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So wird sie in spätestens zwei Jahren aussehen: Stolz präsentieren Armin Häfner, Dr. Thomas Schwab und Gustav Jung (v. l.) vom Verein Wind- und Wasserkunst ein Bild der Bad Nauheimer Mühle.

Gute Neuigkeiten

Rekonstruktion der Bad Nauheimer Windmühle: Baubeginn in diesem Jahr

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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17 Jahre, nachdem einige Enthusiasten die Rekonstruktion der Bad Nauheimer Windmühle angeregt hatten, stehen sie kurz vor dem Ziel. Die Initiatoren warten mit sehr guten Neuigkeiten auf.

Beim Deutschen Mühlentag 2004 in Bad Nauheim war die Idee entstanden, die 1824 bei einem Orkan zerstörte Windmühle an der »Langen Wand« (Schwalheimer Straße) zu rekonstruieren. Feuer und Flamme von dem Projekt waren auch der damalige Bürgermeister Bernd Witzel und Klaus Neuhöfer, Vorsitzender des Fördervereins der Kurstadt. Doch die Euphorie verflog, als erkennbar wurde, welche Mühen damit verbunden sein würden. Zumal Witzels Nachfolger Armin Häuser eines klar machte: Von der Stadt wird es keinen Cent für die Windmühle geben.

Trotzdem wurde die Idee nicht fallen gelassen. Zunächst kümmerte sich der Förderverein darum, 2013 gründete sich der Verein Wind- und Wasserkunst Bad Nauheim unter dem Vorsitz von Dr. Thomas Schwab. Akribisch und kontinuierlich wurde daran gefeilt, die Voraussetzungen zu schaffen. Diese Beharrlichkeit zahlt sich aus. »Zweieinhalb Jahre nach Antragstellung liegt die Baugenehmigung vor«, verkündet Schwab. Den sehr langen Prüfungsprozess erklärt der Vorsitzende in erster Linie mit Statikproblemen. Zwei Gutachten waren erforderlich, um das Kreisbauamt zufriedenzustellen.

Ringanker sichert Standfestigkeit

Wie Vereinsmitglied Gustav Jung, ein auf Denkmalschutz spezialisierter Architekt, erläutert, muss in den Turm, an dem sich die Flügel drehen sollen, ein Ringanker installiert werden. Nur so kann die Standfestigkeit bei Orkanböen garantiert werden. »Das Projekt ist spannend, weil quasi eine Maschine in ein denkmalgeschütztes Gebäude gebaut wird. Das hat man nicht so oft«, sagt er. Zehn Jahre lang wurde darüber mit den Denkmalpflegern diskutiert. Erst als von dieser Seite ein Ja kam, machte es Sinn, den Genehmigungsprozess ernsthaft in Angriff zu nehmen.

Jung zufolge soll die Rekonstruktion in mehreren Schritten erfolgen. Ende dieses Jahres starten die Zimmererarbeiten. Gehörigen Gesprächsbedarf gab es bezüglich des Aufbaus der Galerie. Auflage des Denkmalschutzes: Die Turmfenster müssen sichtbar bleiben. Letztlich wurde beschlossen, die Galerie auf die Brüstung zu setzen. Nächste Schritte werden Innensanierung der Turmwände und Installation des Ringankers sein.

Aufgabe des Mühlenexperten Rüdiger Hagen und einer Firma aus Norddeutschland ist es, zum Abschluss die Technik anzubringen. »Der Drehkranz aus Eiche ist noch vorhanden. Er wird saniert und kommt wieder zum Einsatz«, erklärt Jung. Der Kranz ist das einzige Originalteil der 1745 errichteten Windmühle, das wiederverwendbar ist. Nach Aussage von Schwab sollen sich die Flügel vielleicht schon 2022, aber spätestens 2023 drehen.

Überraschender Landeszuschuss

Doch wie ist es gelungen, die Finanzierung zu stemmen? Über Jahre schien das Ansinnen des Vereins, mehr als eine halbe Million Euro zu akquirieren, völlig utopisch, zumal es weder Geld von der Kommune noch aus Denkmalschutztöpfen gibt. Laut Jung handelt es sich um einen Neubau, deshalb können keine Fördermittel für Denkmalschutz beantragt werden.

Zwischenzeitlich stand das Projekt kurz vor dem Scheitern. Der Förderverein hatte nämlich seine Zusage, einen sechsstelligen Betrag beizusteuern, wieder in Frage gestellt. Letztlich flossen aber doch 125 000 Euro. »Das Geld ist da«, versichert Schwab. Weitere Spenden summieren sich auf 110 000 Euro.

Doch den dicksten Batzen macht ein Landeszuschuss aus, mit dem niemand gerechnet hatte. Schwab: »Mündlich wurde uns die Übernahme von 50 Prozent der Investitionskosten fest zugesichert. Jetzt werden wir den Antrag stellen.« Das Land schießt 290 000 Euro zu, bei Gesamtkosten von 580 000 Euro. Nach Angaben von Vereinsmitglied Armin Häfner fehlen noch 60 000 Euro. Der Vorstand ist optimistisch, diese Summe bald einzutreiben. Wenn potenzielle Sponsoren sähen, dass sich am Turm etwas tut, falle die Entscheidung leichter.

»Im Verein herrscht Aufbruchstimmung«, kommentiert Schwab die positiven Nachrichten. Gemeinsam mit dem großen Rad samt Gestänge in Schwalheim entstehe ein hochrangiges Industriedenkmal. Die Nauheimer Windmühle werde das einzige Original in Hessen sein, weil die Mühle im Hessenpark aus Norddeutschland stamme. »Zudem wird hier die südlichste Windmühle Deutschlands stehen«, sagt der Vorsitzende.

Wichtiges Projekt für Tourismus

Fast 200 Jahre nach der Zerstörung durch einen Orkan wird die Bad Nauheimer Windmühle rekonstruiert. Nach Abschluss der Arbeiten wird ein Museum entstehen, in dem die Mühlentechnik der Öffentlichkeit präsentiert wird. »Die Flügel werden sich an allen Wochenenden drehen, wir bieten regelmäßige Besichtigungstermine an«, sagt Armin Häfner vom Verein Wind- und Wasserkunst. Gesucht werden weitere Frauen und Männer, die Kurse zum Betreiben der Mühle absolvieren möchten. Bevor die Flügel in Gang gesetzt werden, müssen von der Galerie aus jeweils die Segel aus Leinenstoff ausgerollt werden. Mit Folgekosten rechnet der Verein in den nächsten 20 Jahren kaum. Dann dürften erste Reparaturarbeiten anstehen. Die Versicherungskosten für das Bauwerk übernimmt die Stadt.

Die Bedeutung des Tourismus-Standorts Bad Nauheim wird mit dem Projekt weiter wachsen. Das weiß auch Bürgermeister Klaus Kreß: »Mit der Wiederherstellung des Windmühlenturms wird nicht nur ein bedeutendes technisches Denkmal in Bad Nauheim reaktiviert, sondern auch ein weiterer touristischer Leuchtturm die Attraktivität der Badestadt vergrößern.«

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