Mona Heyen meistert in ihrer positiven Art ihr Leben und motiviert andere Rheumaerkrankte. Der Rheuma-Preis 2020 geht an die Bilanzbuchhalterin und ihren Arbeitgeber, die Kerckhoff-Klinik. FOTO: ANNETTE HAUSMANNS
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Mona Heyen meistert in ihrer positiven Art ihr Leben und motiviert andere Rheumaerkrankte. Der Rheuma-Preis 2020 geht an die Bilanzbuchhalterin und ihren Arbeitgeber, die Kerckhoff-Klinik. FOTO: ANNETTE HAUSMANNS

Engagiert trotz und wegen Krankheit

Rheuma bremst sie nicht: Bad Nauheimerin Mona Heyen bekommt Preis

  • vonAnnette Hausmanns
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Mona Heyen aus Bad Nauheim hat Rheuma. Sie steht anderen Betroffenen als Trainerin für Selbstmanagement zur Seite. Die 44-Jährige und ihr Arbeitgeber haben nun den Rheuma-Preis erhalten.

Mit 39 hat man doch kein Rheuma", schoss es Mona Heyen durch den Kopf. Ein Kollege äußerte diesen Verdacht, als sich bei der jungen Frau die Symptome häuften: hier ein Zwicken im Fuß, dort schmerzende Hände, etwas Mühe beim Gehen. "Damals schob ich das auf hohe Schuhe, aufs Wetter", erinnert sich Heyen. Als die Schmerzen unerträglich wurden, folgte sie dem Rat des Kollegen und ließ sich einen Termin in der Rheumatologie geben - quasi um die Ecke, bei ihrem eigenen Arbeitgeber, der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Die Diagnose war eindeutig: rheumatoide Arthritis und Psoriasis-Arthritis.

Fünf Jahre später weiß Heyen, welch ein Glück sie gehabt hat: "Je früher die Diagnose feststeht, desto besser", erzählt die junge Frau. Die entzündeten Gelenke waren noch nicht stark geschädigt. Klassiker wie die MTX-Therapie vertrug sie zwar nicht, neuere Möglichkeiten wie Biologika schlugen gut an, konnten neue Krankheitsschübe aber nicht verhindern. Wenn’s ganz schlimm kommt, muss Cortison helfen. "Meinem Immunsystem ist offenbar langweilig", umschreibt Heyen die Tücke der Erkrankung, wenn sich nämlich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet.

"Rheuma ist nicht heilbar", weiß Heyen. Aber sie nimmt die Herausforderung an und macht das Beste aus der Situation. "Ich bin ein positiver Mensch." Sie weiß das selbst zu schätzen. In der Gießener Selbsthilfegruppe der Rheuma-Liga hat sie erfahren, wie wertvoll der Austausch unter Betroffenen ist. Den Umgang mit der chronischen Erkrankung hat sie verinnerlicht und gibt ihn als ehrenamtliche Trainerin mit Empathie und Wissen weiter. "Teil dir deine Energien ein - so, als hättest du pro Tag zwölf Löffel davon zur Verfügung." Und weiter: Auf sich selbst hören, gut zu sich sein und zu kämpfen, wenn man um eine Sache weiß, die guttut. "Übernimm Verantwortung für dich selbst", rät Mona Heyen - und: "hab keine Angst".

Bei ihr ist Schweinefleisch ein Trigger

Auch Medikamente sollten ohne Angst genommen werden. "Das sind keine Gummibärchen, aber sie helfen." In Bewegung bleiben und auf die Ernährung achten, sei oft leichter gesagt als getan. Jeder müsse selbst herausfinden, was ihm bekomme. "Bei mir ist Schweinefleisch ein Trigger", hat Heyen schmerzlich erfahren und meidet es seitdem. Und was, wenn die Schmerzen doch wieder unerträglich werden? "Mein Mann ist meine beste Medizin", sagt die 44-Jährige und lächelt. "Er kümmert sich um alles, wenn ich mich nicht rühren kann." Gemeinsam sind sie beide in ihrer Freizeit leidenschaftlich in der Mittelalter-Szene aktiv, sie nähen ihre Wikinger-Gewänder selbst, fertigen Werkzeuge an und leben an Wochenenden so authentisch wie möglich mit Gleichgesinnten in Lagern mitten in der Natur. "Jetzt natürlich nur noch im Sommer." Ihr Mann habe ihr eigens ein Bett für ihr Zelt gebaut. So könne sie die Geselligkeit genießen, auch wenn es ihr nicht gut gehe. "Unser Hobby ist Ausgleich und Kraftquelle", sagt Heyen.

Technische Hilfsmittel im Büro

Zugleich spürt man, wie gerne die stellvertretende Abteilungsleiterin im Finanzbereich der Kerckhoff-Klinik ihrer verantwortungsvollen Arbeit nachgeht. Dass sie nach wie vor in Vollzeit arbeiten könne, habe sie der Unterstützung durch den Arbeitgeber zu verdanken, sagt sie. Dringende Arzttermine wahrzunehmen, bei starken Krankheitsschüben zu Hause zu bleiben oder eine Reha zu besuchen, sei kein Problem. Alle gingen flexibel mit ihren körperlichen Einschränkungen um und unterstützten sie nach Kräften. Dazukommen technische Hilfsmittel im Büro: höhenverstellbarer Schreibtisch, spezieller Bürostuhl, multibewegliche Stehhilfe, Spezial-Tastatur, Trackball statt Computermaus, elektrischer Tacker und Locher. "Wir freuen uns, dass Frau Heyen ihre Berufstätigkeit mit Freude weiterführen kann", sagt Matthias Müller, Kaufmännischer Geschäftsführer der Kerckhoff Klinik GmbH.

Viel Leid gesehen

"Rheumatiker können alles schaffen, wenn auch mit Einschränkungen", sagt Heyen. Anderen Mut zu machen und positive Erfahrungen zu teilen, sei ihr auch deshalb so wichtig, weil sie viel Leid gesehen habe - körperlich, aber auch seelisch in einem Teufelskreis aus Schmerzen, schwindendem Selbstwertgefühl, Verlust der Arbeit, der Wohnung, des Partners. "Durch die Krankheit habe ich viele tolle Menschen kennengelernt." Dank des Rheuma-Preises erreiche sie noch mehr Betroffene und Arbeitgeber, um sie womöglich zu ermutigen.

Die Initiative "RheumaPreis"

Über 1,5 Millionen Deutsche leiden unter Rheuma. Etwa fünf Prozent der Berufstätigen mit chronischen Rheuma-Erkrankungen geben in den ersten beiden Jahren ihrer Erkrankung ihren Arbeitsplatz auf, in den ersten fünf Jahren sogar über zehn Prozent. Rheumatiker, die weiter arbeiten können, leiden häufig unter nicht angepassten Bedingungen. Die Initiative "RheumaPreis" zeichnet jedes Jahr Menschen aus, die trotz einer rheumatischen Erkrankung im Berufsleben stehen, offen mit ihrer Erkrankung umgehen und damit anderen Betroffenen Mut machen. Da zu einem förderlichen Arbeitsklima immer zwei gehören, zeichnet der "RheumaPreis" Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam für partnerschaftliche Lösungen am Arbeitsplatz aus. Das Preisgeld geht vollumfänglich an die Arbeitnehmer. Bewerben kann sich jeder, der an entzündlichem Rheuma erkrankt ist - ob allein oder als Team, als Angestellter, Auszubildender oder Selbstständiger. Infos: www.rheumapreis.de.

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