Ob real oder digital: Für die Gläubigen jederzeit präsent

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Bad Nauheim (pm). Mit vielfältigen Aktionen hat die evangelische Kirchengemeinde Bad Nauheim auf die Corona-Krise reagiert. Es ging darum, Spielräume kreativ zu gestalten und gleichzeitig verantwortungsvoll zu handeln.

»Uns ist eine globale Fastenzeit auferlegt, durch die wir uns auf das Wesentliche im Leben besinnen«, fasst Pfarrer Rainer Böhm zusammen. Die Gemeinde reagierte seit März mit viel beachteten Online-Gottesdiensten zu allen Sonn- und Feiertagen auf das Versammlungsverbot.

Seit Mitte Mai finden zusätzlich wieder reale Gottesdienste statt. Die Dankeskirche ist dank einer Präsenzgruppe wieder mittwochs bis samstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Für diese Lockerungen sind viele Gläubige dankbar, doch die Einschränkungen durch fehlendes Singen im Gottesdienst, durch Abstandsregeln und die Gesichtsmasken fallen für einige stark ins Gewicht. »Ich genieße immer noch den Online-Gottesdienst zu Hause bei einer Tasse Kaffee und im Bademantel. Dort kann ich wenigstens laut mitsingen«, sagt ein engagiertes Gemeindemitglied.

Ebenfalls gut nachgefragt werden die täglich auf die Homepage gestellten, vom Pfarrteam verfassten Andachten, die Auszeit-Impulse für meditative Spaziergänge und die Segenskarten zum Mitnehmen, die an Zäunen der Pfarrhäuser und an der Dankeskirche hängen. Dort bestand zwei Monate lang die Möglichkeit, Gebetsanliegen zu hinterlassen. Pfarrerin Meike Naumann und Gemeindepädagogin Regina Reitz verschickten schriftliche »Gottesdienste für zu Hause« zusammen mit einem Bastel-Angebot an Familien.

»Telefonische Kontakte und Online-Konferenzen mussten häufig die fehlende persönliche Begegnung ersetzen, sie wurden dafür aber umso dankbarer genutzt«, bemerkt Naumann.

Ihre Kollegin Susanne Pieper hat unter anderem mit einem wöchentlichen »Wort zum Sonntag« reagiert, das im Seniorenheim Aeskulap an alle evangelischen Bewohner verteilt wird, und freut sich über zahlreiche Rückmeldungen. »Aus Gesprächen weiß ich, dass alle unsere Andachten zum Teil sehr akribisch gelesen und von interessierten Gemeindemitgliedern sogar in einem Ordner gesammelt werden«, berichtet sie.

In der konzertfreien Zeit machte die Dankeskirche vor allem mit dem ökumenischen Glockenläuten geräuschvoll auf sich aufmerksam. Während sich die Chöre auf interne Online-Chorproben beschränken mussten, wurde weiter am Orgelprojekt gearbeitet. Gespräche mit Orgelbauern und Sachverständigen wurden geführt, an Konzepten wurde gefeilt.

»Wir freuen uns, dass wir die Konzertreihe mit kürzeren Veranstaltungen unter dem Begriff ›Mittwochskonzerte‹ ab dem 24. Juni um 19 Uhr wieder aufleben lassen können«, stellt Kantor Frank Scheffler in Aussicht.

Seit Ostern war auf Anregung von Pfarrer Böhm Trompeter Robin Wukits engagiert worden, um den Bewohnern der vier großen Bad Nauheimer Seniorenwohnheime wöchentlich ein Sonntagsständchen zu geben. Der Musiker wird das Angebot auf Wunsch der Gemeinde bis auf Weiteres fortsetzen.

Geländespiel mit QR-Code

Kirchliches Leben in der Corona-Zeit hat sich schnell modernisiert. Die evangelische Kirchengemeinde Bad Nauheim kann inzwischen auf eine große Zahl von Online-Angeboten auf ihrem Youtube-Kanal verweisen, darunter auch interaktive Angebote der Thomasmessengruppe und eine Onlineversion von ›Jazz und Texte«.

Doch das Gemeindeleben brauche auch echte Begegnung, sozusagen ein »Live-Angebot«, findet Gemeindepädagogin Regina Reitz. So lange das noch nicht möglich ist, muss es eben mit QR-Code gehen, wie in einem Geländespiel aus ihrem Jugendbereich. Mit einer App kann der Code gescannt werden, und dann kann es losgehen. »Das Spiel ist so konzipiert, dass wir während dem Spielen spüren, da sind noch viel mehr auf dem Weg.«

Die Internetseiten der evangelischen Kirchengemeinde: www.evangelisch-in-bad-nauheim.de und www.orgel-dankeskirche.de.

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