Jürgen Seim (r.) hat das Herrenhaus von Löw verkauft, 2015 will er aber ein neues Restaurant eröffnen. Er hofft, seinen Restaurantleiter Leon Brukner dann wieder an seiner Seite zu haben.	(Foto: nic)
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Jürgen Seim (r.) hat das Herrenhaus von Löw verkauft, 2015 will er aber ein neues Restaurant eröffnen. Er hofft, seinen Restaurantleiter Leon Brukner dann wieder an seiner Seite zu haben. (Foto: nic)

Restaurant »Herrenhaus von Löw« schließt Ende Januar

Bad Nauheim-Steinfurth (buc). Erst kündigt der Friedberger Sternekoch André Großfeld an, die Wetterau in Richtung Frankfurt zu verlassen – und nun schließt auch noch ein weiteres anspruchsvolles Restaurant der Region Ende Januar seine Pforten.

Erst am Mittwoch hat der Eigentümer und Chef des Steinfurther Hotels und Restaurants »Herrenhaus von Löw«, Jürgen Seim, seinen Mitarbeitern die traurige Nachricht mitgeteilt, das Haus verkauft zu haben. Das Gourmet-Restaurant, das von führenden Gastro-Führern und -Kritikern regelmäßig ausgezeichnet wird, führt er »in gewohnter Qualität und mit besonders viel Ehrgeiz«, wie er betont, noch die verbleibenden drei Monate weiter. Auf diese Weise wolle er seinen treuen Gästen danken. Dann erlischt ein weiterer gastronomischer Stern im Wetteraukreis.

»Ich werde jeden Tag wehmütiger«, gesteht der Gourmetkoch ein. Schließlich war das edle Fachwerkhaus, das 1807 errichtet worden war, fast zwei Jahrzehnte lang sein Wirkungsort. Doch ein Hotel und ein Gourmetrestaurant zu führen und fast täglich abends in der Küche zu stehen, habe seinen Tribut gefordert. Nachdem seine Frau und er sich Anfang des Jahres getrennt hätten, sei die Gelegenheit für einen Einschnitt gekommen. Bereits vor zwei Jahren habe er – damals noch mit seiner Frau – überlegt, sich zu verkleinern.

Ein Feinkostladen anstelle des Hotels und Restaurants sollte es sein. Doch daraus wurde nichts. »Jetzt ist die Zeit für eine Kreativpause«, sagt Seim.

Mehr Zeit für die Kinder

Die wolle er vor allem auch dazu nutzen, um mehr Zeit mit seinen drei Kindern im Alter von fünf, acht und elf Jahren zu verbringen. Gerade angesichts der Trennung sei er ihnen das schuldig. »Rein wirtschaftlich gesehen macht es keinen Sinn, dass ich aufgebe«, sagt der Hotelier und Gastronom. So viel Geld wie mit dem Herrenhaus werde er vermutlich nie wieder verdienen. Sorgen um seine 13 Angestellten habe er nicht. Die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern sei so hoch, dass sie alle schnell wieder unterkommen könnten.

Doch es gibt auch positive Nachrichten. Die erste ist, dass kein anonymer Investor das Schmuckstück des Rosendorfs gekauft hat, sondern ein Einheimischer. Zugeschlagen hat die Metzgerei Michel-Weitzel. Geschäftsführer ist der Steinfurther Otmar Kryts. Die Nachwuchs-Generation der Familie Kryts wird – das ist die zweite gute Nachricht – das Hotel als Familienbetrieb weiterführen.

»Bei mir haben sich Russen, Asiaten und Osteuropäer um den Kauf des Herrenhauses bemüht«, erzählt Seim. Die hätten ihm auch zum Teil einen wesentlich höheren Kaufpreis angeboten. Doch er habe abgelehnt. »Mir war es wichtig, dass jemand Seriöses und möglichst noch aus der Gegend das Haus übernimmt, der es mit Herzblut weiterführt.«

Und eben dies haben sich die künftigen Betreiber nach eigenen Angaben vorgenommen. »Unsere Familie hat sich das Hotel angesehen, und ich habe mich sofort darin verliebt«, erzählt die künftige Chefin des Hauses, Marlene Kryts. Die 26-Jährige wird das Herrenhaus zusammen mit ihrem 34-jährigen Mann Markus Kryts, Neffe von Otmar Kryts, und dessen 21-jährige Cousine, Anna Kryts, der Tochter des Metzgerei-Geschäftsführers, betreiben. Um einen reibungslosen Übergang zu erreichen, arbeite das Ehepaar und die Cousine schon im Hotelbetrieb mit. Zudem gebe der Noch-Eigentümer ihnen bestmöglichen Einblick in die Hotelabläufe und arbeite sie ein.

Neues Restaurant in der Kernstadt

Statt dem Feinschmecker-Restaurant soll es künftig nur eine Bar geben, in der abends kleine regionale Gerichte angeboten werden, kündigt Marlene Kryts an. Dies sei zwar für alle offen, das Angebot richte sich aber insbesondere an die Hotelgäste, die zum Wein oder Bier noch eine Kleinigkeit essen wollten. »Wir können das Restaurant nicht auf dem derzeitigen Niveau weiterführen«, erklärt sie. Ein neuer Schwerpunkt sollten Veranstaltungen und Feierlichkeiten sein. Hierfür biete sich der urige Gewölbekeller an.

Zum Schluss eine weitere gute Nachricht: Jürgen Seim gibt zwar sein Gourmetlokal in Steinfurth auf. In der Schublade hat er aber bereits mehrere Konzepte für ein künftiges Lokal. »Ich ziehe mich nicht zurück, ich ziehe nur um«, betont er. In gut einem Jahr will er die Eröffnung seines neuen Domizils feiern. Konkretes verriet er nicht – nur so viel: Es werde in Bad Nauheim, nicht mehr in Steinfurth liegen.

Seinen langjährigen Weggefährten, den Gastgeber und Restaurantleiter Leon Brukner, hofft er dann wieder an seiner Seite zu haben. Schließlich sei er die Seele des Herrenhauses und würde sicherlich von allen Stammgästen schmerzlich im neuen Seim’schen Lokal vermisst. Vor allem will Seim seinem hohen kulinarischen Anspruch treu bleiben. Man darf gespannt sein, ob Ende 2015 ein neuer gastronomischer Stern in der Wetterau leuchtet.

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