ultraschalls überraschend einen Herzstillstand. "Damit ging alles los", sagt M. Sie wurde wiederbelebt, durchgecheckt - doch ohne Ergebnis. "Sie konnten nichts feststellen", sagt die 49-Jährige. Eine Biopsie brachte das Ergebnis: eine abklingende Muskelentzündung. M. bekam einen Defibrillator implantiert, doch bereits vor Ostern merkte sie: "Ich komme nicht mehr so gut die Treppe hoch. Und ich war aufgeschwemmt mit Wasser, es war eine beginnende Herzschwäche." Durch die fehlende Durchblutung, auch aufgrund des Raynaud-Syndroms durch das Rheuma, wurde auf einmal ein großer Zeh schwarz. "Es waren Höllenschmerzen", sagt M. Sie brauchte Pflegebett, Rollstuhl, schlief und nahm kaum noch am Leben teil. "Es war grausam. Deshalb: Ich habe jetzt den Lottogewinn in mir", sagt sie und führt glücklich die Hand zum Herzen.

Vor der OP konnte sie ihre Lieben nicht in den Arm nehmen

Ab November 2019 war Alexandra M. nur noch im Krankenhaus, der Zeh wurde amputiert, zahlreiche Untersuchungen folgten. Ab Februar wartete sie auf ein Spenderherz. Erst sechs Wochen war sie als Hochdringlichkeitspatientin gelistet, als die Stiftung Eurotransplant ein Organ zuteilte. "Es war ein Wunder - in Corona-Zeiten."

Kurz bevor sie davon erfuhr, fühlte sie sich schlecht und desolat. Dann aber setzte sich ihre Ärztin Dr. Katharina Classen zu ihr ans Bett und sagte: "Bleiben Sie ruhig - wir haben ein Angebot für Sie. Und es passt alles." Die Kerckhoff-Ärzte holten das Herz mit dem Flugzeug ab, die OP war schon abends. Ihr Mann und ihre Tochter durften noch mal zu ihr aufs Zimmer, pandemiebedingt völlig verhüllt. Bevor man sie in den OP-Saal transportierte, konnte sie ihre Lieben nicht in den Arm nehmen. Das sei besonders schlimm gewesen, da sie nicht gewusst habe, ob sie sie noch einmal sehe. Sie sagte nur "Tschüss, ich habe euch lieb".

Ihr Operateur war Chefarzt Prof. Yeong-Hoon Choi. "Er und sein Team sind wunderbare Menschen", lobt M. die Kerckhoff-Mediziner. Er sei sehr menschlich, habe sich viel Zeit für Gespräche genommen: "Er hat mir gesagt, dass die OP bilderbuchmäßig verlaufen sei." Alexandra M. ist begeistert von der Kerckhoff-Klinik, wo alles sehr professionell gewesen sei. Alle Beteiligten seien sehr zugewandt, arbeiteten gut strukturiert und Hand in Hand. "Es ist sensationell." Herz, Rheuma und Gefäßkrankheiten - alle drei Gebiete seien an einem Standort vereint.

Eine Kerze erinnert an die Spenderin

Nach der OP lag M. zwölf Tage lang auf der Intensivstation, wurde schnell mobilisiert. Zur Reha musste sie nicht, was der Corona-Krise geschuldet war. Zu Hause sei sie am sichersten, sagte man ihr, was ihr nach dem langen Klinikaufenthalt recht war. "Die beste Reha war zu Hause, dort hatte ich Bewegung, einen Hometrainer, konnte in den Garten gehen, war bei meiner Familie." Sie habe sich schnell erholt. "Ich fahre wieder Fahrrad, gehe spazieren." Das Pflegebett sei abgebaut, sie steige die Treppe und sei wunschlos glücklich.

Für ihre unbekannte Spenderin hat sie zu Hause eine Kerze stehen und dankt ihr regelmäßig. Mit ihrer Geschichte will M. Menschen Mut machen, die im Krankenhaus liegen. Sie betont: "Es ist auf jeden Fall ganz wichtig, die Hoffnung nicht zu verlieren." Ein Lied von Nena erinnere sie daran, wie sie augenzwinkernd ergänzt: "Wunder gescheh’n."

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