Auf einer Weltkarte hat Manuela Jakobi-Stamm die Urlaubsziele markiert, die aktuell gebucht werden können.
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Auf einer Weltkarte hat Manuela Jakobi-Stamm die Urlaubsziele markiert, die aktuell gebucht werden können.

Reise- Planung in Corona-Zeiten

Reisebüros in Bad Nauheim und Friedberg: »Die Hoffnung stirbt zuletzt«

  • vonHarald Schuchardt
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Die Corona-Pandemie bringt auch im Reise-Sektor vieles durcheinander. Wie gehen Reisebüro-Inhaber in Bad Nauheim und Friedberg mit der schwierigen Situation um?

Eine große Weltkarte hängt im Schaufenster des Reisebüros »Sonnenklar.TV« in der Bad Nauheimer Stresemannstraße. Darauf sind ganze drei Orte markiert, an denen man derzeit Urlaub machen kann, darunter auch Mallorca. »Ich hatte keine einzige Malle-Buchung«, sagt Manuela Jakobi-Stamm, die das Reisebüro 2014 übernommen hat. Die Reisekauffrau liebt Kreuzfahrten, doch gerade dieser Bereich leidet besonders stark an den Folgen der Pandemie. »Ich habe die letzten zwölf Monate fast nur noch umgebucht. Kreuzfahrten sind nun mal mein Hauptgeschäft.«

Im letzten Jahr hatte sie viele Reisen auf diesen Sommer umgebucht, nun bucht sie erneut um. »Ich habe schon zahlreiche Buchungen für Kreuzfahrten und Fernreisen im kommenden Jahr«, sagt Jakobi-Stamm. »Die Leute sehnen sich nach Reisen, doch aktuell will sich kaum jemand mehr festlegen«, beschriebt sie die Unsicherheit. »Wir verkaufen ja Freude, aber bei dem diffusen Geschehen ist das derzeit sehr schwer.« Kürzlich hat sie einen Ausspruch von Joachim Ringelnatz gelesen: »Sicher ist, dass nichts sicher ist, selbst das nicht.« Das treffe auf die aktuelle Situation total zu, sagt Jakobi-Stamm, die sich aber darüber freut, dass aktuell die TUI-Schiffe bei den Kanaren unterwegs sind. »Die Kreuzfahrer sind begeistert, das Konzept stimmt«, sagt die Reisekauffrau, die auf Besserung im Sommer hofft.

Reisebüros in Bad Nauheim und Friedberg: Arbeit, ohne was daran zu verdienen

Ähnlich ist die Lage bei Frank Messerschmidt, seit 1990 Inhaber der beiden Derpart-Reisebüros in der Friedberger Haagstraße und »In den Kolonaden« in Bad Nauheim. »Gerade hat ein Reiseveranstalter wieder einmal eine Reise endgültig storniert«, sagt der Touristik-Fachwirt, der mit seinen beiden Reisebüros die vor 74 Jahren begonnene Familientradition fortsetzt. Dreimal hatte er besagte Reise umgebucht, da sich auch die Preise ständig geändert hatten. Messerschmidt: »Ich möchte ja, dass meine Kunden immer das günstigste Angebot nutzen können. Das ist halt derzeit so, wir haben die Arbeit und verdienen nichts daran.«

Der 64-Jährige hat seit Pandemiebeginn mit folgendem Problem zu kämpfen: »Ständig ändert sich was, ich kann gerade nur vom Stand heute sprechen, das kann morgen schon wieder anders sein. Das macht das Ganze nicht gerade einfach.« Damit der Kunde weiß, was für ihn aktuell gültig ist, erhält er für seine gebuchte Reise einen persönlichen Link, der die aktuellen Ein- und Ausreiseregelungen und die Bedingungen des gebuchten Veranstalters enthält.

Reise-Planung in Corona-Zeiten: Für den Herbst Urlaub auf den Balearen

Für den Sommerurlaub hat Messerschmidt kaum Buchungen und Anfragen, denn »die Leute sind durch die ständig wechselnden Regelungen verunsichert«. Auch er hofft, dass die Pandemie im Sommer abklingt: »Die Reisebranche wurde durch Naturereignisse, Terror und Insolvenzen immer wieder stark gebeutelt, doch dank unserer positiven Einstellung haben wir das alles gemeistert und werden auch diese Zeit meistern.«

Auf den Sommer und vor allem auf den Herbst setzt auch Barbara Haas, Inhaberin des Reisebüros »Holiday Land« in der Friedberger Kaiserstraße. »Einige Stammkunden haben schon für den Herbst Urlaub auf den Balearen gebucht«, sagt die Reisefachfrau, in deren Reisebüro der Ansturm auf Mallorca ausgeblieben ist. »Ich habe eine einzige Buchung nach Ostern.«

Auch Haas wünscht sich klare Perspektiven, damit es bald wieder aufwärts gehen kann. »Der Corona-Frust wächst, alle sind verunsichert«, sagt Haas, die die Entscheidung der Bundesregierung begrüßt, dass Urlaubsrückkehrer nun einen aktuellen Corona-Test vorweisen müssen. »Ich appelliere an die Vernunft der Menschen. Jeder muss selbst entscheiden und wissen, was er tun will.« Auch Barbara Haas hofft auf bessere Zeiten. »Es heißt doch, die Hoffnung stirbt zuletzt. Daran glaube ich.«

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